Calamarata: Herkunft, Besonderheiten und die richtige Zubereitung der Ringnudeln

Mario Wormuth
Erstellt von: Mario Wormuth
17 Minuten Lesezeit

Kurz & knapp

Calamarata ist eine traditionelle, ringförmige Pastasorte aus Kampanien, die in Form und Größe an geschnittene Tintenfischringe (Calamari) erinnert. Sie wird klassisch aus Hartweizengrieß und Wasser hergestellt und traditionell mit Fisch- oder Meeresfrüchtesaucen serviert, bei denen die echten Tintenfischringe optisch fast mit den Nudeln verschmelzen.

In der italienischen Küche spielt die perfekte Abstimmung zwischen Pastasorte und Sauce eine entscheidende Rolle. Jedes Format wurde historisch so entwickelt, dass es bestimmte Texturen, Saucenmengen und Zutaten optimal aufnehmen kann. Die Calamarata gehört zu den faszinierendsten Beispielen dieser kulinarischen Harmonie, da sie nicht nur funktionale Aufgaben erfüllt, sondern auch eine visuelle Täuschung auf dem Teller erzeugt.

Ursprünglich im Süden Italiens beheimatet, hat diese röhrenförmige Nudel weltweit die Herzen von Feinschmeckern erobert. Ihre glatte, aber dennoch dicke Struktur unterscheidet sie deutlich von bekannteren Röhrennudeln wie Rigatoni oder Penne. Wer verstehen möchte, wie man Meeresfrüchtegerichte auf ein neues Niveau hebt, kommt an dieser speziellen Pasta und ihrer traditionellen Verwendungsweise nicht vorbei.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Form und Optik: Breite, flache Ringe, die optisch exakt geschnittenen Tintenfischringen nachempfunden sind.
  • Herkunft: Kampanien, insbesondere die Region rund um Neapel im Süden Italiens.
  • Traditionelle Verwendung: Hauptsächlich in Kombination mit Tintenfisch (Calamari), Kirschtomaten, Knoblauch und Weißwein.
  • Textur: Dickwandig und bissfest, wodurch sie beim Kochen ihre Form behält und ein exzellentes Kaugefühl (Al dente) bietet.
  • Herstellung: Hochwertiger Hartweizengrieß, der idealerweise durch Bronzeformen (Trafila al bronzo) gepresst wird.

Was ist Calamarata und woher stammt die Pastasorte?

Calamarata ist eine dicke, ringförmige Nudelsorte aus Neapel, die ihren Namen der Ähnlichkeit mit den ringförmig geschnittenen Körpern von Tintenfischen (Calamari) verdankt. Ihr Ursprung liegt in der süditalienischen Region Kampanien, wo die Verfügbarkeit von frischem Fisch und die ausgeprägte Kunst der Pastaherstellung seit Jahrhunderten Hand in Hand gehen. Die Nudel spiegelt die kreative Genügsamkeit der traditionellen neapolitanischen Küche wider, bei der optische Reize und geschmackliche Synergien geschickt miteinander kombiniert werden.

Historisch gesehen wurde die Form so konzipiert, dass sie bei der Zubereitung des traditionellen Gerichts „Calamarata“ optisch mit den echten, gekochten Tintenfischringen verschmilzt. Dadurch entsteht beim Essen ein spielerischer Effekt, da sich Pastaringe und Tintenfischstücke farblich und formell stark ähneln. Diese optische Täuschung verleiht dem Gericht bis heute einen besonderen ästhetischen Reiz in der gehobenen Gastronomie sowie in der ehrlichen Hausmannskost.

Die Qualität dieser Nudelsorte steht und fällt mit ihrer Herstellung. Hochwertige Calamarata wird im sogenannten Bronzeverfahren (Trafila al bronzo) gepresst. Dieses Verfahren verleiht der Oberfläche der Pasta eine leicht raue, matte Struktur. Dadurch kann sich die Sauce wesentlich besser an die Nudel anlagern, anstatt einfach an den Wänden herunterzufließen, was bei billiger, durch Teflonformen gepresster Pasta häufig der Fall ist.

Gut zu wissen

Es gibt auch eine dunkle Variante dieser Nudelsorte namens Calamarata Nera. Bei dieser Version wird der Teig während der Herstellung mit Tintenfischtinte (Nero di Seppia) eingefärbt, was der Pasta eine tiefschwarze Farbe und eine leicht jodhaltige, meerige Geschmacksnote verleiht.

Wofür verwendet man Calamarata-Pasta?

Calamarata wird traditionell für maritime Nudelgerichte verwendet, bei denen sie mit Tintenfischringen, Tomaten, Knoblauch, Peperoncino und frischen Kräutern kombiniert wird. Durch ihre offene und stabile Ringstruktur eignet sie sich hervorragend, um stückige Saucen aufzunehmen, da kleinere Zutaten wie Kapern, Olivenstückchen oder Tomatenwürfel leicht im Inneren der Ringe hängen bleiben. Das Zusammenspiel aus der fleischigen Textur der Meeresfrüchte und dem festen Biss der Pasta macht sie zum idealen Partner für Meeresfrüchte-Ragouts.

Neben dem klassischen Tintenfisch-Rezept harmoniert die Pasta auch hervorragend mit anderen Meeresfrüchten wie Venusmuscheln (Vongole), Miesmuscheln oder Garnelen. Die dicken Wände der Nudel verlangen nach Saucen, die genügend Feuchtigkeit und Geschmack mitbringen, um die Pasta gut zu umschließen. Ein feines Olivenöl extra vergine, reduziert mit etwas Weißwein und dem austretenden Saft der Meeresfrüchte, bildet die perfekte aromatische Basis.

Obwohl Fisch und Meeresfrüchte die klassischen Begleiter sind, lässt sich die Nudel auch für vegetarische oder fleischhaltige Gerichte nutzen. Ein kräftiges, stückiges Gemüseragout aus Auberginen, Zucchini und Paprika oder ein langsam geschmortes Fleischragout passen aufgrund der robusten Struktur der Nudel ebenfalls hervorragend. Wichtig ist stets, dass die Sauce nicht zu dünnflüssig ist, damit sie von den breiten Ringen transportiert werden kann.

Wie unterscheidet sich Calamarata von anderen Röhrennudeln?

Calamarata unterscheidet sich von klassischen Röhrennudeln vor allem durch ihr spezifisches Verhältnis von Durchmesser zu Länge sowie durch ihre glatte, breite Oberfläche. Während bekannte Sorten wie Penne oder Rigatoni im Verhältnis zu ihrer Breite deutlich länger und oft mit feinen Rillen (Rigate) versehen sind, ist dieses Format kurz, sehr breit und meist glatt (Lisce). Diese Geometrie sorgt für ein völlig anderes Mundgefühl und steuert, wie die Sauce im Mund freigesetzt wird.

Im Vergleich zu Paccheri, einer weiteren bekannten und sehr großen Röhrennudel aus Kampanien, ist dieses Format etwa halb so lang. Paccheri neigen dazu, beim Kochen flach zusammenzufallen und größere Mengen an Sauce in ihrem Inneren einzuschließen. Unsere ringförmigen Nudeln hingegen behalten aufgrund ihrer geringeren Länge und ihrer relativ dicken Wände auch nach dem Kochen ihre charakteristische, offene Ringform bei.

Format-Vergleich im Überblick

Pastasorte Form Oberfläche Typische Verwendung
Calamarata Kurze, breite Ringe Glatt, dickwandig Tintenfisch, Muscheln, Tomatensaucen
Paccheri Sehr große, lange Röhren Glatt oder gerillt Kräftige Fleischragouts, gefüllte Pasta
Mezze Maniche Mittellange Röhren Gerillt Carbonara, Gricia, herzhafte Gemüsesaucen
Rigatoni Lange, schmale Röhren Gerillt Aufläufe, Bolognese, dicke Fleischsaucen

Wie bereitet man Calamarata richtig zu?

Um Calamarata richtig zuzubereiten, muss man sie in reichlich kochendem Salzwasser garen und im letzten Drittel der Garzeit direkt in der Sauce fertig garen (die sogenannte Methode „Risottata“). Da es sich um eine sehr dicke Nudelsorte handelt, benötigt sie eine vergleichsweise lange Kochzeit, die je nach Hersteller meist zwischen 11 und 15 Minuten liegt. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Nudeln etwa zwei Minuten vor dem Erreichen der eigentlichen Al-dente-Garzeit abzugießen und sie in der Pfanne mit der Sauce und etwas stärkehaltigem Pastawasser zu Ende zu schwenken.

Durch das Fertiggaren in der Pfanne saugen die offenen Ringe die Aromen der Sauce tief in sich auf, während sich die im Pastawasser gelöste Stärke mit dem Fett der Sauce zu einer sämigen, perfekt haftenden Emulsion verbindet. Es ist ratsam, die Pasta während des Kochens im Topf gelegentlich vorsichtig umzurühren, damit die schweren Ringe nicht am Topfboden haften bleiben. Aufgrund der Form neigen sie im sprudelnden Wasser weniger zum Verkleben als feine Nudelsorten, benötigen aber dennoch ausreichend Platz zum Schwimmen.

Das Abschrecken mit kaltem Wasser ist nach dem Kochen unbedingt zu vermeiden. Durch das Abschrecken wird die wertvolle Stärkeschicht auf der Oberfläche der Pasta weggewaschen, die jedoch zwingend benötigt wird, damit sich die Sauce später mit der Nudel verbindet. Wer die Pasta für einen kalten Nudelsalat vorbereiten möchte, sollte sie stattdessen auf einem Backblech ausbreiten und mit einem dünnen Film hochwertigem Olivenöl beträufeln, um das Zusammenkleben zu verhindern.

Profi-Tipp: Das perfekte Bindeglied

Fügen Sie der Pfanne beim Schwenken der Pasta immer ein bis zwei Schöpfkellen des heißen Nudelwassers hinzu. Die darin enthaltene Weizenstärke wirkt wie ein natürlicher Binder (Emulgator), der das Olivenöl und die Flüssigkeit der Sauce zu einer glänzenden, cremigen Konsistenz verbindet, die perfekt an den glatten Nudeln haftet.

Häufige Fehler bei der Zubereitung und wie man sie vermeidet

Der häufigste Fehler bei der Zubereitung dieser Pastasorte ist das Übergaren der Nudeln, wodurch sie ihre stabile Struktur verlieren und schlaff zusammenfallen. Da die Ringe recht breit sind, verlieren sie bei zu langer Kochzeit ihren „Biss“ im Zentrum der Pasta, was das gesamte Mundgefühl des Gerichts beeinträchtigt. Es sollte stets die auf der Verpackung angegebene Mindestkochzeit als Orientierung genommen und die Konsistenz bereits ein bis zwei Minuten vorher manuell geprüft werden.

Ein weiterer Fehler ist das Kochen in einem zu kleinen Topf mit zu wenig Wasser. Dickwandige Nudelsorten geben während des Kochvorgangs viel Stärke ab; ist die Wassermenge zu gering, wird das Wasser zu dickflüssig, was dazu führen kann, dass die Pasta ungleichmäßig gart oder im Kern mehlig bleibt. Als Faustregel gilt: Verwenden Sie pro 100 Gramm Pasta mindestens einen Liter Wasser und etwa 10 Gramm Salz, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Zudem wird die Sauce oft zu trocken zubereitet. Weil die breite Struktur der Pasta viel Flüssigkeit aufnehmen kann und soll, wirkt das fertige Gericht schnell trocken, wenn nicht genügend sämige Sauce vorhanden ist. Ein großzügiger Schuss des stärkehaltigen Kochwassers und ein finaler Faden Olivenöl direkt vor dem Servieren verhindern, dass die Nudeln die gesamte Feuchtigkeit aufsaugen und das Gericht an Geschmeidigkeit verliert.

Achtung beim Salzen

Salzen Sie das Pastawasser erst, wenn es bereits sprudelnd kocht. Wenn das Salz im kalten Wasser aufgelöst wird, verzögert sich der Siedepunkt minimal. Viel wichtiger ist jedoch, dass ungelöstes Salz am Topfboden den Edelstahl angreifen und zu kleinen, unschönen Lochfraß-Flecken führen kann.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Calamarata und Paccheri?

Der Unterschied liegt primär in der Länge der Röhren. Während Paccheri sehr große, lange und breite Röhrennudeln sind, die beim Kochen meist flach zusammenfallen, ist dieses Format nur etwa halb so lang und behält seine feste, ringförmige Struktur bei. Dadurch eignet es sich besonders gut, um die Form von echten Tintenfischringen nachzuahmen, während Paccheri oft gefüllt oder mit schweren Fleischragouts serviert werden.

Kann man Calamarata-Pasta auch für vegetarische Gerichte verwenden?

Ja, diese Pasta lässt sich hervorragend für vegetarische Gerichte verwenden, auch wenn sie traditionell mit Meeresfrüchten kombiniert wird. Kräftige Gemüsesaucen aus geschmorten Kirschtomaten, Auberginen, Kapern und Oliven passen aufgrund der dicken Textur der Ringe ideal. Die Nudel fängt stückige Gemüsekomponenten im Inneren ihrer Ringe auf, was für ein abwechslungsreiches Mundgefühl sorgt.

Welche Sauce passt am besten zu Calamarata?

Die am besten geeignete Sauce ist das traditionelle neapoletanische Ragout aus Tintenfisch, Kirschtomaten, Knoblauch, Peperoncino und Weißwein. Generell harmonieren alle Saucen auf Fisch- oder Meeresfrüchtebasis sowie stückige Gemüsesaucen, die genügend Feuchtigkeit und Bindung besitzen. Zu dünnflüssige Saucen auf reiner Ölbasis haften weniger gut an den glatten Wänden dieser speziellen Pastaringe.

Wie lange muss man Calamarata kochen?

Die Kochzeit beträgt je nach Hersteller und Dicke der Nudeln in der Regel zwischen 11 und 15 Minuten. Da es sich um ein sehr dickwandiges Pastagewächs handelt, benötigt es etwas mehr Zeit als dünnere Sorten, um den perfekten Al-dente-Punkt zu erreichen. Es empfiehlt sich, die Nudeln zwei Minuten vor Ende der Packungsangabe zu probieren und sie direkt in der heißen Sauce fertigzugaren.

Wo kann man diese Pastasorte kaufen?

Diese Pastasorte ist in gut sortierten italienischen Feinkostgeschäften, in größeren Supermärkten mit gut ausgebauter Feinkostabteilung sowie im Online-Handel erhältlich. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Nudeln aus reinem Hartweizengrieß bestehen und idealerweise das Siegel „Trafilata al bronzo“ tragen. Dies garantiert die raue Oberflächenstruktur, die für eine optimale Saucenhaftung notwendig ist.

Fazit

Die Calamarata ist ein herausragendes Beispiel für die durchdachte Geometrie der italienischen Pasta-Kultur. Durch ihre markante Ringform, die gezielt an Tintenfischringe angelehnt ist, schafft sie eine perfekte visuelle und geschmackliche Einheit in maritimen Nudelgerichten. Ihre dicken Wände und die robuste Struktur sorgen dafür, dass sie beim Kochen formstabil bleibt und ein besonders befriedigendes, bissfestes Kaugefühl vermittelt.

Wer bei der Zubereitung auf eine ausreichend lange Garzeit achtet, die Nudeln in der Sauce fertigschwenkt und hochwertiges Pastawasser zur Bindung nutzt, wird mit einem harmonischen Gericht belohnt. Ob klassisch mit Meeresfrüchten oder kreativ mit aromatischem Gemüse – diese neapolitanische Spezialität bringt Abwechslung auf den Teller und wertet anspruchsvolle Saucenkreationen handwerklich wie optisch auf.

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