Schnellzubereitung auf einen Blick
| ⏱️ Vorbereitungszeit: | 15-30 Minuten |
| 🔥 Garzeit (Haltbarmachen): | 120 Minuten (Fleischfond) / 60 Minuten (Gemüsefond) |
| 🌡️ Temperatur: | 100°C (Wasserbad) oder 119°C (Druckkessel) |
| 📊 Schwierigkeitsgrad: | Mittel bis Anspruchsvoll |
Die wichtigsten Schritte:
- Vorbereitung (15 Min.): Den fertig gekochten und passierten Fond nochmals aufkochen. Einmachgläser und Gummiringe sterilisieren und auf ein feuchtes Tuch stellen.
- Abfüllen (15 Min.): Den kochend heißen Fond in die Gläser füllen, dabei zwingend einen Kopfraum von zwei bis drei Zentimetern lassen. Die Glasränder penibel säubern und verschließen.
- Einkochen (60-120 Min.): Die Gläser in den Einkochautomaten oder Topf stellen. Das Wasser muss die gleiche Temperatur wie der Glasinhalt haben. Bei Fleischfonds 120 Minuten bei 100°C einkochen.
Die 3 wichtigsten Erfolgsfaktoren:
- ✅ Sauberkeit: Fett- oder Eiweißrückstände am Glasrand verhindern die Bildung eines sicheren Vakuums.
- ✅ Einkochzeit: Die Zeit beginnt erst zu laufen, wenn die Zieltemperatur (meist 100°C) im gesamten Einkochwasser erreicht ist.
- ✅ Abkühlphase: Gläser im Topf leicht abkühlen lassen, dann bei Raumtemperatur ohne Zugluft vollständig auskühlen lassen, bevor die Klammern entfernt werden.
Der Prozess des Einkochens von Fond umfasst in der kulinarischen Praxis zwei völlig unterschiedliche Vorgänge, die jedoch oft unter demselben Begriff zusammengefasst werden. Einerseits bezeichnet man damit das stundenlange Auskochen von Knochen, Fleisch oder Gemüse, um überhaupt erst eine aromatische Basisflüssigkeit zu gewinnen. Dieser Vorgang ist entscheidend für die Extraktion von Geschmacksstoffen, Mineralien und Gelatine. Andererseits steht der Begriff für das traditionelle Haltbarmachen im Glas, auch Einwecken genannt, bei dem der fertige Fond durch Hitze und Vakuum für Monate oder sogar Jahre konserviert wird.
Beide Prozesse erfordern ein tiefes Verständnis für Zeiten, Temperaturen und biochemische Vorgänge. Während ein Gemüsefond bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit seine Aromen abgibt, benötigen Rinder- oder Kalbsknochen viele Stunden, bis das in ihnen enthaltene Kollagen vollständig aufgespalten ist und dem Fond seine typische, leicht klebrige Textur verleiht. Bricht man diesen Prozess zu früh ab, verschenkt man wertvolles Aroma und Bindekraft. Lässt man ihn hingegen bei bestimmten Zutaten zu lange andauern, können bittere Noten entstehen oder der Fond wird trüb.
Beim anschließenden Haltbarmachen im Glas gelten wiederum völlig andere physikalische und mikrobiologische Gesetzmäßigkeiten. Hierbei geht es nicht mehr um Geschmacksentwicklung, sondern um Lebensmittelsicherheit. Die Zerstörung von hitzeresistenten Bakterien und Sporen erfordert exakte Temperatureinhaltungen über festgelegte Zeiträume. Ein unzureichend eingekochter Fleischfond birgt erhebliche Risiken, weshalb die strikte Einhaltung der mikrobiologisch notwendigen Zeiten unerlässlich ist. In der professionellen wie auch in der ambitionierten heimischen Küche ist die Beherrschung beider Disziplinen eine Grundvoraussetzung für exzellente Saucen und Suppen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Extraktionszeiten: Die Dauer des Auskochens variiert stark nach Zutat (Fisch: 30 Minuten, Rind: bis zu 12 Stunden).
- Temperaturkontrolle: Ein Fond darf niemals sprudelnd kochen, sondern sollte nur sanft sieden (simmern), um eine Trübung zu vermeiden.
- Haltbarkeit: Fleischhaltige Fonds müssen zur sicheren Konservierung im Glas zwingend 120 Minuten bei 100°C im Wasserbad oder unter Druck bei 119°C eingekocht werden.
- Hygiene: Absolute Sauberkeit bei der Vorbereitung von Gläsern und Rändern ist für den Vakuumerhalt und die Vermeidung von Verderb essenziell.
Die Extraktionszeiten für verschiedene Fonds: Von Gemüse bis Rind
Die Zubereitung eines hochwertigen Fonds basiert auf der langsamen Extraktion von wasserlöslichen Aromen, Aminosäuren und Proteinen aus den festen Zutaten. Die Dauer dieses Vorgangs hängt maßgeblich von der Dichte und Struktur der verwendeten Ausgangsprodukte ab. Pflanzliche Zellwände verhalten sich völlig anders als das dichte Bindegewebe und die Knorpelstrukturen tierischer Knochen. Das Ziel ist stets, das Maximum an Geschmack und Textur zu gewinnen, ohne unerwünschte, bittere oder seifige Verbindungen zu lösen.
Temperatur spielt hierbei eine ebenso wichtige Rolle wie die Zeit. Ein Fond wird grundsätzlich niemals sprudelnd gekocht. Das physikalische Aufwallen des Wassers würde Fett und Eiweißpartikel mikrofein in der Flüssigkeit zerschlagen und eine Emulsion bilden, die den Fond milchig und trüb werden lässt. Dieser Fehler lässt sich im Nachhinein nur schwer durch aufwendiges Klären beheben. Daher spricht man beim Fondkochen stets vom „Simmern“ – einem Zustand knapp unter dem Siedepunkt (etwa 90 bis 95 Grad Celsius), bei dem nur gelegentlich kleine Bläschen an die Oberfläche steigen.
Während des Simmerns findet ein komplexer chemischer Prozess statt. Bei tierischen Knochen wandelt sich das harte Kollagen durch die Kombination aus Hitze und Wasser über mehrere Stunden in weiche Gelatine um. Diese Gelatine ist das Geheimnis eines jeden guten Saucenansatzes, da sie der späteren Reduktion den nötigen „Schmelz“ und die Bindung verleiht. Je dicker und älter die Knochenstrukturen sind, desto mehr Zeit muss für diese Hydrolyse eingeplant werden. Säure, beispielsweise in Form von etwas Weißwein oder Tomatenmark, kann diesen Prozess leicht beschleunigen und helfen, Mineralien aus den Knochen zu lösen.
Pflanzliche Zutaten, das sogenannte Mirepoix (Röstgemüse aus Sellerie, Karotten, Lauch und Zwiebeln), benötigen wesentlich weniger Zeit. Ihre Aromastoffe sind flüchtiger. Werden sie zu lange gekocht, zerfallen sie zu einem Brei, der den Fond trübt, und verlieren ihre frischen, klaren Geschmacksnoten. Daher wird das Gemüse bei sehr lange kochenden Rinderfonds oft erst in den letzten Stunden der Garzeit hinzugefügt, um ein optimales Geschmacksprofil zu gewährleisten.
| Fond-Art | Hauptzutaten | Ideale Simmer-Zeit | Ergebnis & Textur |
|---|---|---|---|
| Fischfond (Fumet) | Fischkarkassen (weiß), Lauch, Weißwein | 20 bis 30 Minuten | Klar, intensiv maritim, wenig Gelatine |
| Gemüsefond | Wurzelgemüse, Pilze, Kräuter | 45 bis 60 Minuten | Frisch, leicht süßlich, flüssig |
| Geflügelfond | Hühnerkarkassen, Flügel, Füße | 2 bis 4 Stunden | Goldgelb, geliert im kalten Zustand leicht |
| Kalbsfond | Kalbsknochen, oft geröstet | 6 bis 8 Stunden | Bernsteinfarben, stark gelierend, samtig |
| Rinderfond/Wildfond | Dicke Rinderknochen, Markknochen | 8 bis 12+ Stunden | Tiefbraun, kräftig, sehr hoher Gelatineanteil |
Gut zu wissen
Das sogenannte „Dépouillieren“ (Entschäumen und Entfetten) ist während der gesamten Kochzeit unerlässlich. Besonders in der ersten Stunde steigen graue Eiweißstoffe als Schaum an die Oberfläche. Diese müssen konsequent mit einer Schaumkelle abgeschöpft werden, da sie den Fond andernfalls nachhaltig trüben und den Geschmack negativ beeinträchtigen.
Den Fond reduzieren: Intensivierung des Geschmacks
Nachdem der Fond seine maximale Extraktionszeit erreicht hat und durch ein feines Passiertuch (Etamin) gegossen wurde, liegt eine aromatische, aber oft noch wenig konzentrierte Flüssigkeit vor. Um aus dieser Basis eine kräftige Sauce herzustellen, muss die Flüssigkeit reduziert, also eingekocht werden. Dieser Prozess dient ausschließlich der Verdunstung von Wasser, wodurch sich Aromen, Salze und vor allem die gelöste Gelatine auf einen Bruchteil des ursprünglichen Volumens konzentrieren.
Beim Reduzieren darf, im Gegensatz zur Extraktionsphase, mit höherer Hitze gearbeitet werden. Da sich keine festen Bestandteile oder groben Fettaugen mehr im Topf befinden, führt ein leicht sprudelndes Kochen nun nicht mehr zur Trübung. Je weiter der Fond einkocht, desto dickflüssiger wird er. An diesem Punkt ist höchste Aufmerksamkeit geboten, da die konzentrierten Zucker- und Proteinstoffe am Topfboden schnell ansetzen und verbrennen können. Eine verbrannte Reduktion ist nicht mehr zu retten und schmeckt durchdringend bitter.
Durch die Reduktion verändert sich nicht nur die Viskosität, sondern auch das chemische Profil. Aminosäuren reagieren miteinander, und das Geschmacksbild wird dichter, komplexer und oft auch dunkler. Es ist ein physikalischer Fakt, dass sich bei einer Reduktion auf ein Zehntel des Volumens auch der Salzgehalt verzehnfacht. Aus diesem Grund ist es eine eiserne Regel der klassischen Saucenküche, den Basis-Fond beim ursprünglichen Auskochen niemals zu salzen. Würde man bereits salzen, wäre das Endprodukt nach der Reduktion ungenießbar versalzen.
In der klassischen französischen Küche unterscheidet man bei den Reduktionsstufen ganz genau. Aus einem einfachen Fond wird durch Einkochen auf etwa die Hälfte bis ein Drittel eine „Demi-Glace“ (Halbglace). Reduziert man diese Flüssigkeit noch weiter, bis sie eine sirupartige, stark klebende Konsistenz annimmt und beim Erkalten schnittfest wird, spricht man von „Glace de Viande“ (Fleischglace). Diese Glace ist ein reines, hochkonzentriertes Würzmittel, von dem oft nur ein Teelöffel genügt, um einer ganzen Saucenpfanne Glanz, Bindung und Tiefe zu verleihen.
- Fond (Basis): Unreduzierte, passierte Flüssigkeit. Dient als Suppenbasis oder Schmorflüssigkeit.
- Demi-Glace: Auf 30-50% reduzierte Flüssigkeit. Die klassische Basis für dunkle Saucen.
- Glace: Auf 10% reduzierte, sirupartige Essenz. Extrem hoher Gelatineanteil, dient als Finish.
Profi-Tipp
Um festzustellen, ob ein Fond ausreichend reduziert ist, um als Sauce zu dienen, nutzt man die „Nappier-Probe“. Man taucht einen Löffel in die heiße Flüssigkeit und zieht mit dem Finger eine Linie über den gewölbten Löffelrücken. Bleibt die Linie klar getrennt und läuft die Sauce nicht sofort wieder zusammen, ist die optimale Bindung durch die Gelatine erreicht.
Fond haltbar machen: Zeiten und Temperaturen für das Einkochen im Glas
Das Haltbarmachen von fertigem Fond in Gläsern ist ein physikalischer Konservierungsprozess, der absolute Präzision erfordert. Ziel ist es, durch Hitzeeinwirkung alle Mikroorganismen, Hefe- und Schimmelpilze sowie Bakteriensporen abzutöten, die zum Verderb der Flüssigkeit führen könnten. Gleichzeitig wird durch das Ausdehnen und anschließende Zusammenziehen der Luft und Flüssigkeit ein hermetisches Vakuum erzeugt, das ein erneutes Eindringen von Keimen verhindert. Das Gelingen dieses Prozesses hängt direkt von der Einkochzeit und der erreichten Kerntemperatur ab.
Hierbei muss eine fundamentale Unterscheidung bezüglich des pH-Wertes getroffen werden. Ein reiner Obstbestand, der sauer ist, lässt sich relativ schnell und sicher bei 90 Grad einkochen. Fond, insbesondere Fleisch-, Geflügel- oder Knochenfond, ist jedoch ein sogenanntes säurearmes Lebensmittel (low-acid food). Diese Umgebung ist ideal für das Überleben und die Vermehrung von Bakterien, insbesondere des gefährlichen Clostridium botulinum, welches das hitzestabile Botulinumtoxin produziert. Dessen Sporen sind extrem widerstandsfähig gegen Hitze.
Um tierische Fonds im herkömmlichen Wasserbad (bei maximal 100°C) sicher einzukochen, ist eine Einkochzeit von mindestens 120 Minuten erforderlich. Diese Zeit beginnt nicht, wenn man den Herd einschaltet, sondern erst, wenn das Wasser im Einkochtopf sprudelnd kocht und auch der Inhalt in den Gläsern diese Temperatur vollständig angenommen hat. Eine Verkürzung dieser Zeit aus Bequemlichkeit stellt ein echtes Gesundheitsrisiko dar. Das Wasserbad muss die Gläser dabei zu mindestens drei Vierteln, besser noch komplett umschließen, um eine gleichmäßige Hitzeverteilung zu garantieren.
Die sicherste und in vielen Ländern (wie den USA) von Lebensmittelbehörden einzig empfohlene Methode für fleischhaltige Fonds ist das Einkochen unter Druck in einem speziellen Druckeinkochtopf (Pressure Canner). Durch den Überdruck lässt sich Wasser auf bis zu 119°C bis 121°C erhitzen. Bei dieser Temperatur werden selbst die hartnäckigsten Sporen in einem Bruchteil der Zeit zerstört. Die Einkochzeit bei korrektem Druck (meist 10 bis 11 PSI, abhängig von der Höhe über dem Meeresspiegel) reduziert sich dadurch auf etwa 20 bis 25 Minuten für Standardgläser. Diese Methode ist nicht nur sicherer, sondern schont auch die Aromen durch die wesentlich kürzere Hitzeexposition.
| Fond-Art | Methode | Temperatur | Einkochzeit |
|---|---|---|---|
| Gemüsefond | Wasserbad / Einkochautomat | 100°C | 60 Minuten |
| Rinder-/Kalb-/Geflügelfond | Wasserbad / Einkochautomat | 100°C | 120 Minuten |
| Fleischhaltige Fonds | Druckeinkochtopf (Pressure Canner) | 119°C (ca. 10 PSI) | 25 Minuten |
| Fischfond | Wasserbad / Einkochautomat | 100°C | 90 Minuten |
Achtung
Bakteriensporen von Clostridium botulinum überleben siedendes Wasser (100°C) stundenlang. Werden fleischhaltige Fonds im Wasserbad eingekocht, ist die strikte Einhaltung der 120 Minuten zwingend erforderlich. Ein unsachgemäß eingekochter Fond, der mit Botulismus kontaminiert ist, weist oft keinerlei optische, geruchliche oder geschmackliche Veränderungen auf. Im Zweifelsfall sollte eingekochter Fond vor dem Verzehr nochmals für 10 Minuten sprudelnd aufgekocht werden, da das gebildete Toxin (nicht aber die Spore) hitzeempfindlich ist.
Häufige Fehler beim Einkochen und wie man sie vermeidet
Selbst wenn die Zeiten und Temperaturen theoretisch eingehalten werden, kann das Einkochen von Fond in der Praxis fehlschlagen. Ein häufiges Problem ist, dass die Gläser kein Vakuum ziehen. Der Deckel liegt nach dem Auskühlen lose auf, oder der Glasdeckel lässt sich ohne Kraftaufwand abheben. Die Ursache liegt meist in mangelnder Vorbereitung. Da Fonds, insbesondere solche aus Knochen, sehr fettreich und klebrig (durch die Gelatine) sein können, reicht schon ein mikroskopisch kleiner Fettspritzer auf dem Glasrand, um die Dichtigkeit des Gummirings zu kompromittieren. Daher muss der Rand nach dem Befüllen mit einem in hochprozentigem Alkohol oder Essig getränkten Tuch penibel abgewischt werden.
Ein weiteres Phänomen ist das Überkochen des Fonds im Glas während des Einkochvorgangs im Wasserbad. Dies passiert oft, wenn der sogenannte Kopfraum (der Leerraum zwischen Flüssigkeit und Deckel) zu gering bemessen wurde. Flüssigkeit dehnt sich bei Hitze aus. Ist kein Platz vorhanden, drückt sich der Fond samt Fett zwischen Glas und Gummi nach außen. Das führt nicht nur zu einer Sauerei im Einkochtopf, sondern ruiniert auch das Vakuum, da sich Fett auf den Dichtungsflächen ablagert. Ein Kopfraum von zwei bis drei Zentimetern hat sich in der Praxis als ideal erwiesen.
Auch das sogenannte „Flat Sour“ (flachsaurer Verderb) ist ein Problem, das speziell bei selbst eingekochten Brühen und Fonds auftreten kann. Hierbei handelt es sich um den Verderb durch thermophile (hitzeliebende) Bakterien, die zwar keine Gase produzieren (das Vakuum bleibt also erhalten und der Deckel wölbt sich nicht), aber die Flüssigkeit stark säuern. Die Ursache ist meist eine zu langsame Abkühlphase nach dem Einkochen. Wenn die Gläser zu lange in einem lauwarmen Temperaturbereich (zwischen 30°C und 50°C) verbleiben, beispielsweise weil sie tagelang in dicke Decken gewickelt werden, können überlebende Sporen auskeimen. Gläser sollten daher nach einer kurzen Abkühlphase im Topf herausgenommen und bei normaler Raumtemperatur zügig abkühlen können.
Trübe, eingekochte Fonds sind oft nicht verdorben, weisen aber auf einen physikalischen Fehler während der Zubereitung hin. Wenn ein Fond vor dem Abfüllen nicht sorgfältig entfettet wurde, kann die starke Hitzeeinwirkung während des zweistündigen Einkochens dazu führen, dass das Fett emulgiert und die Flüssigkeit milchig macht. Auch Reste von feinen Eiweißpartikeln, die beim Passieren nicht vollständig im Tuch zurückgeblieben sind, flocken bei erneuter starker Hitze aus und setzen sich unschön am Glasboden ab. Ein zweifaches Passieren und vorheriges Erkaltenlassen zum Abheben der Fettschicht lösen dieses Problem zuverlässig.
Profi-Tipp
Temperaturschocks sind der Feind eines jeden Einmachglases. Wenn heißer Fond in kalte Gläser gefüllt wird, oder heiße Gläser in kaltes Einkochwasser gestellt werden, platzt das Glas unweigerlich. Die goldene Regel lautet: Kaltes Einmachgut in kaltes Wasser, heißes Einmachgut in heißes Wasser. Da Fonds meist kochend heiß abgefüllt werden, muss das Wasser im Einkochtopf ebenfalls bereits kurz vor dem Siedepunkt stehen, wenn die Gläser eingesetzt werden.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange muss Gemüsefond einkochen?
Bei der Extraktion der Aromen (dem Kochen der Zutaten) genügen für Gemüsefond etwa 45 bis 60 Minuten, da längeres Kochen das Gemüse zerfallen lässt und den Geschmack flach oder gar bitter macht. Geht es um das Haltbarmachen im Glas (Einwecken), muss der passierte Gemüsefond bei 100 Grad Celsius für mindestens 60 Minuten im sprudelnden Wasserbad eingekocht werden. Da Gemüse keine tierischen Proteine enthält, ist die Einkochzeit hier deutlich kürzer als bei fleischhaltigen Alternativen.
Warum wird mein Fleischfond milchig und trüb?
Eine Trübung entsteht fast immer durch eine mechanische Emulsion von Fett und Eiweiß, wenn der Fond während der mehrstündigen Zubereitung zu stark gekocht hat. Die Flüssigkeit darf immer nur sanft simmern (etwa 90-95°C), sodass nur gelegentlich kleine Bläschen aufsteigen. Ein weiterer Grund kann mangelhaftes Abschöpfen des grauen Eiweißschaums (Dépouillieren) in der ersten Kochstunde sein. Einmal emulgiert, lässt sich der Fond nur noch durch einen aufwendigen Klärprozess mit frischem Eiweiß (Klärfleisch) wieder durchsichtig machen.
Kann man Fond auch im Backofen einkochen?
Die Backofen-Methode wird für flüssige Güter wie Fonds von Experten oft nicht empfohlen, da die Hitzeübertragung in der Luft extrem unzuverlässig und schwer zu kontrollieren ist. Das Wasser in der Fettpfanne des Ofens erreicht selten gleichmäßig die für fleischhaltige Fonds notwendigen 100°C über den gesamten Zeitraum von 120 Minuten. Wer es dennoch im Ofen praktiziert, muss die Gläser in eine 2-3 cm hoch mit Wasser gefüllte Fettpfanne stellen und ab dem Zeitpunkt, an dem Bläschen im Glas aufsteigen, die Zeit (120 Minuten bei Fleischfond) messen. Ein Einkochautomat oder das klassische Wasserbad auf dem Herd sind jedoch wesentlich sicherer.
Woran erkennt man, dass eingekochter Fond schlecht ist?
Das verlässlichste Zeichen für den Verderb ist ein fehlendes oder gebrochenes Vakuum; lässt sich der Deckel (bei Twist-Off oder Weck-Gläsern nach Entfernen der Klammern) widerstandslos abheben, darf der Inhalt auf keinen Fall mehr verzehrt werden. Weitere Alarmsignale sind aufsteigende Gasbläschen im geschlossenen Glas, eine untypische, trübe Verfärbung oder ein säuerlicher, unangenehmer Geruch beim Öffnen. Da bestimmte gefährliche Bakterien wie Clostridium botulinum jedoch geruchs- und gaslos wachsen können, ist die strikte Einhaltung der Einkochzeiten von 120 Minuten bei 100°C die einzige echte Versicherung gegen Verderb.
Muss Fleischfond zwingend im Schnellkochtopf eingekocht werden?
Zwingend erforderlich ist ein Druckeinkochtopf (Pressure Canner) nach europäischen Haushaltsstandards nicht, jedoch ist es die mit Abstand sicherste und schnellste Methode. Im normalen Wasserbad werden bei 100°C bestimmte hitzeresistente Sporen erst nach mindestens 120 Minuten verlässlich abgetötet. Unter Druck bei 119°C bis 121°C sinkt diese benötigte Zeit auf 20 bis 25 Minuten, was Energie spart und das Aroma des Fonds schont. Wer fleischhaltige Fonds regelmäßig und in großen Mengen sicher haltbar machen möchte, für den hat sich die Anschaffung eines Druckeinkochers in der Praxis bewährt.
Fazit
Das Einkochen von Fond erfordert ein präzises Verständnis für zweierlei Vorgänge: die aromaschonende Extraktion aus den Grundzutaten und die physikalisch-mikrobiologische Konservierung im Glas. Die Dauer der Geschmacksentwicklung hängt stark vom Ausgangsprodukt ab. Während pflanzliche und maritime Zutaten ihre Inhaltsstoffe bereits nach 30 bis 60 Minuten freigeben, benötigen die robusten Kollagenstrukturen von Rinder- und Kalbsknochen viele Stunden des sanften Simmerns, um die für eine hochwertige Sauce unerlässliche Gelatine zu lösen. Die Einhaltung der richtigen Temperatur knapp unterhalb des Siedepunktes entscheidet dabei maßgeblich über die Klarheit und Qualität des Endprodukts.
Geht es schließlich um die langfristige Haltbarmachung für die Vorratskammer, verzeiht der Prozess keine Fehler bei den Zeiten und Temperaturen. Die Einhaltung von 120 Minuten im sprudelnden Wasserbad bei 100°C für fleischhaltige Fonds ist keine bloße Empfehlung, sondern eine mikrobiologische Notwendigkeit zur Vermeidung gefährlicher Toxine. Eine zeitsparende und sichere Alternative bietet lediglich das Einkochen unter Druck. Werden hygienische Grundlagen, wie die peinlich genaue Säuberung der Glasränder, beachtet, lässt sich durch diese Methoden eine hocharomatische, jederzeit einsatzbereite Basis für erstklassige Saucen und Suppen schaffen, die über viele Monate ohne Qualitätsverlust gelagert werden kann.




