Kurzdefinition & Wichtigste Fakten
Heimische Vitamin-C-Früchte sind Wild- und Gartenfrüchte, die in Mitteleuropa wachsen und einen außergewöhnlich hohen Gehalt an Ascorbinsäure (Vitamin C) aufweisen. Sie reifen typischerweise im Spätsommer und Herbst und übertreffen den Vitamin-C-Gehalt von Zitrusfrüchten oft um ein Vielfaches.
Die wichtigsten heimischen Vitamin-C-Lieferanten:
| 🌱 Hauptvertreter: | Hagebutte (Früchte verschiedener Rosenarten), Sanddorn, Schwarze Johannisbeere |
| 🌍 Vorkommen: | Wild an Hecken, Waldrändern, Küsten (Sanddorn) oder in Gärten |
| 📅 Erntesaison: | Spätsommer bis Spätherbst (August bis November), oft nach dem ersten Frost |
| 💡 Besonderheit: | Extrem hoher Vitamin-C-Gehalt, der hitze- und lichtempfindlich ist und eine schonende Verarbeitung erfordert. |
| 🍴 Typische Verwendung: | Mus, Marmelade, Sirup, Tee, Saft, Likör, Pulver |
Wenn die Tage kürzer werden und die Natur sich in ihr farbenprächtiges Herbstkleid hüllt, beginnt die Saison für einige der potentesten Vitamin-C-Quellen, die direkt vor unserer Haustür wachsen. Während viele Menschen bei Vitamin C sofort an Orangen und Zitronen denken, geraten die wahren Kraftpakete oft in Vergessenheit: Hagebutte, Sanddorn und Schwarze Johannisbeere. Diese heimischen Früchte sind nicht nur ein fester Bestandteil der regionalen Flora, sondern auch wahre Nährstoffbomben, deren Vitamin-C-Gehalt den von importierten Zitrusfrüchten bei Weitem übersteigen kann. Ihre leuchtenden Farben – von feurigem Rot bis zu strahlendem Orange – sind ein untrügliches Zeichen für die Fülle an wertvollen Inhaltsstoffen, die in ihnen stecken.
Die Verarbeitung dieser Wildfrüchte ist eine alte Tradition, die in der modernen Küche eine Renaissance erlebt. Es geht dabei nicht nur um die Herstellung von Marmeladen oder Tees, sondern um das bewusste Nutzen dessen, was die Natur uns saisonal zur Verfügung stellt. Das Wissen um das richtige Sammeln, die sorgfältige Vorbereitung und die schonende Konservierung ist entscheidend, um den maximalen Nährstoffgehalt zu bewahren. Denn das wertvolle Vitamin C ist empfindlich gegenüber Hitze, Licht und Sauerstoff. Wer die richtigen Techniken kennt, kann sich jedoch einen wertvollen Vorrat für die kalte Jahreszeit anlegen und von den Aromen des Herbstes profitieren.
Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten heimischen Vitamin-C-Stars im Detail. Man erfährt, wie man Hagebutten, Sanddorn und andere Früchte sicher erkennt, wann der beste Erntezeitpunkt ist und welche Methoden sich zur Verarbeitung bewährt haben. Von der mühsamen, aber lohnenden Entfernung der Hagebuttenkerne über die stachelige Herausforderung der Sanddornernte bis hin zu den besten Wegen, das flüchtige Vitamin C zu konservieren – hier werden die Techniken und Hintergründe verständlich erklärt. Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis für diese wertvollen Naturprodukte zu schaffen und praktische Anleitungen für die eigene Küche zu liefern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Unterschätzte Kraftpakete: Hagebutte und Sanddorn enthalten ein Vielfaches des Vitamin-C-Gehalts von Zitronen und Orangen und sind damit Spitzenreiter unter den heimischen Früchten.
- Saison und Ernte: Die Haupterntezeit für diese Früchte ist der Herbst. Der genaue Zeitpunkt, oft nach dem ersten Frost, beeinflusst Süße und Aroma.
- Sorgfältige Verarbeitung ist entscheidend: Vitamin C ist sehr empfindlich. Eine schonende Zubereitung bei niedrigen Temperaturen und der Schutz vor Sauerstoff sind essenziell, um die Nährstoffe zu erhalten.
- Vielseitige Verwendung: Aus den Früchten lassen sich nicht nur Tees und Marmeladen herstellen, sondern auch nährstoffreiche Muse, Sirupe, Säfte und sogar Pulver für den täglichen Gebrauch.
Die Hagebutte: Rotes Gold am Wegesrand erkennen und nutzen
Die Hagebutte, oft als Frucht der Heckenrose oder Hundsrose (Rosa canina) bekannt, ist wohl einer der bekanntesten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Wildfrüchte des Herbstes. Ihre leuchtend roten Scheinfrüchte sind nicht nur dekorativ, sondern bergen ein enormes Potenzial. Mit einem Vitamin-C-Gehalt, der je nach Sorte und Reifegrad bei durchschnittlich 400 bis 1.500 Milligramm pro 100 Gramm Fruchtfleisch liegen kann, stellt sie die meisten Obstsorten in den Schatten. Zum Vergleich: Eine Zitrone enthält etwa 50 Milligramm pro 100 Gramm. Dieser hohe Gehalt macht die Hagebutte zu einer wertvollen Zutat, besonders in der kühleren Jahreszeit. Neben Vitamin C enthält sie auch Vitamin A, B-Vitamine, Flavonoide und Galaktolipide, was sie zu einem komplexen Naturprodukt macht.
Das richtige Erkennen und Sammeln ist der erste entscheidende Schritt. Hagebutten wachsen an verschiedenen Rosenarten, die man an Waldrändern, in Hecken und an sonnigen Böschungen findet. Der optimale Erntezeitpunkt liegt im Spätherbst, oft nach dem ersten leichten Frost. Durch die Kälteeinwirkung werden die Früchte weicher und süßer, da ein Teil der Stärke in Zucker umgewandelt wird. Man sollte feste, tiefrote Früchte ohne Faulstellen oder Insektenfraß pflücken. Weiche, fast matschige Früchte eignen sich hervorragend für die direkte Verarbeitung zu Mus, während festere Exemplare besser zum Trocknen geeignet sind. Wichtig ist, nur Früchte von Sträuchern zu sammeln, die abseits von stark befahrenen Straßen oder konventionell bewirtschafteten Feldern wachsen, um die Belastung mit Schadstoffen zu minimieren.
Die größte Herausforderung bei der Verarbeitung von Hagebutten sind die Kerne, die von feinen, juckreizauslösenden Härchen umgeben sind. Diese Härchen müssen sorgfältig entfernt werden, da sie die Schleimhäute reizen können – daher auch der landläufige Name „Juckpulver“. Es gibt zwei bewährte Methoden: die trockene und die nasse Verarbeitung. Bei der trockenen Methode werden die Hagebutten halbiert, die Kerne und Härchen mit einem kleinen Löffel herausgekratzt und die Fruchthüllen anschließend getrocknet. Bei der nassen Methode, die sich besonders für die Herstellung von Mus eignet, werden die ganzen Früchte mit etwas Wasser weichgekocht und anschließend durch ein feines Sieb oder eine „Flotte Lotte“ passiert. Dieser Prozess trennt das feine Fruchtmark zuverlässig von Kernen und Härchen. Das so gewonnene Hagebuttenmark (auch Hägenmark genannt) ist die perfekte Basis für Marmeladen, Soßen oder Desserts.
Gut zu wissen: Die Sache mit den Härchen
Die feinen Härchen (Trichome) an den Hagebuttenkernen enthalten Widerhaken, die bei Hautkontakt oder Verzehr mechanische Reizungen und Juckreiz verursachen. Aus diesem Grund ist das sorgfältige Passieren des gekochten Mus‘ oder das präzise Entkernen der frischen Früchte unerlässlich. Beim Verarbeiten empfiehlt es sich, Handschuhe zu tragen, um Hautirritationen zu vermeiden.
Profi-Tipp: Hagebuttenpulver selbst herstellen
Für ein nährstoffreiches Pulver werden die Hagebutten zunächst halbiert und die Kerne samt Härchen sorgfältig entfernt. Die leeren Fruchthüllen anschließend bei maximal 40°C im Dörrgerät oder im leicht geöffneten Backofen trocknen, bis sie komplett brüchig sind. Die trockenen Hüllen in einer Kaffeemühle oder einem Hochleistungsmixer zu feinem Pulver vermahlen. Dieses Pulver kann in Smoothies, Müsli oder Joghurt eingerührt werden.
Sanddorn: Die Zitrone des Nordens und ihre anspruchsvolle Ernte
Sanddorn (Hippophae rhamnoides) ist ein dorniger Strauch, der vor allem auf kargen, sandigen Böden in Küstenregionen und Gebirgstälern heimisch ist. Seine leuchtend orangefarbenen Beeren, die in dichten Trauben direkt an den Zweigen wachsen, sind für ihren extrem hohen Vitamin-C-Gehalt berühmt. Mit Werten zwischen 200 und 900 Milligramm pro 100 Gramm gehört Sanddorn zur absoluten Spitze der heimischen Vitamin-C-Lieferanten. Doch das ist nicht alles: Sanddorn ist eine der wenigen Pflanzen, deren Fruchtfleisch wertvolle ungesättigte Fettsäuren enthält (Fruchtfleischöl). Zusätzlich liefert er Vitamin E, Carotinoide (die für die intensive Farbe verantwortlich sind) und sogar Spuren von Vitamin B12, was ihn besonders für die pflanzenbasierte Ernährung interessant macht.
Die Ernte von Sanddorn ist notorisch schwierig und erfordert Geduld und die richtige Technik. Die Sträucher sind mit langen, spitzen Dornen bewehrt, und die Beeren sitzen sehr fest an den Zweigen. Beim Pflücken platzen sie leicht auf und geben ihren stark färbenden Saft frei. Es gibt mehrere Methoden, die sich in der Praxis bewährt haben. Eine gängige Methode ist der „Schnitt“. Dabei werden ganze Fruchtzweige mit einer Gartenschere abgeschnitten, in Plastiktüten verpackt und eingefroren. Nach dem Durchfrieren lassen sich die harten Beeren leicht von den Zweigen abschütteln oder abstreifen. Dies ist die schonendste Methode für die Beeren und die Hände des Pflückers. Eine andere Technik, die vor allem bei kleineren Mengen angewendet wird, ist das „Melken“: Mit dicken Handschuhen werden die Beeren vorsichtig von den Zweigen in eine Schüssel abgestreift. Dies führt unweigerlich zu etwas Saftverlust, ist aber ohne Einfrieren möglich.
Nach der Ernte stellt sich die Frage der Verarbeitung. Die Herstellung von reinem Sanddornsaft ist die gängigste Methode. Da die Beeren sehr sauer und intensiv im Geschmack sind, werden sie selten roh gegessen. Für die Saftherstellung werden die frischen oder aufgetauten Beeren mit etwas Wasser kurz erhitzt, bis sie aufplatzen, und dann durch ein Sieb oder einen Dampfentsafter gepresst, um Saft von Kernen und Schalen zu trennen. Wichtig ist hierbei, die Erhitzungszeit so kurz wie möglich zu halten, um Vitamin-C-Verluste zu minimieren. Der gewonnene Saft, oft als „Ursaft“ bezeichnet, ist sehr konzentriert und wird meist mit Wasser, anderen Säften oder Süßungsmitteln wie Honig oder Agavendicksaft gemischt. Er bildet die Basis für Sirup, Gelees, Liköre oder erfrischende Schorlen. Auch das aus den Kernen gewonnene Sanddornöl ist ein wertvolles Produkt, dessen Herstellung aber spezielles Equipment erfordert.
Achtung: Ernte mit Bedacht
Sanddornsträucher sind ökologisch wertvoll, da sie Vögeln Schutz und Nahrung bieten. Ein radikaler Rückschnitt sollte vermieden werden. Man sollte immer nur einen Teil der Fruchtzweige von einem Strauch ernten, um dessen Gesundheit und Fortpflanzung nicht zu gefährden. Das Ernten in Naturschutzgebieten ist in der Regel verboten.
| Frucht (100g) | Durchschnittlicher Vitamin-C-Gehalt | Weitere wichtige Inhaltsstoffe |
|---|---|---|
| Sanddorn | ca. 450 mg | Carotinoide, Vitamin E, ungesättigte Fettsäuren, Vitamin B12 (Spuren) |
| Hagebutte | ca. 400-1500 mg | Flavonoide, Galaktolipide, Vitamin A, B-Vitamine |
| Zitrone (zum Vergleich) | ca. 53 mg | Zitronensäure, Flavonoide |
| Schwarze Johannisbeere | ca. 180 mg | Anthocyane, Kalium, Eisen |
Weitere heimische Kraftpakete: Von der Johannisbeere bis zur Kornelkirsche
Neben den prominenten Vitamin-C-Stars Hagebutte und Sanddorn gibt es eine Reihe weiterer heimischer Früchte, die einen beachtlichen Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten können. Die Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum), auch als Cassis bekannt, ist hier an vorderster Front zu nennen. Mit etwa 180 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm übertrifft sie ihre roten und weißen Verwandten bei Weitem und spielt in der gleichen Liga wie viele Paprikasorten. Ihre tiefschwarze Farbe verdankt sie den Anthocyanen, sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativen Eigenschaften. Schwarze Johannisbeeren reifen bereits im Hochsommer, lassen sich aber hervorragend einfrieren und somit für den Herbst und Winter konservieren. Sie eignen sich ideal für die Herstellung von Saft, Sirup, Gelee oder dem berühmten Cassis-Likör.
Ein oft übersehener Schatz ist die Kornelkirsche (Cornus mas), auch Dirndl genannt. Dieser Großstrauch trägt im Spätsommer leuchtend rote, olivenförmige Früchte. Ihr Geschmack ist herb-säuerlich und adstringierend, weshalb sie selten roh verzehrt werden. Vollreif und fast schon überreif geerntet, entfalten sie jedoch ein intensives Aroma, das an eine Mischung aus Sauerkirsche und Cranberry erinnert. Ihr Vitamin-C-Gehalt ist mit 70 bis 125 Milligramm pro 100 Gramm beachtlich. Die Verarbeitung ähnelt der von Hagebutten: Die Früchte werden weichgekocht und durch ein Sieb passiert, um die großen Kerne zu entfernen. Das so gewonnene Mark ist eine exzellente Basis für Marmeladen, Chutneys und Wildsoßen.
Eine besondere Erwähnung verdient die Vogelbeere (Sorbus aucuparia), die Frucht der Eberesche. Roh ist sie aufgrund der enthaltenen Parasorbinsäure für den Menschen ungenießbar und kann zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Durch Kochen oder Frosteinwirkung wird diese Säure jedoch in die gut verträgliche Sorbinsäure umgewandelt. Gekochte Vogelbeeren sind also nicht giftig. Ihr Vitamin-C-Gehalt kann bis zu 100 Milligramm pro 100 Gramm erreichen. Traditionell werden sie zu Marmelade, Schnaps oder pikanten Chutneys verarbeitet, die besonders gut zu Wildgerichten passen. Aufgrund ihres bitteren Geschmacks werden sie oft mit süßeren Früchten wie Äpfeln oder Birnen kombiniert. Es gibt auch Zuchtsorten der Eberesche (z.B. ‚Mährische Eberesche‘), die weniger Bitterstoffe enthalten und milder im Geschmack sind.
Liste weiterer Vitamin-C-reicher Wildfrüchte
- Schlehe (Prunus spinosa): Nach dem Frost geerntet, herb-süß. Reich an Vitamin C und Gerbstoffen. Ideal für Likör und Marmelade.
- Holunderbeere (Sambucus nigra): Roh giftig, gekocht eine Vitamin-C- und Zinkquelle. Klassisch als Saft („Fliederbeersaft“) oder Gelee.
- Weißdorn (Crataegus): Die mehligen Früchte sind essbar und reich an Vitamin C. Werden oft zu Mus verarbeitet.
Vitamin C erhalten: Die Kunst der schonenden Konservierung
Den höchsten Vitamin-C-Gehalt haben Früchte im frischen, unverarbeiteten Zustand. Doch das wertvolle Vitamin ist äußerst empfindlich. Drei Hauptfaktoren führen zu seinem Abbau: Hitze, Sauerstoff und Licht. Wer die Nährstoffe aus Hagebutte, Sanddorn und Co. bestmöglich für den Winter konservieren möchte, muss diese Faktoren bei der Verarbeitung gezielt kontrollieren. Langes Kochen bei hohen Temperaturen ist der größte Feind von Vitamin C. Schon bei Temperaturen über 60°C beginnt der Abbauprozess merklich. Daher gilt die Regel: so kurz wie möglich und bei so niedriger Temperatur wie nötig erhitzen. Beim Kochen von Mus oder Marmelade sollte die Masse nur kurz aufgekocht werden, um sie haltbar zu machen. Dampfentsaften ist eine relativ schonende Methode, da die Früchte nicht direkt im kochenden Wasser liegen.
Der Kontakt mit Sauerstoff führt zur Oxidation von Vitamin C, wodurch es seine Wirksamkeit verliert. Dieser Prozess wird durch Enzyme in der Frucht und durch den Kontakt mit Metallen wie Kupfer beschleunigt. Daher sollte man aufgeschnittene Früchte schnell weiterverarbeiten und Kochgeschirr aus Edelstahl verwenden. Ein weiterer praktischer Tipp ist die Zugabe von etwas Zitronensaft. Die darin enthaltene Zitronensäure wirkt als Antioxidans und schützt das Vitamin C vor dem Zerfall. Beim Abfüllen von Mus oder Saft in Gläser ist es wichtig, diese randvoll zu füllen, um den verbleibenden Luftraum (und damit den Sauerstoff) zu minimieren. Ein schnelles Verschließen der heißen Gläser sorgt zudem für ein Vakuum, das den Inhalt weiter schützt.
Welche Konservierungsmethode ist also die beste? Das Einfrieren gilt als eine der schonendsten Methoden, um Vitamine zu erhalten. Ganze Beeren oder fertiges Mus können portionsweise eingefroren werden, wobei der Vitaminverlust über Monate hinweg relativ gering ist. Eine weitere exzellente Methode ist das Trocknen bei niedrigen Temperaturen (unter 40°C), wie es bei der Herstellung von Hagebuttenpulver praktiziert wird. Dies erhält einen Großteil der Nährstoffe. Die klassische Herstellung von Marmelade oder Sirup ist aufgrund der notwendigen Erhitzung und des Zuckerzusatzes mit höheren Vitaminverlusten verbunden. Dennoch bleibt auch hier ein signifikanter Teil des Vitamins erhalten, insbesondere wenn die Kochzeit kurz gehalten wird. Eine gute Strategie ist es, verschiedene Methoden zu kombinieren: einen Teil der Ernte zu Pulver trocknen, einen Teil als Mus einfrieren und aus dem Rest eine leckere Marmelade für den sofortigen Genuss kochen.
Profi-Tipp: Schockfrosten für maximalen Nährstofferhalt
Um die Bildung großer Eiskristalle zu verhindern, die die Zellstruktur der Früchte zerstören und zu Nährstoffverlusten führen, kann man Beeren „schockfrosten“. Dazu die gewaschenen und trockenen Früchte auf einem Tablett oder Backblech ausbreiten und für 1-2 Stunden im Gefrierschrank vorfrieren, bis sie hart sind. Anschließend können die lose gefrorenen Früchte in Gefrierbeutel oder Dosen umgefüllt werden. So kleben sie nicht zusammen und behalten ihre Form und Nährstoffe besser.
Häufig gestellte Fragen
Muss man Hagebutten vor dem Kochen entkernen?
Das Entkernen von Hagebutten vor dem Kochen ist nicht zwingend erforderlich, wenn man Mus oder Mark herstellen möchte. Die gängigste und einfachste Methode ist, die ganzen, gewaschenen Früchte mit wenig Wasser weich zu kochen (ca. 15-20 Minuten). Anschließend wird die gesamte Masse durch ein feines Sieb, eine Passiermühle („Flotte Lotte“) oder ein Passiertuch gedrückt. Dieser Vorgang trennt das Fruchtfleisch zuverlässig von den Kernen und den reizenden Härchen. Ein vorheriges Entkernen ist nur dann notwendig, wenn man die reinen Fruchthüllen, zum Beispiel für Tee oder zum Trocknen, verwenden möchte.
Wie gewinnt man Sanddornsaft am besten ohne Entsafter?
Sanddornsaft lässt sich auch ohne speziellen Dampfentsafter gewinnen. Dazu werden die frischen oder gefrorenen Beeren in einen Topf gegeben und mit einer kleinen Menge Wasser (ca. 100 ml pro 1 kg Früchte) bedeckt. Die Beeren bei mittlerer Hitze langsam erwärmen, bis sie weich werden und aufplatzen – dies dauert etwa 10-15 Minuten. Die Masse sollte nicht sprudelnd kochen. Anschließend wird der Topfinhalt durch ein mit einem sauberen Tuch ausgelegtes Sieb gegossen. Die Fruchtmasse im Tuch kann man vorsichtig auspressen, um den restlichen Saft zu gewinnen. So erhält man reinen, konzentrierten Ursaft.
Zerstört Kochen das gesamte Vitamin C in den Früchten?
Kochen zerstört nicht das gesamte Vitamin C, aber es reduziert den Gehalt erheblich. Vitamin C ist hitzeempfindlich und beginnt bei Temperaturen über 60°C abzubauen. Je länger und heißer gekocht wird, desto größer ist der Verlust, der zwischen 30% und über 50% liegen kann. Um den Verlust zu minimieren, sollte die Kochzeit so kurz wie möglich gehalten werden. Zum Beispiel sollte Marmelade nur für die vom Gelierzucker vorgegebene kurze Zeit (meist 3-4 Minuten) sprudelnd gekocht werden. Schonendere Methoden wie das Einfrieren oder das Trocknen bei niedrigen Temperaturen (unter 40°C) erhalten deutlich mehr Vitamin C.
Kann man Vogelbeeren wirklich essen und wie bereitet man sie zu?
Ja, Vogelbeeren (Früchte der Eberesche) sind nach korrekter Zubereitung essbar. Roh sind sie ungenießbar und leicht giftig, da sie Parasorbinsäure enthalten. Diese Säure wird jedoch durch Erhitzen (Kochen) oder mehrmaliges Einfrieren und Auftauen in verträgliche Sorbinsäure umgewandelt. Der beste Erntezeitpunkt ist nach dem ersten Frost. Für die Zubereitung werden die Beeren gewaschen und in einem Topf mit Wasser für mindestens 15-20 Minuten gekocht. Aufgrund ihres bitteren Geschmacks werden sie selten allein, sondern meist in Kombination mit Äpfeln, Birnen oder Quitten zu Marmelade, Gelee oder Chutney verarbeitet.
Fazit
Die heimischen Früchte des Herbstes, allen voran Hagebutte und Sanddorn, sind weit mehr als nur farbenfrohe Boten der kühlen Jahreszeit. Sie sind konzentrierte Nährstoffpakete, deren Vitamin-C-Gehalt den von klassischen Zitrusfrüchten um ein Vielfaches übersteigt. Ihre Nutzung ist ein Paradebeispiel für eine saisonale und regionale Ernährung, die nicht nur nachhaltig ist, sondern auch eine beeindruckende Vielfalt an Aromen und gesundheitlichen Vorteilen bietet. Das Wissen um das richtige Sammeln, die sorgfältige Verarbeitung und die schonende Konservierung ist der Schlüssel, um diese Schätze der Natur optimal zu nutzen. Die Auseinandersetzung mit diesen Wildfrüchten schärft den Blick für die Ressourcen vor der eigenen Haustür und verbindet uns wieder stärker mit den Zyklen der Natur.
Die vorgestellten Methoden – vom Passieren der Hagebutten bis zur stacheligen Ernte des Sanddorns – zeigen, dass die Verarbeitung zwar mit etwas Aufwand verbunden ist, das Ergebnis diesen aber mehr als rechtfertigt. Ob als Mus, Sirup, Pulver oder Saft, die Früchte bieten zahlreiche Möglichkeiten, den Speiseplan zu bereichern und sich einen wertvollen Vorrat für den Winter anzulegen. Entscheidend ist dabei stets das Bewusstsein für die Empfindlichkeit des Vitamin C gegenüber Hitze und Sauerstoff. Wer die Grundregeln der schonenden Zubereitung beachtet, kann sicherstellen, dass ein großer Teil der wertvollen Inhaltsstoffe auch auf dem Teller oder im Glas ankommt. Das Experimentieren mit diesen heimischen Vitamin-C-Stars ist eine lohnende Entdeckungsreise für jeden, der Kochen und Ernährung schätzt.




