Kurz & knapp
Selbstgemachte Pasta aus Kichererbsen- oder Linsenmehl gelingt durch die Zugabe von Bindemitteln wie Johannisbrotkernmehl, Xanthan oder Flohsamenschalen in Kombination mit Wasser und optional Ei. Da Hülsenfrüchte kein dehnbares Klebereiweiß (Gluten) enthalten, strukturiert diese Bindemittel-Mischung den Teig, sodass er sich ohne Reißgefahr ausrollen und in Form schneiden lässt.
Die Nachfrage nach proteinreichen, glutenfreien Alternativen zu klassischer Pasta aus Hartweizengrieß hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Nudeln aus Hülsenfrüchten wie roten Linsen, gelben Linsen oder Kichererbsen überzeugen durch einen hohen Eiweißgehalt, einen niedrigen glykämischen Index und eine lange Sättigungswirkung. Während getrocknete Hülsenfrüchte-Pasta im Handel überall erhältlich ist, stellt die eigene Herstellung in der heimischen Küche eine besondere handwerkliche Aufgabe dar.
Das Hauptproblem beim Verarbeiten von reinem Mehl aus Hülsenfrüchten ist das Fehlen von Gluten. Gluten sorgt in klassischem Nudelteig für die Elastizität, Dehnbarkeit und Reißfestigkeit. Ohne diese Proteinstruktur zerbröselt ein einfacher Teig aus Kichererbsenmehl und Wasser beim Ausrollen. Durch ein tieferes Verständnis der physikalischen Eigenschaften alternativer Bindemittel und die korrekte Teigführung lässt sich jedoch auch ohne Weizenkleber eine elastische Masse herstellen, die formstabil bleibt und beim Kochen nicht zerfällt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Fehlendes Gluten ersetzen: Hülsenfrüchte besitzen kein Klebereiweiß; Fremdbindemittel wie Tapiokastärke, Xanthan oder Flohsamenschalenpulver sind für die Dehnbarkeit des Teiges zwingend notwendig.
- Feuchtigkeitsmanagement: Mehle aus Kichererbsen und Linsen absorbieren deutlich mehr Flüssigkeit als Weizenmehl, weshalb der Teig eine ausreichende Quellzeit benötigt.
- Die Rolle von Ei: Die Zugabe von Hühnerei erhöht die Bindung und Stabilität im kochenden Wasser erheblich; vegane Versionen erfordern präzise dosierte pflanzliche Geliermittel.
- Schonende Verarbeitung: Der fertige Teig sollte dünner ausgerollt und kürzer gekocht werden als herkömmliche Pasta, da die Proteinstruktur hitzeempfindlicher ist.
Aus welchen Mehlen lässt sich Hülsenfrüchte-Pasta herstellen?
Mehle aus roten Linsen, Kichererbsen, gelben Linsen und grünen Erbsen eignen sich hervorragend für die Herstellung von selbstgemachter Pasta. Diese Mehle werden aus geschälten und fein gemahlenen Hülsenfrüchten gewonnen, wodurch sie eine homogene Textur aufweisen, die Flüssigkeiten gleichmäßig aufnehmen kann. Einfaches Schrot oder grob gemahlene Hülsenfrüchte sind ungeeignet, da die groben Partikel die Teigstruktur unterbrechen und zum Reißen führen.
Kichererbsenmehl besitzt ein leicht nussiges, herbes Eigenaroma und eine gelbliche Farbe, die optisch an klassischen Eierteig erinnert. Rotes Linsenmehl hingegen sorgt für eine auffällige orange-rote Färbung und schmeckt mild-würzig. Bei der Verarbeitung zeigen sich feine Unterschiede in der Wasseraufnahme: Kichererbsenmehl bindet Flüssigkeit extrem stark und neigt bei zu wenig Feuchtigkeit zum Bröseln. Linsenmehl verhält sich minimal geschmeidiger, benötigt aber ebenfalls strukturunterstützende Zusatzstoffe, um elastisch zu werden.
Wer selbstgemachtes Mehl verwenden möchte, muss dieses in einem Hochleistungsmixer so fein mahlen, dass es durch ein engmaschiges Haarsieb fällt. Rückstände von Schalen oder unvollständig zerkleinerte Stücke verhindern, dass sich die notwendige Proteinstruktur im Teig schließt. Für optimale Ergebnisse wird daher meist auf industriell feinstgemahlenes Mehl zurückgegriffen.
Im Vergleich: Kichererbsenmehl vs. Rotes Linsenmehl
| Eigenschaft | Kichererbsenmehl | Rotes Linsenmehl |
|---|---|---|
| Geschmacksprofil | Kräftig nussig, leicht erdig | Dezent süßlich, mild |
| Farbe der Pasta | Warmes Gelb (ähnlich Weizenteig) | Lachsfarben bis pastellorange |
| Flüssigkeitsbedarf | Sehr hoch (quillt stark nach) | Hoch (etwas feuchteres Gefühl) |
| Stabilität beim Kochen | Gut (behält den Biss gut bei) | Mittel (wird schneller weich) |
Wie geliert der Teig ohne Gluten?
Um die fehlende Glutenstruktur auszugleichen, muss man dem Teig ein Hydrokolloid oder eine stärkebasierte Bindekomponente hinzufügen. Diese Stoffe bauen beim Kontakt mit Wasser ein dreidimensionales Netzwerk auf, welches die Stärkekörner und Proteine des Hülsenfrüchtemehls umschließt. Ohne diesen Zusatz würde die Pasta beim Kochen im Wasser zerfallen und eine mehlige Suppe hinterlassen.
Die effektivsten Bindemittel für Hülsenfrüchte-Pasta sind:
- Tapiokastärke (oder Kartoffelstärke): Erzeugt durch Verkleisterung unter Hitzeeinfluss Elastizität. Ein Anteil von etwa 10 bis 20 Prozent der gesamten Mehlmenge verbessert die Textur erheblich und sorgt für den typischen „Al-dente-Biss“ (Chewiness).
- Flohsamenschalenpulver (feinst gemahlen): Bindet enorme Mengen Wasser und bildet ein stabiles Schleimgel. Es verleiht dem Teig eine gummiartige Elastizität, die dem Weizenkleber sehr nahekommt. Wichtig ist die Verwendung von reinem, grau-weißem Pulver, nicht von ganzen Schalen.
- Xanthan (E 415): Ein durch Fermentation gewonnenes Polysaccharid. Bereits Kleinstmengen (ca. 1 Teelöffel auf 300 Gramm Mehl) erhöhen die Viskosität des Teiges drastisch und verhindern das Reißen beim Ausrollen.
- Johannisbrotkernmehl und Guarkernmehl: Diese pflanzlichen Verdickungsmittel wirken ähnlich wie Xanthan, sollten jedoch sparsam dosiert werden, um eine klebrige Konsistenz zu vermeiden.
Gut zu wissen
Die Kombination aus einer elastischen Komponente (wie Xanthan oder Flohsamenschalen) und einer strukturellen Komponente (wie Tapiokastärke) liefert qualitativ die besten Ergebnisse. Sie ahmt das Zusammenspiel aus Gliadin (Dehnbarkeit) und Glutenin (Festigkeit) im Weizen nach.
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Letzte Aktualisierung am 7.06.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API
Wie wird der Teig Schritt für Schritt hergestellt?
Die Teigzubereitung erfordert Präzision beim Abmessen der Zutaten und ausreichend Geduld während der anschließenden Quellphase. Zunächst werden die trockenen Komponenten – das Hülsenfrüchtemehl, die gewählte Stärke, das Bindemittel (z. B. Xanthan oder gemahlene Flohsamenschalen) sowie eine Prise Salz – in einer großen Rührschüssel gründlich mit einem Schneebesen vermengt. Diese trockene Vorbereitung verhindert, dass sich später Klumpen des Bindemittels im Teig bilden.
Im zweiten Schritt werden die flüssigen Zutaten hinzugegeben. Für einen klassischen Eierteig verwendet man aufgeschlagene Hühnereier; für eine vegane Variante wird lauwarmes Wasser, gemischt mit einem Esslöffel Olivenöl, hinzugefügt. Das Öl sorgt für zusätzliche Geschmeidigkeit und reduziert die Klebrigkeit während des Ausrollens. Die Flüssigkeit wird langsam mit einer Gabel in die Mehlmischung eingearbeitet, bis Streusel entstehen.
Anschließend wird die Masse auf einer sauberen Arbeitsfläche mit den Händen geknetet. Dieser Knetprozess dauert etwa fünf bis zehn Minuten. Da kein Gluten aktiviert werden muss, dient das Kneten ausschließlich der gleichmäßigen Hydratation aller Mehlpartikel. Erscheint der Teig zu trocken, gibt man teelöffelweise Wasser hinzu; klebt er zu stark, hilft ein Hauch von zusätzlichem Hülsenfrüchtemehl. Der fertige Teig sollte die Konsistenz von fester Knete haben.
Profi-Tipp
Lassen Sie den Teig nach dem Kneten fest in Frischhaltefolie eingewickelt für mindestens 30 bis 60 Minuten bei Raumtemperatur ruhen. In dieser Zeit quellen die Ballaststoffe und Proteine der Hülsenfrüchte vollständig auf. Der Teig wird dadurch spürbar elastischer, weicher und lässt sich danach wesentlich dünner ausrollen, ohne zu reißen.
Wie rollt man glutenfreie Pasta richtig aus?
Das Ausrollen von Nudelteig aus Hülsenfrüchten erfordert Feingefühl, da die Reißfestigkeit geringer ist als bei Weizenteig. Man teilt den Teig in kleinere Portionen auf und hält die restlichen Stücke stets unter Folie feucht, um ein Austrocknen der Oberfläche zu verhindern. Als Arbeitsunterlage eignet sich eine glatte, leicht bemehlte Oberfläche oder eine Silikonmatte.
Zum Ausrollen kann entweder ein klassisches Nudelholz (Wellholz) oder eine mechanische Nudelmaschine verwendet werden. Beim Walzen mit der Maschine ist darauf zu achten, den Teig nicht sofort durch die dünnste Stufe zu jagen. Man beginnt bei der am weitesten geöffneten Stufe und arbeitet sich schrittweise, Stufe für Stufe, nach unten. Sollte die Teigplatte an den Rändern ausfransen, klappt man sie einmal in der Mitte zusammen und führt sie erneut durch die Walze – dieser Vorgang stabilisiert die Kanten.
Schneiden und Formen der Nudeln
Sobald die gewünschte Dicke (empfohlen sind etwa 1 bis 1,5 Millimeter) erreicht ist, wird die Teigplatte von beiden Seiten dünn mit Stärke oder Hülsenfrüchtemehl bestäubt. Für breite Nudeln wie Fettuccine oder Tagliatelle rollt man die Platte locker auf und schneidet sie mit einem scharfen Messer in Streifen. Die Streifen werden sofort vorsichtig mit den Fingern aufgelockert und zu kleinen „Nestern“ geformt.
Auch die Herstellung von gefüllten Nudeln wie Ravioli ist möglich. Da der Teig jedoch weniger dehnbar ist, sollten die Füllungen nicht zu feucht sein, da sonst der Teig aufweicht und beim Verschließen reißt. Ein Befeuchten der Ränder mit etwas Wasser oder Eiweiß sorgt für einen guten Verschluss der Teigtaschen.
Achtung
Verwenden Sie zum Bestäuben der Arbeitsfläche vorzugsweise feine Stärke (wie Tapioka- oder Maisstärke) statt reinem Hülsenfrüchtemehl. Reines Mehl entzieht dem ausgerollten Teig zu schnell die Feuchtigkeit, wodurch die Oberfläche spröde wird und beim Schneiden feine Risse entstehen.
Wie lange muss man selbstgemachte Kichererbsen- und Linsenpasta kochen?
Selbstgemachte, frische Pasta aus Hülsenfrüchten benötigt eine kurze Kochzeit von lediglich 2 bis 4 Minuten in reichlich kochendem Salzwasser. Da die Nudeln frisch und nicht getrocknet sind, gart die Stärke- und Proteinstruktur extrem schnell durch. Ein zu langes Kochen führt dazu, dass die Bindemittel ihre Haltekraft verlieren und die Nudeln eine weiche, breiige Konsistenz annehmen.
Beim Kochen verhält sich Hülsenfrüchte-Pasta anders als Weizennudeln: Das Kochwasser schäumt aufgrund der enthaltenen Saponine (natürliche Seifenstoffe aus den Hülsenfrüchten) stark auf. Es empfiehlt sich daher, einen ausreichend großen Topf zu wählen und die Hitze nach dem Hinzufügen der Nudeln leicht zu reduzieren, sodass das Wasser nur noch leicht siedet. Die Pasta ist gar, sobald sie an die Oberfläche steigt. Sie sollte sofort vorsichtig mit einem Schaumlöffel entnommen werden, da das Abgießen durch ein grobes Sieb die empfindlichen Nudeln beschädigen kann.
Häufig gestellte Fragen
Warum zerfällt meine selbstgemachte Linsenpasta beim Kochen?
Dieses Problem tritt auf, wenn dem Teig kein oder zu wenig strukturbildendes Bindemittel hinzugefügt wurde. Da Linsen kein Gluten besitzen, fehlt den Stärkekörnern der nötige Zusammenhalt, weshalb sie sich im heißen Wasser auflösen. Die Erhöhung des Anteils an Xanthan, Flohsamenschalenpulver oder die zusätzliche Verwendung eines Hühnereis stabilisiert das Proteingerüst und verhindert das Zerfallen.
Kann man Kichererbsenpasta auf Vorrat trocknen?
Das Trocknen von selbstgemachter Hülsenfrüchte-Pasta ist möglich, erfordert jedoch eine sehr langsame und gleichmäßige Entziehung der Feuchtigkeit bei Raumtemperatur. Wird die Pasta zu schnell getrocknet, wird sie extrem spröde und bricht leicht in kleine Stücke. Alternativ lässt sich die frische, geformte Pasta problemlos portionsweise einfrieren und später direkt im gefrorenen Zustand in das kochende Wasser geben.
Welche Soßen passen am besten zu Pasta aus Hülsenfrüchten?
Da Nudeln aus Kichererbsen oder Linsen einen intensiven, nussig-herben Eigengeschmack besitzen, harmonieren sie hervorragend mit kräftigen, geschmacksintensiven Soßen. Klassisches Basilikum-Pesto, sämige Tomaten-Gemüse-Soßen oder cremige Nusssoßen (beispielsweise auf Cashewbasis) gleichen das Aroma der Hülsenfrüchte optimal aus. Sehr leichte, wässrige Soßen haften hingegen schlechter an der raueren Oberfläche dieser Pasta.
Ist selbstgemachte Kichererbsenpasta gesünder als normale Weizenpasta?
Aus ernährungsphysiologischer Sicht bietet Pasta aus Hülsenfrüchten erhebliche Vorteile, da sie etwa doppelt so viel pflanzliches Eiweiß und deutlich mehr Ballaststoffe als herkömmliche Hartweizenpasta enthält. Dies führt zu einer langsameren Kohlenhydrataufnahme, stabilisiert den Blutzuckerspiegel und sorgt für eine langanhaltende Sättigung. Zudem ist sie für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) eine hervorragende Alternative.
Kann man den Teig auch komplett ohne Stärke herstellen?
Ein Teig aus reinem Kichererbsen- oder Linsenmehl und Wasser ist extrem brüchig und lässt sich kaum dünn ausrollen. Wenn keine zusätzliche Stärke (wie Tapiokastärke) verwendet werden soll, muss die Bindung komplett über Eiweiß (Eier) und ein starkes Geliermittel wie Xanthan aufgebaut werden. Die Textur wird ohne Stärkezugabe jedoch meist etwas fester und weniger elastisch im Biss.
Fazit
Die eigene Herstellung von Pasta aus Kichererbsen- oder Linsenmehl stellt eine lohnende handwerkliche Herausforderung dar. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im bewussten Einsatz von alternativen Bindemitteln wie Tapiokastärke, Xanthan oder Flohsamenschalen sowie einer ausreichenden Ruhezeit des Teiges. Auf diese Weise wird das fehlende Glutennetzwerk physikalisch optimal ersetzt, sodass die Pasta auch beim Ausrollen und Kochen ihre Form behält.
Durch die kurze Kochzeit von nur wenigen Minuten und den hohen Gehalt an Proteinen sowie Ballaststoffen bietet die selbstgemachte Variante eine frische, geschmacksintensive und nährstoffreiche Alternative zu industriellen Trockenprodukten. Mit der richtigen Vorsicht beim Ausrollen und dem passenden Feuchtigkeitsmanagement gelingt der glutenfreie Nudelteig auch ohne Vorkenntnisse in der eigenen Küche.




