Kohlrabi einkochen: Haltbarkeit verlängern, Vorbereitungsschritte und genaue Einkochzeiten

Mario Wormuth
Erstellt von: Mario Wormuth
28 Minuten Lesezeit

Schnellzubereitung auf einen Blick

⏱️ Vorbereitungszeit: 30-40 Minuten
🔥 Garzeit (Einkochzeit): 90-120 Minuten
🌡️ Temperatur: 100°C (Sprudelnd kochendes Wasser)
📊 Schwierigkeitsgrad: Mittel

Die wichtigsten Schritte:

  1. Vorbereitung (30 Min.): Gläser sterilisieren. Kohlrabi schälen, holzige Stellen entfernen und in gleichmäßige Würfel oder Stifte schneiden. Blanchieren für 2-3 Minuten in Salzwasser.
  2. Abfüllen (10 Min.): Das heiße Gemüse in die sauberen Gläser füllen. Mit heißem Salzwasser (ca. 10g Salz pro Liter) aufgießen, dabei 2 bis 3 Zentimeter Rand nach oben lassen. Gläser verschließen.
  3. Hauptzubereitung (90-120 Min.): Gläser in den Einkochautomaten oder einen großen Topf stellen. Mit Wasser auffüllen, bis die Gläser zu drei Vierteln im Wasser stehen. Bei 100°C einkochen.
  4. Finishing (24 Stunden): Gläser herausheben, auf einem Holzbbrett oder Tuch abkühlen lassen. Nach dem vollständigen Erkalten das Vakuum prüfen.

Die 3 wichtigsten Erfolgsfaktoren:

  • Temperatur & Zeit: Kohlrabi ist säurearm. Um Sporen abzutöten und die Haltbarkeit zu gewährleisten, müssen zwingend 100°C für mindestens 90 bis 120 Minuten gehalten werden.
  • Absolute Sauberkeit: Gläser, Deckel und Gummiringe müssen vorab keimfrei gemacht werden, um Gärprozesse im Glas zu verhindern.
  • Vakuumkontrolle: Nur Gläser, die ein starkes Vakuum gebildet haben (nach innen gewölbter Deckel oder fest sitzender Glasdeckel nach Entfernen der Klammern), sind sicher für die Langzeitlagerung.

Das Haltbarmachen von saisonalem Gemüse ist eine bewährte Methode, um die Ernte aus dem eigenen Garten oder günstige Marktangebote über viele Monate hinweg nutzbar zu machen. Kohlrabi eignet sich hervorragend für diesen Prozess, da das Kohlgewächs eine feste Zellstruktur besitzt, die auch nach längerer Hitzeeinwirkung noch eine angenehme Konsistenz behält. Im Gegensatz zu sehr wasserreichen Gemüsesorten wie Zucchini zerfällt Kohlrabi im Glas nicht zu Brei, sofern die richtigen Zubereitungsschritte eingehalten werden.

Beim Konservierungsprozess durch Hitze geht es physikalisch darum, Mikroorganismen, Bakterien und Enzyme, die den Verderb von Lebensmitteln verursachen, vollständig abzutöten. Gleichzeitig entsteht durch das Ausdehnen und anschließende Zusammenziehen der Luft im Glas während des Abkühlens ein Unterdruck. Dieses Vakuum verschließt das Gefäß hermetisch und schützt den Inhalt vor neuen Keimen aus der Umgebungsluft. Da Kohlrabi zu den säurearmen Gemüsesorten zählt, gelten hier strengere Regeln bezüglich der Einkochzeiten als beispielsweise bei stark säurehaltigen Früchten oder eingelegten Gurken.

Die Anwendung der klassischen Wasserbadmethode erfordert Sorgfalt, belohnt aber mit einem vielseitigen Vorrat. Das konservierte Gemüse lässt sich später direkt als Beilage erhitzen, in cremigen Suppen verarbeiten oder als Basis für Eintöpfe an kalten Tagen nutzen. Um ein sicheres und geschmacklich überzeugendes Ergebnis zu erzielen, müssen Vorbereitung, Abfüllung und der eigentliche thermische Prozess exakt aufeinander abgestimmt sein.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Hygiene: Sterilisation von Gläsern und Werkzeugen ist die absolute Grundvoraussetzung.
  • Vorbereitung: Das Blanchieren vor dem Abfüllen stoppt enzymatische Prozesse und schrumpft das Gemüse leicht.
  • Der Aufguss: Ein Basis-Sud aus Wasser und Salz sorgt für Geschmack und unterstützt die Konservierung.
  • Der Prozess: Säurearmes Gemüse benötigt hohe Temperaturen (100°C) und lange Zeiten (bis zu 120 Minuten) im Wasserbad.

Die richtige Auswahl und Vorbereitung der Knollen

Der Erfolg beim Konservieren beginnt lange vor dem ersten Erhitzen. Die Auswahl des Gemüses entscheidet maßgeblich über die spätere Textur im Glas. Man greift idealerweise zu mittelgroßen Knollen, da sehr große Exemplare oft holzige Fasern im unteren Bereich aufweisen. Diese Fasern werden auch durch langes Kochen nicht weich und stören später das Mundgefühl erheblich. Das Gemüse sollte fest sein, eine makellose Schale ohne tiefe Risse aufweisen und sich schwer anfühlen. Welkes Laub ist ein Indikator dafür, dass die Ernte schon länger zurückliegt, was zu Einbußen bei den Nährstoffen und der Festigkeit führt.

Die Vorbereitung erfordert Präzision. Zunächst wird das Grün entfernt. Man wäscht die Knollen gründlich unter fließendem Wasser, um Erdreste zu beseitigen. Anschließend schält man den Kohlrabi großzügig. Besonders am Wurzelansatz muss tief geschnitten werden. Ein bewährter Handgriff ist es, den Kohlrabi unten etwas dicker abzuschneiden und dann mit einem Gemüsemesser oder Sparschäler von oben nach unten zu arbeiten. Sollte man beim Schneiden auf Widerstand stoßen oder weiße, faserige Strukturen erkennen, müssen diese großzügig weggeschnitten werden.

Für ein gleichmäßiges Garergebnis ist die Schnittform von großer Bedeutung. Das Gemüse muss in exakt gleich große Stücke geschnitten werden. Hierbei kann man sich zwischen Würfeln, Stiften oder Scheiben entscheiden. Die Wahl der Form hängt oft von der geplanten späteren Verwendung ab. Für Suppen eignen sich kleine Würfel, während als Beilagengemüse oft Stifte bevorzugt werden. Unregelmäßige Stücke führen dazu, dass kleine Teile völlig verkochen, während große Stücke im Kern noch hart bleiben könnten.

Ein oft diskutierter Schritt ist das Blanchieren vor dem Abfüllen in die Gläser. Dieser kurze Hitzeschock in kochendem Wasser erfüllt mehrere technische Zwecke gleichzeitig. Er deaktiviert pflanzeneigene Enzyme, die sonst auch im Glas noch für Farbverlust und Geschmacksveränderungen sorgen könnten. Zudem treibt das Blanchieren Sauerstoff aus den Zellzwischenräumen des Gemüses. Das Gewebe schrumpft leicht, wodurch das Gemüse biegsamer wird. Man kann so mehr Inhalt in ein Glas füllen, ohne dass es später im Glas in sich zusammenfällt und unschöne Leerräume entstehen.

Gut zu wissen

Das Kohlrabigrün muss nicht entsorgt werden. Die jungen, zarten Herzblättchen enthalten besonders viele Nährstoffe. Man kann sie fein hacken und trocknen oder frisch in Suppen verwenden. Zum Einkochen im Glas eignen sie sich jedoch weniger, da sie stark verkochen und das Wasser trüben.

Vergleich der gängigen Schnittformen

Schnittform Größe (ca.) Vorteile beim Einkochen Ideale spätere Verwendung
Würfel 1,5 x 1,5 cm Sehr platzsparend im Glas, gleichmäßiges Durchgaren. Eintöpfe, Cremesuppen, Aufläufe
Stifte (Julienne/Bâtonnets) 5 cm lang, 1 cm dick Optisch ansprechend, behalten gut ihre Struktur. Klassisches Beilagengemüse, Wok-Gerichte
Scheiben / Halbe Scheiben 0,5 cm dick Geringer Vorbereitungsaufwand beim Schneiden. Gemüselasagne, Überbackenes

Profi-Tipp

Wenn große Mengen verarbeitet werden, lohnt sich der Einsatz eines Gemüsehobels oder Würfelschneiders. Dies garantiert nicht nur exakt gleichmäßige Stücke für das Wasserbad, sondern spart auch erheblich Zeit bei der Vorbereitung.

Das notwendige Equipment zum sicheren Haltbarmachen

Die physikalischen Abläufe beim Haltbarmachen erfordern spezifische Werkzeuge, die für die entstehenden Temperaturen und Druckverhältnisse ausgelegt sind. Das Kernstück bilden die Gläser. Man verwendet in der Regel klassische Sturzgläser mit Glasdeckel, Gummiring und Metallklammern (Weck-System) oder Gläser mit Schraubverschluss (Twist-Off-Gläser). Beide Systeme haben ihre Berechtigung, funktionieren jedoch unterschiedlich. Beim Weck-System fungiert der Gummiring während des Erhitzens als Überdruckventil: Luft kann aus dem Glas entweichen, aber Wasser von außen nicht eindringen. Beim Abkühlen saugt sich der Deckel fest. Twist-Off-Deckel wölben sich beim Erhitzen nach oben und ziehen sich beim Abkühlen hörbar nach innen.

Die Vorbereitung dieser Gefäße verzeiht keine Fehler in der Hygiene. Gläser müssen auf Risse oder Absplitterungen am Rand kontrolliert werden. Schon eine winzige Beschädigung am Glasrand verhindert die Bildung eines Vakuums, was unweigerlich zum Verderb führt. Schraubdeckel dürfen keine Roststellen oder Beschädigungen der inneren Beschichtung aufweisen. Gummiringe müssen flexibel und unbeschädigt sein. Vor der Nutzung werden alle Bestandteile entweder im kochenden Wasserbad für 10 Minuten sterilisiert oder im Backofen bei über 100°C keimfrei gemacht. Gummiringe und Twist-Off-Deckel kocht man oft in etwas Essigwasser aus, um sie zu entfetten.

Für den thermischen Prozess benötigt man ein entsprechendes Gerät. Ein elektrischer Einkochautomat bietet den großen Vorteil, dass er Temperatur und Zeit konstant hält. Ein Thermostat regelt die Hitze, was gerade bei stundenlangen Vorgängen sehr hilfreich ist. Alternativ kann man einen sehr großen, herkömmlichen Kochtopf verwenden. Dieser muss so hoch sein, dass die Gläser auf einem Bodengitter stehen können und zu etwa drei Vierteln, besser noch komplett, von Wasser bedeckt sind. Ein Einkochthermometer ist bei der Topfmethode unerlässlich, um sicherzustellen, dass die geforderten 100°C durchgehend gehalten werden.

Neben Gläsern und Topf erleichtern einige Spezialwerkzeuge die Arbeit erheblich und erhöhen die Sicherheit. Ein Einfülltrichter mit breiter Öffnung sorgt dafür, dass die Ränder der Gläser beim Einfüllen von Gemüse und Sud sauber bleiben. Ein Glasheber, eine Art spezielle Zange, ist extrem wichtig, um die kochend heißen Gläser sicher und rutschfest aus dem Wasserbad zu heben. Ein sauberes Küchentuch zum Abwischen der Ränder und zum Unterlegen beim Abkühlen sollte ebenfalls bereitliegen.

Achtung

Twist-Off-Deckel, die beim Daraufdrücken vor dem Erhitzen nachgeben (Knack-Geräusch), sind oft schon beschädigt oder ausgeleiert. Man sollte für das Haltbarmachen von säurearmem Gemüse im Wasserbad bevorzugt neue Twist-Off-Deckel verwenden, um eine sichere Dichtung zu gewährleisten.

Checkliste: Grundausstattung

  • Saubere Einmachgläser: Passend zur Gemüsemasse (z.B. 500ml oder 750ml Gläser).
  • Verschlüsse: Neue Schraubdeckel oder unbeschädigte Gummiringe, Glasdeckel und Klammern.
  • Einkochautomat oder Großtopf: Zwingend mit Einlegerost, damit die Gläser nicht den heißen Topfboden berühren (Bruchgefahr!).
  • Thermometer: Unverzichtbar bei der Arbeit mit einem einfachen Topf.
  • Hilfsmittel: Einfülltrichter, Glasheberzange, saubere Baumwolltücher.

Schritt für Schritt: Der Ablauf vor dem Abfüllen

Nachdem das Gemüse geschnitten und die Gläser sterilisiert sind, beginnt der eigentliche Vorbereitungsprozess für das Glas. Zunächst bringt man in einem großen Topf ausreichend Wasser zum Kochen. Die Kohlrabistücke werden portionsweise in das sprudelnde Wasser gegeben und für etwa 2 bis 3 Minuten blanchiert. Diesen Vorgang nennt man auch Vorwelligmachen. Anschließend hebt man das Gemüse mit einer Schaumkelle heraus und gibt es direkt in eine Schüssel mit sehr kaltem Wasser (ideal ist Eiswasser). Dieser thermische Schock, das Abschrecken, stoppt den Garprozess sofort. Die Farbe bleibt strahlend und die Konsistenz erhalten.

Parallel zum Blanchieren bereitet man den Aufguss vor. Dieser Sud dient als Wärmeüberträger im Glas und schützt das Gemüse. Für Kohlrabi wird meist ein einfacher Salzwasseraufguss gewählt. Man kocht frisches Wasser auf und fügt pro Liter Wasser etwa 10 bis 15 Gramm unbehandeltes Salz hinzu. Wichtig ist, dass das Salz komplett aufgelöst ist. Das Aufgusswasser muss beim Einfüllen in die Gläser kochend heiß sein, um den Temperaturunterschied im Glas so gering wie möglich zu halten, wenn es später in das Wasserbad gestellt wird.

Das Einfüllen erfordert Systematik. Man schichtet die blanchierten Gemüsestücke dicht in die vorbereiteten Gläser. Hierbei hilft der Einfülltrichter. Das Gemüse sollte nicht mit Gewalt hineingepresst werden, darf aber auch nicht zu locker liegen. Nun gießt man den heißen Sud darüber, bis das Gemüse vollständig bedeckt ist. Ein entscheidender Faktor für das spätere Vakuum ist der Kopfraum, also der Abstand zwischen der Flüssigkeit und dem Glasrand. Man lässt zwingend 2 bis 3 Zentimeter Platz. Füllt man das Glas zu voll, dehnt sich die Masse beim Kochen aus und drückt sich zwischen Dichtung und Deckel. Die Folge ist ein undichtes Glas.

Bevor die Deckel aufgesetzt werden, müssen die Glasränder penibel kontrolliert werden. Selbst ein winziges Salzkristall oder ein kleines Stück Gemüse am Rand verhindert das Abdichten. Man wischt den Rand mit einem in klarem, heißem Wasser oder etwas hochprozentigem Alkohol getränkten, fusselfreien Tuch sauber. Bei Weckgläsern legt man nun den nassen Gummiring auf den Deckel, platziert diesen auf dem Glas und fixiert ihn mit zwei gegenüberliegenden Klammern. Twist-Off-Gläser werden fest, aber nicht mit extremer Kraftanstrengung zugeschraubt – ein leichtes Überdrehen des Gewindes würde die Dichtung ruinieren.

Gewürze und Aromatisierung im Glas

Kohlrabi hat einen milden, leicht süßlich-kohligen Eigengeschmack. Dieser lässt sich durch Zugabe von Gewürzen direkt in das Glas wunderbar variieren. Wichtig ist, dass Gewürze frisch und keimfrei (idealerweise kurz mit kochendem Wasser überbrüht) sind.

Gewürz / Zutat Menge pro 500ml Glas Geschmacksprofil
Muskatnuss & Muskatblüte 1 Prise oder 1 kleines Stück Klassisch, wärmend, passt perfekt zur späteren Nutzung in hellen Soßen.
Senfkörner 1/2 Teelöffel Leicht pikant, unterstützt die feine Säure, sehr aromatisch.
Dill (frisch oder Samen) 1 kleiner Zweig / 1/4 TL Frisch, erinnert an nordische Rezepte, hervorragend zu Fischgerichten.
Pfefferkörner (weiß) 3-5 Stück Bringt eine milde, unaufdringliche Schärfe, ohne die Optik zu stören.

Profi-Tipp

Um Lufteinschlüsse im Glas zu entfernen, schiebt man nach dem Einfüllen von Gemüse und Sud einen flachen, sauberen Kunststoffspatel oder den Stiel eines Löffels an der Innenwand des Glases nach unten. Man drückt leicht gegen das Gemüse, sodass eingeschlossene Luftblasen aufsteigen können.

Der eigentliche Einkochvorgang: Temperaturen, Zeiten und Methoden

Der thermische Prozess ist der kritischste Teil bei der Konservierung. Bei säurearmem Gemüse wie Kohlrabi besteht ein potenzielles Risiko durch hitzeresistente Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum. In sauren Milieus (wie bei Obst oder in Essig Eingelegtem) können diese Sporen nicht auskeimen. Da diese Säure hier fehlt, muss mit ausreichend hoher Temperatur über einen langen Zeitraum gearbeitet werden. Die Standardmethode im europäischen Raum für den Hausgebrauch ist das Wasserbad bei 100°C. Das Wasser muss im Einkochtopf sprudelnd kochen. Die Zeitmessung beginnt erst, wenn das Thermometer im Topf die 100°C-Marke erreicht hat, nicht wenn man die Gläser hineinstellt.

Die exakte Dauer für Kohlrabi beträgt bei 100°C in der Regel 90 bis 120 Minuten. Man stellt die verschlossenen Gläser auf das Gitter in den Topf. Die Gläser dürfen sich gegenseitig leicht berühren, sollten aber nicht eingeklemmt werden. Das Wasser im Topf sollte beim Einfüllen eine ähnliche Temperatur haben wie der Inhalt der Gläser. Wurde heiß abgefüllt, muss das Wasserbad bereits heiß sein. Bei kalter Abfüllung beginnt man mit kaltem Wasser. Der Wasserstand muss so bemessen sein, dass die Gläser zu mindestens drei Vierteln im Wasser stehen; besser ist es, wenn sie komplett mit Wasser bedeckt sind, da dies eine absolut gleichmäßige Hitzeverteilung garantiert.

Eine Alternative zum Wasserbad ist die Methode im Backofen. Hierbei werden die Gläser in eine Fettpfanne gestellt, die man etwa 2 bis 3 Zentimeter hoch mit Wasser füllt. Der Ofen wird auf 175°C bis 180°C (Ober-/Unterhitze) erhitzt. Sobald die Flüssigkeit in den Gläsern beginnt zu perlen (kleine Bläschen steigen auf), schaltet man den Ofen ab und lässt die Gläser für weitere 90 Minuten in der geschlossenen Röhre stehen. Diese Methode wird jedoch für säurearmes Gemüse oft kritisch betrachtet, da die Temperaturübertragung durch Luft wesentlich schlechter und ungleichmäßiger funktioniert als durch Wasser. Ein vollständiges Durchgaren und sicheres Abtöten aller Keime ist im Ofen schwerer zu garantieren.

In Ländern wie den USA wird für säurearmes Gemüse ausschließlich das „Pressure Canning“, also das Einmachen unter Druck in einem speziellen Druckkochtopf (Pressure Canner), empfohlen. Durch den Überdruck steigt die Temperatur im Topf auf über 115°C bis 120°C. Bei diesen Temperaturen werden selbst hitzeresistenteste Sporen in wesentlich kürzerer Zeit sicher abgetötet. Wer einen solchen Canner besitzt, kann Kohlrabi bei 11 PSI Druck für etwa 35 bis 40 Minuten verarbeiten. In Europa ist diese Methode weniger verbreitet, sie bietet aber die höchste Stufe der Lebensmittelsicherheit für kohlenhydratreiches und säurearmes Einmachgut.

Achtung

Ein vorzeitiges Abbrechen des Einkochvorgangs, weil das Gemüse sonst „zu weich“ werden könnte, ist gefährlich. Die vorgegebenen Zeiten von 90 bis 120 Minuten im Wasserbad dienen nicht primär dem Garen, sondern der Abtötung potenziell gefährlicher Bakteriensporen.

Methoden im direkten Vergleich

Methode Temperatur / Druck Zeit (nach Erreichen der Temp.) Sicherheit & Zuverlässigkeit
Wasserbad (Topf/Automat) 100°C 90 – 120 Minuten Sehr gut. Der europäische Standard, bewährt und zuverlässig.
Backofen 180°C (Luft) -> ab Perlen 0°C Bis zum Perlen + 90 Min. Restwärme Mäßig. Unregelmäßige Hitzeverteilung, für säurearmes Gemüse fehleranfällig.
Pressure Canner (Druck) ca. 115°C (11 PSI) 35 – 40 Minuten Maximal. Weltweit sicherste Methode für säurearme Lebensmittel.

Lagerung, Kontrolle und Verwendung des fertigen Gemüses

Nach Ablauf der exakten Einkochzeit muss das Abkühlen der Gläser kontrolliert ablaufen. Man hebt die heißen Gefäße mit einem speziellen Glasheber vorsichtig aus dem Wasserbad. Sie dürfen auf keinen Fall auf eine kalte Stein- oder Metallplatte gestellt werden, da der extreme Temperaturschock das Glas zum Platzen bringen würde. Ein gefaltetes Baumwolltuch oder ein dickes Holzbrett sind die idealen Unterlagen. Die Gläser müssen erschütterungsfrei und bei normaler Zimmertemperatur abkühlen. Man darf sie nicht in Zugluft stellen oder mit kaltem Wasser abschrecken, um den Prozess zu beschleunigen.

Das Abkühlen dauert in der Regel 12 bis 24 Stunden. In dieser Zeit bildet sich das entscheidende Vakuum. Bei Twist-Off-Gläsern hört man oft ein metallisches „Plopp“, wenn sich der Deckel nach innen zieht. Nach dem vollständigen Erkalten erfolgt die wichtigste Kontrolle: Die Überprüfung des Vakuums. Bei Weck-Gläsern nimmt man die Metallklammern ab und versucht, den Deckel vorsichtig an den Rändern anzuheben (ohne an der Gummilasche zu ziehen). Sitzt der Deckel bombenfest, ist das Glas sicher verschlossen. Bei Schraubgläsern darf sich die Mitte des Deckels auf Druck mit dem Finger nicht mehr nach unten bewegen lassen.

Für die Langzeitlagerung sucht man einen dunklen, kühlen und trockenen Ort, beispielsweise einen sauberen Keller oder eine kühle Vorratskammer. Lichteinfall sollte vermieden werden, da UV-Strahlen auf Dauer die Farbe des Gemüses ausbleichen und den Abbau von Vitaminen beschleunigen können. Eine konstante Temperatur zwischen 10°C und 15°C ist ideal. Richtig verarbeitet und gelagert, bleibt der Kohlrabi problemlos für 12 bis 18 Monate haltbar. Gläser, die kein Vakuum gebildet haben, müssen in den Kühlschrank gestellt und innerhalb weniger Tage verbraucht werden.

Bei der späteren Verwendung zahlt sich die Sorgfalt aus. Man öffnet das Glas (bei Weck durch Ziehen an der Gummilasche, bis es zischt). Man riecht zunächst daran – das Gemüse sollte frisch, leicht kohlig und angenehm duften. Ein säuerlicher, beißender oder gar fauliger Geruch deutet auf Verderb hin; in diesem Fall muss der Inhalt entsorgt werden. Ist alles in Ordnung, kann das Gemüse inklusive des Suds erwärmt werden. Häufig schüttet man den Sud ab, fängt ihn aber auf, um damit eine cremige Béchamelsoße anzurühren. Das Gemüse wird darin nochmals erhitzt und mit frischen Kräutern wie Petersilie verfeinert serviert.

Gut zu wissen

Es ist völlig normal, wenn das Wasser in den Gläsern während der Lagerung leicht trüb wird. Dies liegt an der austretenden Stärke aus den angeschnittenen Gemüsezellen. Solange das Vakuum intakt ist und beim Öffnen kein Überdruck (Zischen nach außen) entweicht, ist das Gemüse einwandfrei.

Häufig gestellte Fragen

Wie merkt man, dass das Vakuum im Glas nicht hält?

Ein fehlerhaftes Vakuum lässt sich bei Gläsern mit Gummiring leicht feststellen, da der Glasdeckel nach dem Entfernen der Klammern einfach abfällt oder locker aufliegt. Bei Schraubgläsern (Twist-Off) wölbt sich die Deckelmitte nach dem Abkühlen nicht nach innen und gibt bei Fingerdruck mit einem klickenden Geräusch nach. Zudem kann beim Umdrehen des fehlerhaften Glases Flüssigkeit austreten. Solche Gläser sind nicht für die Lagerung geeignet und der Inhalt muss im Kühlschrank aufbewahrt und zeitnah verzehrt werden.

Kann man Kohlrabi auch roh in die Gläser füllen?

Das Einfüllen im rohen Zustand ist technisch möglich und wird als „Raw-Pack“-Methode bezeichnet. Allerdings wird in der Praxis das vorherige Blanchieren dringend angeraten, da roher Kohlrabi im Glas stark schrumpft, was zu großen Leerräumen führt, in denen das Gemüse nicht mehr von Flüssigkeit bedeckt ist. Zudem verliert rohes Gemüse im Glas oft seine attraktive helle Farbe und kann leicht gräulich anlaufen. Die Einkochzeit von 90 bis 120 Minuten bei 100°C bleibt auch bei der Raw-Pack-Methode unverändert bestehen.

Warum wird der Kohlrabi im Glas manchmal braun?

Verfärbungen in Richtung Braun oder Grau entstehen meistens durch Oxidation, wenn das Gemüse im Glas nicht vollständig vom Aufguss bedeckt ist und Luftkontakt hat. Ein weiterer Grund kann zu langes Erhitzen bei zu hohen Temperaturen im Ofen sein, was den enthaltenen Fruchtzucker karamellisieren lässt. Auch Spuren von Eisen oder Kupfer im verwendeten Kochwasser (besonders bei alten Leitungssystemen) können chemische Reaktionen auslösen, die die Farbe des Kohlgewächses negativ verändern.

Muss man zwingend Salz für den Aufguss verwenden?

Die Zugabe von Salz ist nicht zwingend für die Sicherheit zur Abtötung von Bakterien erforderlich, da diese Arbeit die lange Hitzeeinwirkung übernimmt. Allerdings sorgt eine Menge von etwa 10 Gramm pro Liter Wasser dafür, dass das Gemüse im Glas nicht ausgelaugt wird und seinen Eigengeschmack behält. Ohne Salz würde das Wasser dem Kohlrabi die Mineralien durch Osmose entziehen, was zu einem faden und wässrigen Geschmack führt. Wer natriumarm essen muss, kann das Salz reduzieren, sollte dann aber beim späteren Aufwärmen entsprechend nachwürzen.

Fazit

Das Haltbarmachen von Kohlrabi in Gläsern ist ein handwerklicher Vorgang, der mit der nötigen Sorgfalt zu einem haltbaren und schmackhaften Vorrat führt. Die wichtigsten Stellschrauben für den Erfolg sind die strikte Einhaltung von Hygieneregeln, das gründliche Entfernen von holzigen Stellen sowie die Einhaltung der korrekten Einkochzeiten. Da es sich um ein säurearmes Gemüse handelt, dürfen bei der Wassertemperatur von 100°C und der Zeitvorgabe von bis zu 120 Minuten keine Kompromisse gemacht werden. Die physikalischen Prozesse des Vakuumaufbaus sorgen anschließend dafür, dass keine neuen Mikroorganismen das Einmachgut verderben können.

In der Küchenpraxis bietet das fertige Produkt eine hervorragende Basis für schnelle Mahlzeiten. Man hat jederzeit eine gegarte Beilage griffbereit, die sich vielseitig aromatisieren lässt. Es wird empfohlen, in kleinen Chargen zu arbeiten und die Gläser stets an einem dunklen, kühlen Ort zu lagern. Wer die beschriebenen Schritte methodisch umsetzt, kann die kurze Saison des knackigen Sommergemüses problemlos bis tief in die Wintermonate hinein verlängern und profitiert von einer lückenlosen Vorratshaltung ohne künstliche Konservierungsstoffe.

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