Mate Tee zubereiten: Die traditionelle Methode richtig anwenden

Mario Wormuth
Erstellt von: Mario Wormuth
32 Minuten Lesezeit

Schnellanleitung

⏱️ Vorbereitung: 5 Min. 🔥 Zubereitung: Kontinuierlich 📊 Schwierigkeit: Mittel
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    Calebasse befüllen: Das Mate-Gefäß (Calebasse) zu etwa zwei Dritteln mit trockenen Yerba-Mate-Blättern füllen. 💡 Tipp: Für Anfänger eignet sich eine Sorte „con palo“ (mit Stängeln), da sie milder ist.
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    Schütteln: Die Öffnung der Calebasse mit der Handfläche abdecken, umdrehen und kräftig schütteln. Dadurch sammelt sich der feine Staub oben. ⏱️ 1 Min.
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    „Montañita“ formen: Die Calebasse schräg halten, sodass die Yerba sich auf einer Seite sammelt und ein kleiner Berg („La Montañita“) entsteht.
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    Anfeuchten: In den freien Raum etwas lauwarmes Wasser (ca. 40°C) gießen, bis die unteren Blätter durchfeuchtet sind. Kurz warten, bis das Wasser eingezogen ist.
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    Bombilla einsetzen: Das Trinkrohr (Bombilla) mit dem Daumen oben zuhalten und vorsichtig in den feuchten Teil der Yerba stecken. Danach nicht mehr bewegen!
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    Aufgießen & genießen: Wasser mit einer Temperatur von 70-80°C langsam in die Mulde neben der Bombilla gießen. Den Aufguss sofort trinken und für weitere Runden wiederholen.
⚠️ Wichtig: Niemals kochendes Wasser verwenden, da es die Blätter verbrennt und den Mate extrem bitter macht!

Mate Tee, das traditionelle Getränk Südamerikas, ist weit mehr als nur ein Aufgussgetränk. Es ist ein soziales Ritual, ein Symbol der Gastfreundschaft und für viele ein täglicher Begleiter. Während der anregende Aufguss aus den Blättern des Ilex paraguariensis weltweit an Popularität gewinnt, stellt die Zubereitung viele Neulinge vor eine Herausforderung. Die traditionelle Methode unterscheidet sich grundlegend von der Zubereitung klassischen Tees und erfordert spezifisches Zubehör sowie eine besondere Technik, um das volle Geschmackspotenzial der Yerba Mate zu entfalten.

Die korrekte Vorbereitung ist kein Selbstzweck, sondern entscheidend für das Ergebnis in der Tasse – oder besser gesagt, in der Calebasse. Faktoren wie die Wahl der Yerba-Sorte, die Wassertemperatur und die richtige Handhabung des Zubehörs spielen eine zentrale Rolle. Ein falsch zubereiteter Mate kann schnell zu bitter schmecken, die Bombilla (das Trinkrohr) kann verstopfen, oder der Geschmack kann nach nur wenigen Aufgüssen verfliegen. Das Verständnis für die einzelnen Schritte und deren Hintergründe ist der Schlüssel zu einem authentischen und genussvollen Mate-Erlebnis.

Dieser Artikel führt detailliert durch alle Aspekte der Mate-Zubereitung. Von der Auswahl des richtigen Equipments über die Vorstellung verschiedener Yerba-Sorten bis hin zur präzisen Anleitung der traditionellen Methode werden alle notwendigen Informationen vermittelt. Darüber hinaus werden häufige Fehler analysiert und Lösungsansätze aufgezeigt, damit der Einstieg in die Welt des Mate Tees gelingt. Auch alternative Zubereitungsarten für den Genuss ohne traditionelles Zubehör finden Berücksichtigung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Traditionelles Zubehör: Eine Calebasse (Mate-Gefäß) und eine Bombilla (Trinkrohr mit Sieb) sind für die klassische Zubereitung unerlässlich.
  • Die richtige Yerba: Sorten mit Stängeln („con palo“) sind milder und für Anfänger oft besser geeignet als kräftige Sorten ohne Stängel („sin palo“).
  • Wassertemperatur ist entscheidend: Das Wasser sollte eine Temperatur zwischen 70°C und 80°C haben. Kochendes Wasser zerstört die Aromen und macht den Tee bitter.
  • Die Technik der „Montañita“: Ein trockener „Berg“ aus Yerba-Blättern sorgt dafür, dass der Geschmack über viele Aufgüsse hinweg erhalten bleibt.
  • Keine Ziehzeit: Mate Tee wird nicht wie anderer Tee ziehen gelassen. Er wird aufgegossen, sofort getrunken und anschließend immer wieder neu aufgegossen.

Das richtige Zubehör für die Mate-Zubereitung

Für ein authentisches Mate-Erlebnis ist das traditionelle Zubehör von zentraler Bedeutung. Es besteht hauptsächlich aus zwei Komponenten: dem Mate-Gefäß, bekannt als Calebasse oder einfach Mate, und dem Trinkrohr mit integriertem Sieb, der Bombilla. Beide Elemente sind nicht nur funktional, sondern auch tief in der Kultur des Mate-Trinkens verwurzelt und beeinflussen maßgeblich den Geschmack und den gesamten Prozess der Zubereitung. Die Auswahl des richtigen Materials und der passenden Form kann das Trinkerlebnis erheblich verbessern und ist oft eine Frage der persönlichen Vorliebe und Erfahrung.

Die Calebasse ist das Herzstück des Rituals. Traditionell wird sie aus einem getrockneten und ausgehöhlten Flaschenkürbis gefertigt. Jede Kürbis-Calebasse ist ein Unikat in Form und Größe. Vor der ersten Benutzung muss eine solche Calebasse „kuriert“ (spanisch: curado) werden. Bei diesem Prozess werden lose Fruchtreste aus dem Inneren entfernt und die Poren des Kürbisses versiegelt, was die Haltbarkeit erhöht und den Geschmack positiv beeinflusst. Neben dem klassischen Kürbis gibt es heute auch Mate-Gefäße aus anderen Materialien wie Holz (z. B. Palo Santo), Keramik, Glas, Edelstahl oder Silikon. Jedes Material hat spezifische Eigenschaften in Bezug auf Pflege, Wärmeisolierung und Geschmacksneutralität.

Die Bombilla ist ein ebenso wichtiges Utensil. Sie fungiert als Trinkhalm und Filter zugleich. Ihre Aufgabe ist es, den flüssigen Aufguss von den festen Teeblättern zu trennen. Das untere Ende der Bombilla ist verdickt und mit kleinen Löchern oder Schlitzen versehen, die als Sieb dienen. Die Qualität und Form des Filters sind entscheidend dafür, ob die Bombilla leicht verstopft oder nicht. Gängige Materialien sind Edelstahl, Alpaka-Silber oder Bambus. Edelstahl ist pflegeleicht, langlebig und geschmacksneutral, was ihn zu einer beliebten Wahl macht. Die Form des Filters variiert ebenfalls; löffelförmige Filter eignen sich gut für feiner geschnittene Yerba-Sorten, während spiralförmige Filter bei gröberen Schnitten gut funktionieren.

Die richtige Pflege des Zubehörs ist für langanhaltenden Genuss unerlässlich. Insbesondere Calabassen aus organischen Materialien wie Kürbis oder Holz benötigen besondere Aufmerksamkeit. Sie müssen nach jedem Gebrauch gründlich geleert, ausgespült und an einem gut belüfteten Ort getrocknet werden, um Schimmelbildung zu verhindern. Eine Calebasse sollte niemals mit Spülmittel gereinigt werden, da die poröse Oberfläche den Geschmack annehmen würde. Die Bombilla hingegen lässt sich in der Regel einfach unter fließendem Wasser reinigen und sollte gelegentlich mit einer speziellen Bürste von innen gesäubert werden, um Ablagerungen zu entfernen.

Gut zu wissen: Das „Curado“ einer Kürbis-Calebasse

Das „Kurieren“ einer neuen Kürbis-Calebasse ist ein wichtiger erster Schritt. Dazu füllt man die Calebasse mit feuchter, bereits aufgebrühter Yerba Mate und lässt sie etwa 24 Stunden stehen. Anschließend werden die aufgeweichten inneren Fasern und Reste mit einem Löffel vorsichtig herausgeschabt. Dieser Vorgang wird ein- bis zweimal wiederholt, bis die Innenwand glatt ist. Dies verhindert einen übermäßig bitteren Kürbisgeschmack und macht das Gefäß widerstandsfähiger.

Material der Calebasse Vorteile Nachteile Pflegeaufwand
Kürbis (traditionell) Authentisches Aroma, traditionelles Gefühl Benötigt „Curado“, kann schimmeln, zerbrechlich Hoch
Holz (z.B. Palo Santo) Gibt ein eigenes, harziges Aroma ab Kann reißen, benötigt Pflege gegen Austrocknung Mittel bis Hoch
Keramik / Glas Geschmacksneutral, sehr pflegeleicht, hygienisch Zerbrechlich, geringe Wärmeisolierung Niedrig
Edelstahl Unzerstörbar, doppelwandig für gute Isolierung Kein traditionelles Gefühl, kann heiß werden Sehr Niedrig

Die Yerba Mate Sorten: Ein Überblick

Die Auswahl der richtigen Yerba Mate ist ebenso entscheidend für das Geschmackserlebnis wie die Zubereitungsmethode selbst. Der Begriff „Yerba“ bezeichnet die getrockneten und zerkleinerten Blätter und Stängel des Mate-Strauchs (Ilex paraguariensis). Je nach Herkunftsland, Schnittart und Verarbeitungsmethode entstehen stark unterschiedliche Geschmacksprofile, die von mild und grasig bis hin zu kräftig, erdig und rauchig reichen. Ein grundlegendes Verständnis der verschiedenen Sorten hilft dabei, eine Yerba zu finden, die den eigenen Vorlieben entspricht und sich für die gewählte Zubereitungsart eignet.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist der Schnitt, insbesondere das Verhältnis von Blättern, Stängeln und Staub. Die gängigsten Bezeichnungen sind „Con Palo“ (mit Stängeln) und „Sin Palo“ (ohne Stängel). Yerba Mate con palo enthält einen sichtbaren Anteil an kleinen Ästchen und Stängeln. Diese Sorten gelten als milder und weicher im Geschmack, da die Stängel weniger intensive Inhaltsstoffe enthalten als die reinen Blätter. Sie sind daher eine ausgezeichnete Wahl für Einsteiger. Im Gegensatz dazu bestehen Sin-Palo-Sorten fast ausschließlich aus zerkleinerten Blättern, was zu einem deutlich kräftigeren, intensiveren und oft bittereren Geschmack führt. Der Staubanteil („Polvo“) ist ebenfalls wichtig; er sorgt für die Cremigkeit und den Körper des Aufgusses, kann aber bei falscher Handhabung die Bombilla verstopfen.

Auch die geografische Herkunft prägt den Charakter der Yerba Mate erheblich. Die Hauptanbaugebiete liegen in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay, und jedes Land hat seine eigene Tradition entwickelt:

  • Argentinische Yerba: Meist „con palo“, ausgewogen und mild im Geschmack. Der Schnitt ist relativ grob mit einem moderaten Staubanteil. Argentinische Sorten sind weit verbreitet und gelten als ideal für den Einstieg.
  • Uruguayische Yerba: Fast immer „sin palo“, sehr fein gemahlen mit einem hohen Staubanteil. Der Geschmack ist kräftig, intensiv und oft bitter. Die Zubereitung erfordert etwas Übung, um ein Verstopfen der Bombilla zu vermeiden.
  • Paraguayische Yerba: Oftmals über Holzfeuer getrocknet, was ihr ein charakteristisches rauchiges Aroma verleiht. Sie wird traditionell sowohl heiß als auch kalt als Tereré getrunken.
  • Brasilianische Yerba (Chimarrão): Diese Sorte ist leuchtend grün, da sie nicht gelagert wird, und hat eine puderfeine Konsistenz. Der Geschmack ist frisch, grasig und mild. Die Zubereitung erfordert eine spezielle, große Bombilla („Bomba“) und eine besondere Technik.

Neben diesen Standardsorten gibt es eine wachsende Vielfalt an Spezialitäten. „Barbacuá“ bezeichnet eine Yerba, die nach alter Guarani-Tradition langsam über Holzfeuer geräuchert wird, was ihr ein intensives, rauchiges Profil verleiht. „Aged“ oder „Estacionada“ bedeutet, dass die Yerba für 12 bis 24 Monate gelagert wurde, was den Geschmack runder, weicher und weniger bitter macht. Zunehmend finden sich auch Bio-zertifizierte („Orgánica“) und mit Kräutern oder Früchten aromatisierte Mischungen auf dem Markt, die für geschmackliche Abwechslung sorgen.

Profi-Tipp für Einsteiger

Wer mit dem Mate-Trinken beginnt, trifft mit einer argentinischen Yerba Mate der Sorte „con palo“ in der Regel die beste Wahl. Marken wie Rosamonte, Cruz de Malta oder Taragüi bieten ausgewogene und zugängliche Geschmacksprofile. Sie sind fehlerverzeihender in der Zubereitung und weniger bitter als die kräftigen Sin-Palo-Sorten aus Uruguay.

Was bedeutet der Staub (Polvo)?

Der feine Staub in der Yerba Mate wird oft fälschlicherweise als minderwertig angesehen. Tatsächlich ist er ein integraler Bestandteil und Träger intensiver Aromen. Er sorgt für die charakteristische Schaumkrone beim ersten Aufguss und verleiht dem Getränk eine cremige Textur. Der Trick besteht darin, ihn durch das Schütteln der Calebasse nach oben zu befördern, damit er die Bombilla nicht verstopft.

Die traditionelle Zubereitung Schritt für Schritt erklärt

Die traditionelle Zubereitung von Mate Tee ist ein bedachtes Ritual, bei dem jeder Schritt eine spezifische Funktion hat. Ziel ist es, die Aromen langsam und gleichmäßig aus den Blättern zu extrahieren, um einen langanhaltenden und ausgewogenen Geschmack über zahlreiche Aufgüsse hinweg zu gewährleisten. Die Methode erfordert etwas Übung, aber wenn man die Logik dahinter verstanden hat, wird sie schnell zur Routine. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Schaffung eines trockenen Blätterhügels, der „Montañita“, der als Geschmacksreservoir dient.

Schritt 1 und 2: Calebasse befüllen und schütteln. Zuerst wird die Calebasse zu etwa zwei Dritteln mit trockener Yerba Mate gefüllt. Mehr würde den Aufguss zu stark machen, weniger würde den Geschmack schnell verfliegen lassen. Anschließend wird die Öffnung des Gefäßes fest mit der Handfläche verschlossen. Man dreht die Calebasse um und schüttelt sie kräftig auf und ab. Dieser entscheidende Schritt hat zwei Funktionen: Erstens lockert er die Blätter auf. Zweitens, und das ist noch wichtiger, transportiert er die feinsten Partikel, den sogenannten Staub („Polvo“), nach oben (also zum Boden der umgedrehten Calebasse). Wenn man die Calebasse wieder richtig herum dreht, befindet sich der Staub an der Oberfläche und kann die Bombilla nicht so leicht verstopfen.

Schritt 3 und 4: Die „Montañita“ formen und anfeuchten. Nach dem Schütteln bringt man die Calebasse langsam in eine schräge Position von etwa 45 Grad und klopft leicht auf die Seite, sodass die Yerba sich auf einer Seite sammelt. Es entsteht eine schiefe Ebene, ein kleiner Berg – die „Montañita“. In die dadurch entstandene freie Mulde gießt man nun eine kleine Menge lauwarmes oder kaltes Wasser (nicht das heiße Wasser für den Aufguss!). Dieses erste Anfeuchten dient dazu, die unteren Blattschichten quellen zu lassen. Sie bilden eine Art festes Fundament, das die Bombilla an ihrem Platz hält und verhindert, dass trockene Blätter in den Filter gesogen werden. Man lässt dem Wasser einen Moment Zeit, um vollständig von der Yerba absorbiert zu werden.

Schritt 5 und 6: Bombilla einsetzen und aufgießen. Nun wird die Bombilla vorbereitet. Man hält die obere Öffnung mit dem Daumen zu, um zu verhindern, dass Blätter eindringen, während man sie platziert. Das Trinkrohr wird vorsichtig in die feuchte Mulde gesteckt, bis es den Boden der Calebasse berührt. Einmal platziert, darf die Bombilla nicht mehr bewegt oder zum Umrühren benutzt werden! Jede Bewegung würde die sorgfältig aufgebaute Struktur zerstören und den Filter verstopfen. Nun erfolgt der erste richtige Aufguss. Man gießt langsam heißes Wasser (70-80°C) in die Mulde neben der Bombilla, bis das Wasser fast den Rand der Yerba erreicht. Der erste Aufguss ist oft sehr kräftig und wird manchmal vom „Cebador“ (dem Zubereiter) selbst getrunken oder weggeschüttet. Danach wird die Calebasse weitergereicht und immer wieder neu aufgegossen, bis der Geschmack nachlässt.

Achtung: Die Bombilla ist kein Löffel!

Der häufigste Fehler von Anfängern ist es, mit der Bombilla im Mate umzurühren. Dies zerstört die Filterwirkung und führt unweigerlich zu einer Verstopfung. Die Bombilla wird einmal positioniert und bleibt dort für die gesamte Dauer des Mate-Trinkens unberührt. Das Wasser wird immer an derselben Stelle nachgegossen, um den trockenen Teil der Montañita so lange wie möglich zu erhalten.

  • Ziel des Schüttelns: Feinen Staub von der Filterzone der Bombilla entfernen.
  • Ziel des Anfeuchtens: Die unteren Blätter quellen lassen, um eine stabile Basis für die Bombilla zu schaffen.
  • Ziel der Montañita: Ein Reservoir an trockenen Blättern erhalten, das nach und nach aktiviert wird und so für viele Aufgüsse sorgt.
  • Ziel des gezielten Aufgießens: Nur einen Teil der Blätter auf einmal zu nutzen und den Geschmack langsam freizusetzen.

Wassertemperatur und Ziehzeit: Die entscheidenden Faktoren

Bei der Zubereitung von Mate Tee sind zwei Parameter von überragender Bedeutung, die oft unterschätzt werden: die Wassertemperatur und das Konzept der Ziehzeit. Werden diese beiden Faktoren falsch gehandhabt, kann selbst die beste Yerba-Sorte ungenießbar werden. Im Gegensatz zu schwarzem Tee, der oft mit kochendem Wasser zubereitet wird, ist dies bei Mate ein absolutes Tabu. Eine zu hohe Temperatur „verbrennt“ die empfindlichen Blätter, was zur Folge hat, dass eine übermäßige Menge an Tanninen und anderen Bitterstoffen schlagartig freigesetzt wird. Das Ergebnis ist ein aggressiv bitterer, adstringierender Geschmack, der die feineren, komplexen Aromen der Yerba vollständig überdeckt.

Die ideale Wassertemperatur für Mate Tee liegt zwischen 70°C und 80°C. In diesem Bereich werden die gewünschten Inhaltsstoffe wie Koffein und Theobromin sowie die aromatischen Verbindungen optimal extrahiert, ohne die Blätter zu schädigen. Um diese Temperatur zu erreichen, gibt es mehrere Methoden. Die präziseste ist die Verwendung eines Wasserkochers mit Temperatureinstellung. Alternativ kann man Wasser aufkochen und es anschließend für etwa 5 bis 8 Minuten abkühlen lassen, bevor man es verwendet. Eine traditionelle Methode besteht darin, das Wasser auf dem Herd zu erhitzen und es vom Feuer zu nehmen, kurz bevor es zu sieden beginnt – erkennbar an den ersten kleinen Bläschen, die vom Topfboden aufsteigen. Das heiße Wasser wird typischerweise in eine Thermoskanne gefüllt, um die Temperatur über die vielen Aufgüsse hinweg konstant zu halten.

Ein weiterer fundamentaler Unterschied zu anderen Teesorten ist das Fehlen einer klassischen Ziehzeit. Mate Tee wird nicht für eine bestimmte Anzahl von Minuten ziehen gelassen. Stattdessen folgt der Prozess einem Zyklus von Aufgießen und sofortigem Trinken. Der „Cebador“ gießt Wasser in die Calebasse, reicht sie an die nächste Person in der Runde weiter, und diese trinkt den Aufguss sofort vollständig aus, bis ein schlürfendes Geräusch anzeigt, dass die Calebasse leer ist. Anschließend wird sie zurückgegeben und sofort für die nächste Person neu aufgegossen. Jeder Aufguss ist also nur so lange in Kontakt mit dem Wasser, wie der Trinkvorgang dauert – meist weniger als eine Minute.

Dieser kontinuierliche Prozess des Wiederaufgießens ist das, was den Mate-Genuss ausmacht. Der Geschmack entwickelt sich mit jedem Aufguss. Die ersten Runden sind oft die stärksten und intensivsten. Mit der Zeit wird der Geschmack weicher und runder, bevor er nach vielen Aufgüssen (oft 10 bis 20, je nach Yerba-Qualität und Technik) allmählich wässrig wird. Diesen Zustand nennt man „lavado“ (ausgewaschen). Die Kunst des Cebadors besteht darin, das Wasser so zu gießen, dass die trockene „Montañita“ langsam unterspült wird, um bei jedem Aufguss frische Blätter zu aktivieren und den Zustand des „lavado“ so lange wie möglich hinauszuzögern.

Tereré: Die kalte Variante

Besonders in Paraguay und heißen Regionen wird Mate oft als Kaltgetränk namens Tereré zubereitet. Die Vorbereitung in der Calebasse ist identisch, jedoch wird anstelle von heißem Wasser eiskaltes Wasser, oft gemischt mit frischen Kräutern (wie Minze oder Zitronenverbene) oder Zitrussaft, verwendet. Tereré ist extrem erfrischend und hat ein deutlich anderes, weniger bitteres Geschmacksprofil als heißer Mate.

Wassertemperatur Auswirkung auf den Geschmack Extraktion der Inhaltsstoffe
Unter 65°C Sehr mild, wässrig, wenig Aroma Unvollständig, anregende Wirkung schwach
70°C – 80°C Ausgewogen, aromatisch, angenehme Bitternote Optimal, volle Entfaltung von Geschmack und Wirkung
Über 85°C Aggressiv bitter, adstringierend, „verbrannt“ Zu schnell, übermäßige Freisetzung von Tanninen

Häufige Fehler bei der Mate-Zubereitung und wie man sie vermeidet

Der Weg zum perfekten Mate ist oft von kleinen Missgeschicken geprägt. Besonders Anfänger sehen sich mit typischen Problemen wie einer verstopften Bombilla oder einem unerträglich bitteren Aufguss konfrontiert. Diese Fehler sind jedoch leicht zu vermeiden, wenn man ihre Ursachen kennt. Ein Verständnis für die feinen mechanischen und chemischen Prozesse während der Zubereitung ist der Schlüssel, um Frustration zu vermeiden und den Genuss zu maximieren. Die meisten Probleme lassen sich auf wenige grundlegende Fehler in der Technik oder bei der Wahl der Materialien zurückführen.

Fehler 1: Die Bombilla verstopft. Dies ist das wohl häufigste und frustrierendste Problem. Die Ursache liegt fast immer in einer falschen Handhabung. Entweder wurde die Yerba vor dem Anfeuchten nicht richtig geschüttelt, sodass der feine Staub am Boden verblieb und direkt in den Filter gesogen wurde. Oder, und das ist noch wahrscheinlicher, die Bombilla wurde nach dem Einsetzen bewegt oder zum Umrühren verwendet. Dadurch bricht die sorgfältig geschaffene Filterstruktur aus gequollenen Blättern zusammen. Lösung: Unbedingt die Yerba kräftig schütteln. Die Bombilla nach dem Einsetzen niemals bewegen. Sollte sie dennoch verstopfen, kann man versuchen, vorsichtig durch das Mundstück zurückzublasen, um den Filter freizupusten. Hilft das nicht, muss die Bombilla entfernt, gereinigt und der Mate neu vorbereitet werden.

Fehler 2: Der Mate schmeckt extrem bitter. Eine gewisse Bitternote gehört zum charakteristischen Geschmack von Mate, aber ein aggressiver, unangenehmer Bittergeschmack ist meist ein Zeichen für eine falsche Zubereitung. Die Hauptursache ist fast immer eine zu hohe Wassertemperatur. Wasser über 80-85°C „verbrennt“ die Blätter und löst schlagartig zu viele Tannine. Eine weitere Ursache kann die Wahl einer sehr kräftigen Yerba-Sorte (z.B. „Sin Palo“ aus Uruguay) sein, die für Einsteiger ungeeignet ist. Lösung: Die Wassertemperatur strikt kontrollieren (ideal sind 75°C). Mit milderen Sorten („Con Palo“ aus Argentinien) beginnen. Man kann auch den allerersten Aufguss, der oft am bittersten ist, einfach wegschütten.

Fehler 3: Der Geschmack ist schnell „ausgewaschen“ (lavado). Wenn der Mate schon nach drei oder vier Aufgüssen wässrig und fade schmeckt, wurde wahrscheinlich die „Montañita“-Technik nicht korrekt angewendet. Oft wird aus Versehen die gesamte Oberfläche der Yerba mit Wasser übergossen. Dadurch werden alle Blätter gleichzeitig aktiviert und geben ihr Aroma auf einmal ab, anstatt es über viele Runden zu verteilen. Lösung: Das Wasser immer gezielt und langsam in die Mulde neben der Bombilla gießen. Man achtet darauf, die Spitze des trockenen Blätterbergs so lange wie möglich trocken zu halten. Erst wenn der Geschmack nachlässt, beginnt man, den Wasserstrahl langsam weiter in Richtung des trockenen Bereichs zu bewegen, um schrittweise neue Blätter zu aktivieren.

Profi-Tipp gegen Bitterkeit

Einige traditionelle Mate-Trinker fügen dem allerersten, lauwarmen Wasser zum Anfeuchten eine winzige Prise Zucker hinzu. Der Zucker hilft, die ersten, sehr starken Bitternoten leicht abzumildern, ohne den Geschmack der späteren Aufgüsse zu verfälschen. Dies ist eine dezentere Methode als das Süßen des heißen Wassers in der Thermoskanne.

Alternative Zubereitungsmethoden ohne Calebasse

Obwohl die traditionelle Zubereitung in der Calebasse das authentischste Erlebnis bietet, ist sie nicht immer praktisch oder für jeden zugänglich. Glücklicherweise gibt es mehrere alternative Methoden, um Mate Tee zu genießen, die mit gängigem Küchenzubehör auskommen. Diese Methoden sind ideal für das Büro, für Reisen oder einfach, um Mate unkompliziert in den Alltag zu integrieren. Auch wenn das Geschmacksprofil sich leicht von der traditionellen Methode unterscheidet – oft ist es weniger komplex und die anregende Wirkung setzt anders ein – sind sie dennoch eine hervorragende Möglichkeit, die Welt der Yerba Mate zu erkunden.

Zubereitung in der French Press (Stempelkanne): Diese Methode ist wohl die beste Alternative zur Calebasse, da sie eine relativ gute Extraktion der Aromen ermöglicht und ideal für die Zubereitung größerer Mengen ist. Man gibt die gewünschte Menge Yerba Mate in die Kanne (eine gute Faustregel ist ein gehäufter Esslöffel pro 250 ml Wasser). Anschließend gießt man das 70-80°C heiße Wasser auf und rührt kurz um. Nun lässt man den Mate für etwa 3 bis 5 Minuten ziehen – nicht länger, da er sonst zu bitter wird. Danach wird der Stempel langsam und gleichmäßig nach unten gedrückt, um die Blätter vom Aufguss zu trennen. Der fertige Mate kann direkt serviert werden.

Zubereitung im Tee-Ei oder Teefilter: Dies ist die einfachste und schnellste Methode, die der Zubereitung von losem Tee am nächsten kommt. Man füllt ein geräumiges Tee-Ei oder einen Papierfilter mit Yerba Mate und hängt es in eine Tasse oder Kanne. Dann wird mit 70-80°C heißem Wasser aufgegossen. Die Ziehzeit beträgt auch hier etwa 3 bis 5 Minuten. Der Nachteil dieser Methode ist, dass die Blätter im engen Filter nicht frei zirkulieren und quellen können, was zu einer weniger intensiven Extraktion führt. Zudem können feine Staubpartikel durch das Sieb gelangen. Für diese Methode eignen sich daher eher grob geschnittene Yerba-Sorten („gruesa“) mit geringem Staubanteil.

Mate Cocido (Gekochter Mate): Diese traditionelle Frühstücksvariante ist in Südamerika sehr verbreitet und ähnelt der Zubereitung von Kaffee in einem Perkolator. Man gibt lose Yerba-Blätter direkt in einen Topf mit kaltem Wasser (ca. ein Esslöffel pro Tasse). Das Wasser wird langsam erhitzt, aber nicht zum Kochen gebracht. Sobald die ersten Bläschen aufsteigen und das Wasser kurz vor dem Siedepunkt ist, nimmt man den Topf vom Herd. Man lässt den Aufguss noch ein bis zwei Minuten ziehen und seiht ihn dann durch ein feines Sieb in eine Tasse ab. Mate Cocido wird oft mit Milch und Zucker oder Honig getrunken.

Methode Komplexität Geschmacksprofil Ideal für
Traditionell (Calebasse) Hoch Sehr komplex, entwickelt sich über viele Aufgüsse Authentischen Genuss, soziale Runden
French Press Mittel Kräftig, vollmundig, ähnlich dem ersten traditionellen Aufguss Größere Mengen, Zubereitung für Gäste
Tee-Ei / Filter Niedrig Mild, weniger komplex, etwas wässriger Schnelle, unkomplizierte Zubereitung einer einzelnen Tasse
Mate Cocido Niedrig Geröstet, mild, oft mit Milch/Zucker getrunken Frühstücksgetränk, Alternative zu Kaffee

Häufige Fragen zur Zubereitung von Mate Tee

Enthält Mate Tee viel anregendes Koffein?

Ja, Yerba Mate enthält Koffein, oft auch als „Matein“ bezeichnet, obwohl es sich chemisch um denselben Stoff handelt. Die Konzentration kann stark variieren, liegt aber im Allgemeinen in einem Bereich, der mit Kaffee vergleichbar ist. Eine Tasse Mate (ca. 200 ml) kann zwischen 70 und 90 mg Koffein enthalten. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Zusammensetzung. Mate enthält zusätzlich die Stoffe Theobromin und Theophyllin, die auch in Kakao und Tee vorkommen. Diese Kombination führt oft zu einer als sanfter, länger anhaltend und weniger nervös machend empfundenen anregenden Wirkung im Vergleich zum Koffein-Kick von Kaffee.

Was ist der Unterschied zwischen grünem Tee und Mate Tee?

Obwohl beide als „Tee“ bezeichnet werden, stammen sie von völlig unterschiedlichen Pflanzen. Grüner Tee wird aus den Blättern der Teepflanze (Camellia sinensis) hergestellt, während Mate Tee aus den Blättern des Mate-Strauchs (Ilex paraguariensis) gewonnen wird, einer Stechpalmenart aus Südamerika. Dies führt zu fundamentalen Unterschieden in Geschmack, chemischer Zusammensetzung und Zubereitung. Mate hat typischerweise einen erdigeren, kräftigeren und oft bittereren Geschmack als die meisten grünen Tees. Auch die traditionelle Zubereitung in der Calebasse mit mehrfachen Aufgüssen ist einzigartig für Mate.

Kann man Mate Tee auch mit Milch zubereiten?

Ja, diese Variante ist als „Mate de Leche“ (Mate mit Milch) bekannt. Die Zubereitung ähnelt dem Mate Cocido. Anstatt Wasser wird Milch langsam in einem Topf erhitzt. Man kann Yerba Mate direkt in die Milch geben oder in einem Filterbeutel mit erhitzen. Oft werden Gewürze wie Zimt oder Nelken und Süßungsmittel wie Zucker oder Honig hinzugefügt. Das Ergebnis ist ein cremiges, nahrhaftes Getränk, das besonders in den kalten Monaten beliebt ist. Es ist jedoch nicht üblich, Milch direkt in eine traditionelle Calebasse zu gießen.

Fazit

Die Zubereitung von Mate Tee ist eine Kunstfertigkeit, die weit über das einfache Aufgießen von Blättern hinausgeht. Sie ist ein Zusammenspiel aus dem richtigen Zubehör, der passenden Yerba-Sorte, der präzisen Wassertemperatur und einer über Generationen verfeinerten Technik. Das Verständnis für die einzelnen Schritte – vom Befüllen und Schütteln der Calebasse über das Formen der „Montañita“ bis hin zum korrekten Einsetzen der Bombilla – ist entscheidend, um die Enttäuschung über einen bitteren oder schnell geschmacklosen Aufguss zu vermeiden. Jeder Handgriff hat eine klare Funktion, die darauf abzielt, ein langanhaltendes, ausgewogenes und genussvolles Geschmackserlebnis über zahlreiche Aufgüsse zu ermöglichen.

Während die traditionelle Methode das authentischste Erlebnis bietet und tief in der südamerikanischen Kultur verwurzelt ist, zeigen alternative Zubereitungsarten in der French Press oder im einfachen Teefilter, dass der Genuss von Mate Tee nicht auf ein komplexes Ritual beschränkt sein muss. Diese Methoden bieten einen unkomplizierten Einstieg und machen das anregende Getränk alltagstauglich. Unabhängig von der gewählten Methode bleibt die Kontrolle der Wassertemperatur der wichtigste Faktor für ein gelungenes Ergebnis. Mit etwas Übung und Experimentierfreude kann jeder die für sich passende Art der Zubereitung finden und die vielfältige Welt des Mate Tees für sich entdecken.

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Mario Wormuth
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