Schnellzubereitung auf einen Blick
| ⏱️ Vorbereitungszeit: | 15-30 Minuten |
| 🔥 Einkochzeit: | 30-120 Minuten (je nach Gut) |
| 🌡️ Temperatur: | 80°C bis 120°C (Druck) |
| 📊 Schwierigkeitsgrad: | Mittel |
Die wichtigsten Schritte:
- Vorbereitung (20 Min.): Gläser sterilisieren, Gummiringe auskochen und Einkochgut sauber einschichten. Rand peinlichst genau säubern.
- Einkochen (variabel): Gläser in den Topf/Automaten stellen. Wasser bis ¾ Höhe auffüllen. Zeit erst starten, wenn die Zieltemperatur erreicht ist.
- Abkühlen (Ruhephase): Gläser langsam abkühlen lassen, um das Vakuum zu erzeugen. Klammern erst nach vollständigem Erkalten entfernen.
Die 3 wichtigsten Erfolgsfaktoren:
- ✅ Säuregehalt bestimmt Temperatur: Obst reicht oft 90°C, Fleisch und Gemüse benötigen 100°C oder Druck (120°C).
- ✅ Startzeitpunkt: Die Einkochzeit beginnt erst, wenn das Wasser die vorgeschriebene Temperatur hat, nicht beim Einschalten.
- ✅ Thermometer-Pflicht: Bei Topf-Methoden ist ein separates Thermometer unerlässlich, da Herdplatten ungenau sind.
Die Frage nach der korrekten Temperatur beim Einkochen ist weit mehr als eine geschmackliche Entscheidung – sie ist der entscheidende Faktor für die Lebensmittelsicherheit und die tatsächliche Haltbarkeit der Konserven. Während Marmeladen oft Fehler verzeihen, kann eine falsche Temperaturwahl bei Bohnen, Fleisch oder Pilzen gesundheitliche Risiken bergen. Es geht hierbei um das Verständnis mikrobiologischer Prozesse und physikalischer Gesetze, die darüber entscheiden, ob ein Glas über Jahre genießbar bleibt oder innerhalb weniger Wochen verdirbt.
Viele Missverständnisse halten sich hartnäckig, etwa die Annahme, dass kochendes Wasser (100°C) grundsätzlich ausreicht, um alle Bakterien abzutöten. In der Praxis zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Der Säuregehalt (pH-Wert) des Einkochgutes diktiert die notwendige Temperatur. Während säurehaltiges Obst bei moderaten Temperaturen pasteurisiert werden kann, benötigen säurearme Lebensmittel wie Fleisch oder Wurzelgemüse oft deutlich höhere Temperaturen oder spezielle Verfahren, um resistente Sporen unschädlich zu machen.
Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Hintergründe und praktischen Anwendungen der Temperatursteuerung beim Einkochen. Von der Auswahl des richtigen Equipments über die spezifischen Anforderungen verschiedener Lebensmittelgruppen bis hin zur Vermeidung typischer Anfängerfehler wird jeder Aspekt detailliert erklärt. Ziel ist es, ein tiefes Verständnis für die Zusammenhänge von Zeit, Temperatur und Druck zu vermitteln, damit Vorräte sicher und qualitätsschonend angelegt werden können.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Säure als Barriere: Lebensmittel mit einem pH-Wert unter 4,6 (meist Obst) können sicher bei 80-100°C im Wasserbad eingekocht werden.
- Botulismus-Gefahr: Säurearme Lebensmittel (Fleisch, Gemüse) benötigen Temperaturen über 100°C (Druckeinkochtopf) oder spezielles Intervall-Einkochen, um Sporen abzutöten.
- Einkochautomat vs. Backofen: Der Einkochautomat bietet die präziseste Temperaturkontrolle, während der Backofen aufgrund schlechter Wärmeübertragung oft unzuverlässig ist.
- Zeitmanagement: Die Einkochzeit beginnt grundsätzlich erst dann zu laufen, wenn die Zieltemperatur im umgebenden Wasserbad vollständig erreicht ist.
Grundsätze der Temperaturwahl: Säure, Zucker und Haltbarkeit
Um zu verstehen, welche Temperatur beim Einkochen notwendig ist, muss man zunächst verstehen, was im Glas passiert. Das Ziel des Einkochens ist zweigeteilt: Zum einen soll durch Hitze die mikrobielle Aktivität (Bakterien, Hefen, Schimmelpilze) gestoppt werden, zum anderen soll durch das anschließende Abkühlen ein Vakuum entstehen, das das Glas luftdicht verschließt und eine Neukontamination verhindert. Die erforderliche Temperatur hängt dabei primär nicht von der Festigkeit des Lebensmittels ab, sondern von dessen chemischer Zusammensetzung, insbesondere dem Säuregehalt.
In der Mikrobiologie unterscheidet man zwischen der Pasteurisation und der Sterilisation. Bei Temperaturen unter 100°C (Pasteurisation) werden vegetative Bakterienformen, Hefen und Schimmelpilze abgetötet. Dies reicht für Lebensmittel aus, die über einen natürlichen Säureschutz verfügen, wie die meisten Obstsorten oder in Essig eingelegtes Gemüse. Die Säure verhindert, dass hitzeresistente Bakteriensporen, die diese Temperaturen überleben könnten, später auskeimen. Daher sind Temperaturen zwischen 80°C und 90°C für diese Lebensmittelgruppe meist völlig ausreichend und schonen zudem Vitamine und Struktur.
Fehlt dieser Säureschutz jedoch, wie es bei Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten und den meisten Gemüsesorten der Fall ist, ändert sich die Anforderung drastisch. Hier können Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum überleben, wenn lediglich bei 100°C eingekocht wird. Diese Sporen sind extrem hitzeresistent und fühlen sich in einer sauerstoffarmen Umgebung (Vakuum im Glas) besonders wohl. Um diese Gefahr sicher auszuschließen, sind Temperaturen von etwa 120°C erforderlich, die unter normalen atmosphärischen Bedingungen in einem offenen Topf nicht erreicht werden können. Hier entscheidet die Temperatur über die Sicherheit des Lebensmittels.
Ein weiterer Aspekt ist die Wärmedurchdringung. Die Temperatur im Wasserbad ist nicht identisch mit der Kerntemperatur im Glasinneren. Wärme benötigt Zeit, um von außen in den Kern des Einkochgutes zu wandern. Je dichter und pastöser die Masse (z.B. Kürbispüree im Vergleich zu Kürbiswürfeln in Wasser), desto länger dauert dieser Prozess. Die Temperaturvorgaben in Einkochtabellen berücksichtigen diese Verzögerung bereits. Werden die Temperaturen unterschritten, erreicht der Kern möglicherweise nie die notwendige Hitze, um Mikroorganismen abzutöten, was zu Gärung und Verderb führt.
Gut zu wissen
Die magische Grenze liegt bei einem pH-Wert von 4,6. Alles, was saurer ist (niedrigerer pH), gilt als „High Acid“ und ist bei 100°C sicher. Alles darüber (pH > 4,6) gilt als „Low Acid“ und birgt ohne Druckeinkochen oder Säurezugabe Risiken.
Kurzdefinition & Wichtigste Fakten: Pasteurisieren vs. Sterilisieren
Einkoch-Temperaturen werden in zwei Hauptkategorien unterteilt: Pasteurisieren (unter 100°C) zur Haltbarmachung saurer Lebensmittel und Sterilisieren (über 100°C) für säurearme Produkte.
Die wichtigsten Unterschiede:
| 🌡️ Pasteurisieren: | 60°C bis 90°C (Tötet Hefen & Schimmel) |
| 🔥 Sterilisieren: | 100°C bis 121°C (Tötet resistente Sporen) |
| 🍎 Anwendungsgebiet: | Obst, Essiggurken, Chutneys |
| 🥩 Anwendungsgebiet: | Bohnen, Fleisch, Suppen (ohne Säure) |
Obst und saures Gemüse einkochen: Temperaturen für sicheren Genuss
Beim Einkochen von Obst bewegt man sich meist im Bereich der Pasteurisation. Da Früchte von Natur aus Säure und oft auch Zucker enthalten, wirken diese Faktoren konservierend mit. Eine Temperatur von 100°C ist hier oft gar nicht notwendig und kann sogar kontraproduktiv sein. Zu hohe Temperaturen lassen weiches Obst wie Beeren oder Zwetschgen schnell zu Mus zerfallen („Vermusen“) und können den Geschmack verändern. Deshalb finden sich in Einkochtabellen für Obst oft Temperaturen zwischen 75°C und 90°C.
Beerenobst wie Himbeeren, Erdbeeren oder Brombeeren sind besonders empfindlich. Hier reicht oft eine Temperatur von 80°C über einen Zeitraum von 25 bis 30 Minuten aus. Diese Temperatur genügt, um die relevanten Verderbniserreger abzutöten und die Enzyme zu deaktivieren, die für den Abbau von Farbe und Geschmack verantwortlich sind. Gleichzeitig bleibt die Struktur der Frucht weitgehend erhalten, sodass man beim Öffnen des Glases keine homogene Masse, sondern erkennbare Früchte vorfindet. Wichtig ist jedoch, dass diese Temperatur im Kern erreicht wird.
Steinobst wie Kirschen, Pfirsiche oder Aprikosen ist etwas robuster, profitiert aber ebenfalls von Temperaturen unter dem Siedepunkt. Oft wird hier 80°C bis 90°C für etwa 30 Minuten empfohlen. Kocht man diese Früchte sprudelnd bei 100°C, platzen sie häufig auf und verlieren an optischer Qualität, auch wenn die Haltbarkeit dadurch nicht beeinträchtigt wird. Bei härteren Obstsorten wie Birnen oder Quitten kann man die Temperatur oder die Zeit etwas erhöhen, um sicherzustellen, dass die Wärme bis in die Mitte der Fruchtstücke dringt.
Auch sauer eingelegtes Gemüse, wie die klassischen Essiggurken oder Mixed Pickles, fällt in diese Kategorie. Hier sorgt der zugesetzte Essig für das saure Milieu (pH-Wert Senkung). Deshalb müssen Essiggurken nicht bei 120°C sterilisiert werden. Eine Temperatur von 85°C bis 90°C reicht völlig aus. Würde man Gurken kochen, würden sie weich und matschig werden statt knackig zu bleiben. Die präzise Einhaltung der Temperatur ist hier also auch ein Qualitätsmerkmal für die Konsistenz.
Typische Einkochtemperaturen für Obst
| Einkochgut | Temperatur | Zeit (ca.) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Beerenobst | 80°C | 25-30 Min. | Empfindlich, nicht kochen |
| Steinobst (Kirschen) | 80°C – 90°C | 30 Min. | Kerntemperatur beachten |
| Kernobst (Apfelmus) | 90°C | 30 Min. | Als Mus dichter, daher 90°C |
| Essiggurken | 85°C | 25-30 Min. | Bleiben knackig durch Temp. < 100°C |
Profi-Tipp
Wenn Sie einen Einkochautomaten nutzen, stellen Sie bei empfindlichem Obst die Temperatur lieber auf 80°C und verlängern die Zeit minimal, als zu heiß zu kochen. Die Früchte schwimmen sonst oft oben und der untere Teil des Glases besteht nur aus Saft.
Nicht-saures Gemüse und Fleisch: Warum 100°C oft nicht reichen
Das Einkochen von säurearmen Lebensmitteln (Low Acid Foods) ist die Königsdisziplin und zugleich der Bereich, in dem die meisten Sicherheitsfehler passieren. Zu dieser Gruppe gehören Fleisch, Fisch, Geflügel, Brühen sowie fast alle Gemüsesorten wie Bohnen, Erbsen, Karotten, Mais, Spargel oder Pilze. Da hier die schützende Säure fehlt, reicht einfaches Abkochen bei 100°C im normalen Wassertopf physikalisch nicht aus, um absolute Sicherheit zu garantieren. Die Sporen von Clostridium botulinum können Temperaturen von 100°C über mehrere Stunden überleben.
Die sicherste Methode für diese Lebensmittel ist die Verwendung eines Druckeinkochtopfes (Pressure Canner). In diesem speziellen Gerät wird unter Druck eine Temperatur von etwa 117°C bis 121°C erreicht. Nur bei diesen Temperaturen werden die gefährlichen Sporen innerhalb einer vertretbaren Zeit zuverlässig zerstört. Viele Hobbyköche verwechseln den Pressure Canner mit einem normalen Schnellkochtopf. Während das Prinzip ähnlich ist, verfügen echte Pressure Canner über ein Manometer zur Drucküberwachung und sind groß genug, um eine gleichmäßige Hitzeverteilung um die Gläser zu gewährleisten.
Wer keinen Druckeinkochtopf besitzt, greift oft auf die Methode des „doppelten Einkochens“ (Tyndallisation) zurück. Dabei wird das Einkochgut (z.B. Bohnen) am ersten Tag für 100-120 Minuten bei 100°C eingekocht. Nach einer Abkühlphase von 24 bis 48 Stunden wird der Vorgang wiederholt. Die Theorie dahinter: Die erste Erhitzung tötet alle lebenden Bakterien. In der Pause keimen verbliebene Sporen zu Bakterien aus, die dann beim zweiten Erhitzen abgetötet werden. Diese Methode ist sicherer als einmaliges Einkochen bei 100°C, bietet aber keine 100%ige Garantie wie das Druckeinkochen und ist sehr energieintensiv.
Besonders bei Fleischgerichten wie Gulasch, Bolognese oder Wurst im Glas ist Vorsicht geboten. Fett isoliert Sporen und kann die Hitzedurchdringung verlangsamen. Deshalb sollten Fleischgerichte niemals „lauwarm“ abgefüllt und nur kurz erhitzt werden. Die Faustregel für Fleisch im normalen Einkochtopf (ohne Druck) lautet oft 120 Minuten bei 100°C, wobei Experten dringend zum Druckeinkochen raten oder das Fleisch durch Pökeln (Pökelsalz) zusätzlich abzusichern. Reine Gemüsebrühen oder Suppen sollten ebenfalls als Risikogut behandelt werden.
Achtung: Botulismus
Das Botulinumtoxin ist eines der stärksten bekannten Gifte. Es ist geschmacklos, geruchlos und unsichtbar. Ein „Blubbern“ oder Gären ist kein zwingendes Anzeichen. Aufgeblähte Deckel sind ein Warnsignal, aber das Fehlen dieses Signals bedeutet nicht automatisch Sicherheit bei säurearmen Lebensmitteln, die nur bei 100°C eingekocht wurden.
Methoden im Vergleich: Topf, Backofen und Einkochautomat
Die Wahl des Geräts hat einen direkten Einfluss auf die Temperaturstabilität und damit auf den Erfolg des Einkochens. Der elektrische Einkochautomat ist für die meisten Anwender die beste Wahl. Er verfügt über ein eingebautes Thermostat und eine Zeitschaltuhr. Man stellt die gewünschte Temperatur (z.B. 90°C) ein, und das Gerät heizt selbstständig auf. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass günstige Geräte oft eine hohe Toleranz haben. Es empfiehlt sich daher, die Wassertemperatur gelegentlich mit einem externen, kalibrierten Thermometer zu überprüfen, um sicherzugehen, dass 90°C auch wirklich 90°C sind.
Das Einkochen im großen Kochtopf auf dem Herd ist die klassische Methode, erfordert aber mehr Aufmerksamkeit. Da normale Töpfe kein Thermostat haben, muss manuell reguliert werden. Ein langes Einmachthermometer, das durch ein Loch im Deckel oder seitlich in das Wasser ragt, ist hier Pflicht. Das Wasser muss die Gläser zu mindestens drei Vierteln, besser komplett bedecken. Die Herausforderung besteht darin, die Temperatur konstant zu halten. Schwankt die Temperatur zu stark nach unten, wird die Sterilisationszeit unterbrochen; schwankt sie zu stark nach oben (wildes Kochen bei Obst), leidet die Qualität.
Vom Einkochen im Backofen raten viele Experten mittlerweile ab oder empfehlen es nur mit großen Einschränkungen. Der Grund liegt in der Physik: Luft (im Backofen) ist ein deutlich schlechterer Wärmeleiter als Wasser. Wenn der Backofen auf 180°C eingestellt ist, dauert es sehr lange, bis der Inhalt der Gläser die nötige Kerntemperatur erreicht hat. Zudem ist die Temperaturverteilung in Backöfen oft ungleichmäßig. Während die Gläser außen schon sehr heiß sind, kann der Kern noch kühl sein. Auch greift die trockene Hitze die Gummiringe an, die dadurch porös werden und das Vakuum gefährden können. Die Fettpfanne mit Wasser zu füllen hilft zwar, ersetzt aber kein Wasserbad.
Ein weiterer Nachteil der Backofenmethode ist die fehlende Präzision bei der Zeitmessung. Wann beginnt die Einkochzeit? Im Wasserbad sieht man Bläschen aufsteigen oder das Thermometer zeigt die Zieltemperatur an. Im Backofen ist der Zeitpunkt, an dem das Gut im Glas „perlt“ (kleine Bläschen steigen im Glas auf), der Startpunkt. Dieser ist visuell oft schwer zu erkennen, besonders bei dunklem Einkochgut oder wenn die Scheibe beschlagen ist. Für Fleisch und kritische Gemüse ist der Backofen daher gänzlich ungeeignet.
Geräte-Check: Vor- und Nachteile
| Methode | Temperaturgenauigkeit | Eignung |
|---|---|---|
| Einkochautomat | ⭐⭐⭐⭐⭐ (Hoch) | Ideal für alle Methoden, „Set & Forget“ |
| Kochtopf | ⭐⭐⭐ (Mittel) | Gut für kleine Mengen, Thermometer nötig |
| Backofen | ⭐ (Niedrig) | Nur bedingt für Obst, ungenau & energieintensiv |
| Pressure Canner | ⭐⭐⭐⭐⭐ (Sehr Hoch) | Notwendig für Fleisch & Gemüse (Sicherheit) |
Temperatur und Zeit: Das Zusammenspiel für die Haltbarkeit
Temperatur und Zeit sind beim Einkochen untrennbar miteinander verbunden. Es gibt eine simple physikalische Regel: Je niedriger die Temperatur, desto länger muss die Einwirkzeit sein, um den gleichen keimreduzierenden Effekt zu erzielen – allerdings funktioniert dies nur bis zu gewissen Grenzen (siehe Botulismus-Gefahr). Die in Rezepten angegebenen Zeiten sind daher Mindestzeiten, die auf der sicheren Durcherhitzung des kältesten Punktes im Glas basieren. Eine Verkürzung der Zeit, „weil das Wasser ja schon so heiß ist“, ist ein häufiger Fehler.
Ein kritischer Faktor ist der Startzeitpunkt der Zeitmessung. Die Einkochzeit beginnt nicht, wenn man den Herd einschaltet oder die Gläser in das Wasser stellt. Sie beginnt erst in dem Moment, in dem das Wasserbad die geforderte Temperatur erreicht hat. Wenn Sie also Kirschen 30 Minuten bei 80°C einkochen wollen, heizen Sie das Wasser auf. Erst wenn das Thermometer 80°C anzeigt, starten Sie den 30-Minuten-Timer. Wird dieser Grundsatz missachtet, war das Einkochgut effektiv viel zu kurz der nötigen Hitze ausgesetzt.
Auch die Höhenlage des Wohnortes spielt eine physikalische Rolle, die oft vergessen wird. Der Siedepunkt von Wasser sinkt mit zunehmender Höhe. Auf Meereshöhe kocht Wasser bei 100°C. Auf 1500 Metern Höhe kocht es jedoch schon bei ca. 95°C. Das bedeutet, dass beim „kochenden Wasserbad“ in den Bergen niedrigere Temperaturen herrschen als im Flachland. Um dies auszugleichen, muss die Einkochzeit verlängert werden, um die gleiche Abtötungsrate von Mikroorganismen zu erreichen. Für das Einkochen im Drucktopf muss entsprechend der Druck erhöht werden.
Nach Ablauf der Einkochzeit ist der Temperaturprozess noch nicht beendet. Das Abkühlen ist ebenso wichtig. Die Gläser sollten langsam im Wasserbad etwas abkühlen oder vorsichtig herausgenommen und auf ein Tuch gestellt werden (kein kalter Steinboden, Bruchgefahr!). Während der Inhalt abkühlt, zieht er sich zusammen. Da der Deckel wie ein Ventil funktioniert (Luft raus, aber nicht rein), entsteht so das konservierende Vakuum. Ein künstliches Beschleunigen durch kaltes Wasser oder Zugluft kann dazu führen, dass Spannungsrisse im Glas entstehen oder das Vakuum sich nicht korrekt bildet.
Höhenregel
Wohnen Sie höher als 300 Meter über dem Meeresspiegel? Dann gilt als Faustregel: Pro 300 Höhenmeter muss die Einkochzeit im Wasserbad (bei 100°C Rezepten) um etwa 2 Minuten verlängert werden, um den niedrigeren Siedepunkt auszugleichen.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich die Temperatur im Backofen einfach höher stellen?
Das Erhöhen der Temperatur im Backofen ist keine sichere Lösung für das Problem der schlechten Wärmeübertragung. Auch bei 200°C Umluft erhitzt sich der Inhalt der Gläser nur langsam, während die Gummiringe durch die trockene Hitze geschädigt werden können. Zudem besteht bei zu hohen Temperaturen die Gefahr, dass der Innendruck in den Gläsern so stark ansteigt, dass sie platzen, da der Druckausgleich im Ofen anders verläuft als im Wasserbad. Bleiben Sie für sichere Ergebnisse beim Wasserbad.
Woran erkenne ich, ob die Temperatur hoch genug war?
Ob die Temperatur während des Prozesses hoch genug war, lässt sich im Nachhinein nur schwer feststellen. Ein Indikator für ein erfolgreiches Einkochen ist das entstandene Vakuum: Der Deckel muss fest sitzen (Weck-Glas: Klammern ab, Deckel hält nur durch Unterdruck; Schraubglas: Deckel wölbt sich nach innen und „knackt“ nicht beim Drücken). Ein festes Vakuum garantiert jedoch nur Dichtheit, nicht zwingend, dass alle Sporen im Inneren abgetötet wurden, wenn beispielsweise bei Fleisch zu niedrig eingekocht wurde. Daher ist die Prozesskontrolle mit Thermometer während des Einkochens wichtiger als die Kontrolle danach.
Muss das Wasser im Topf sprudelnd kochen?
Das hängt vom Einkochgut ab. Bei Fleisch und säurearmem Gemüse, das im normalen Topf (nicht empfohlen) eingekocht wird, muss das Wasser zwingend sprudelnd kochen (100°C), um die maximal mögliche Temperatur zu erreichen. Bei Obst hingegen, das nur pasteurisiert werden soll (z.B. 80°C oder 90°C), darf das Wasser eben nicht kochen. Hier sollte die Temperatur mit einem Thermometer gehalten werden, das Wasser ist dabei heiß und dampft, wirft aber keine großen Blasen.
Gibt es Lebensmittel, die man gar nicht einkochen sollte?
Ja, bestimmte Lebensmittel eignen sich aufgrund ihrer Konsistenz oder Inhaltsstoffe schlecht zum Einkochen. Dazu gehören Produkte mit Mehlbindung (Mehl kann sauer werden und die Wärmedurchdringung behindern), Milchprodukte (werden oft flockig und ranzig) sowie sehr fette Speisen. Auch Pürees aus Kürbis oder dicken Gemüsesorten sind heikel, da die Hitze extrem schlecht in die Mitte des Glases dringt. Hier ist das Einfrieren oft die sicherere und qualitativ bessere Alternative.
Fazit
Die richtige Temperatur beim Einkochen ist kein Zufallsprodukt, sondern basiert auf klaren wissenschaftlichen Prinzipien. Wer versteht, dass der Säuregehalt des Lebensmittels den Unterschied zwischen notwendigen 80°C (Pasteurisieren) und 120°C (Sterilisieren unter Druck) ausmacht, legt den Grundstein für sichere Vorräte. Während Obst und Saures dankbar und fehlertolerant sind, verlangen Fleisch und Gemüse strikte Disziplin und oft spezielles Equipment wie den Druckeinkochtopf, um gesundheitliche Risiken wie Botulismus sicher auszuschließen.
Investieren Sie in ein gutes Thermometer oder einen zuverlässigen Einkochautomaten, denn Schätzungen („wird schon heiß genug sein“) sind hier fehl am Platz. Halten Sie sich strikt an bewährte Einkochzeiten und -temperaturen aus seriösen Quellen und experimentieren Sie nicht mit den Parametern der Haltbarmachung. Richtig durchgeführt, ist das Einkochen eine wunderbare Methode, um saisonale Lebensmittel das ganze Jahr über zu genießen – mit der Gewissheit, dass jedes geöffnete Glas nicht nur lecker, sondern auch absolut sicher ist.




