Rezept: Deftiger Grünkohl mit Kassler und würziger Pinkel

Mario Wormuth
Erstellt von: Mario Wormuth
16 Minuten Lesezeit

Grünkohl mit Kassler und Pinkel ist mehr als nur ein Gericht; es ist ein kulinarisches Statement für die kalte Jahreszeit. Dieses Rezept konzentriert sich auf die klassische Zubereitung, die durch langsames Schmoren eine unerreichte Geschmackstiefe entwickelt. Wir verzichten auf unnötige Komplexität und fokussieren uns auf die Techniken, die für ein authentisches und aromatisches Ergebnis entscheidend sind. In diesem Beitrag lernst Du nicht nur die exakten Schritte, sondern auch die physikalischen und chemischen Prozesse dahinter. Du erfährst, wie Du die Zutaten optimal auswählst, wie Du die perfekte sämige Konsistenz ohne Mehlschwitze erreichst und warum Geduld beim Garen der wichtigste Faktor ist. Das Ziel ist ein Grünkohlgericht, das durch seinen kräftigen, runden Geschmack und seine ideale Textur überzeugt.

Deftiger Grünkohl mit Kassler und würziger Pinkel

Ein herzhafter Klassiker der norddeutschen Küche: Zarter Grünkohl, langsam geschmort mit rauchigem Kassler, würziger Pinkel und einer kräftigen Brühe. Serviert mit Salzkartoffeln, ist dieses Gericht purer Wintergenuss.
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Vorbereitungszeit 25 Minuten
Zubereitungszeit 1 Stunde 30 Minuten
Gesamtzeit 1 Stunde 55 Minuten
Portionen 4 Portionen

Kochutensilien

  • 1 Großer Schmortopf oder Kochtopf
  • 1 Scharfes Kochmesser
  • 1 Sparschäler

Zutaten
  

Für den Grünkohl und das Fleisch

  • 1 kg Grünkohl (TK, bereits gehackt) oder 1.2 kg frischer Grünkohl Bei frischem Grünkohl die dicken Rippen entfernen.
  • 600 g Kassler Nacken am Stück Alternativ 4 dicke Kassler-Koteletts.
  • 4 Stück Pinkel (Grützwurst) Regionale Spezialität, alternativ Kochwurst.
  • 2 mittelgroße Zwiebeln
  • 2 EL Schweineschmalz Alternativ neutrales Pflanzenöl.
  • 500 ml kräftige Gemüse- oder Fleischbrühe
  • 3 EL zarte Haferflocken Dienen zur Bindung.
  • 1 EL mittelscharfer Senf
  • Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer und eine Prise Zucker Zum Abschmecken.

Für die Beilage

  • 800 g festkochende Kartoffeln z.B. Sorte Linda oder Annabelle.

Anleitungen
 

  • Vorbereitung: Die Zwiebeln schälen und in feine Würfel schneiden. Die Kartoffeln schälen, waschen und je nach Größe halbieren oder vierteln. In einem Topf mit kaltem Wasser bedeckt beiseitestellen. Falls frischer Grünkohl verwendet wird: gründlich waschen, die dicken Blattrippen entfernen und die Blätter grob hacken.
  • Grünkohl ansetzen: In einem großen Schmortopf das Schweineschmalz bei mittlerer Hitze schmelzen lassen. Die Zwiebelwürfel darin glasig dünsten. Den Grünkohl (TK oder frisch) dazugeben und kurz mitdünsten, bis er etwas zusammenfällt.
  • Fleisch hinzufügen und schmoren: Mit der Brühe ablöschen. Das Stück Kassler auf den Grünkohl legen. Alles einmal aufkochen lassen, dann die Hitze reduzieren. Mit geschlossenem Deckel bei schwacher Hitze für ca. 60 Minuten sanft schmoren lassen. Gelegentlich umrühren, damit nichts anbrennt.
  • Kartoffeln kochen: Während der Grünkohl schmort, das Wasser für die Kartoffeln salzen und zum Kochen bringen. Die Kartoffeln darin je nach Größe für ca. 20-25 Minuten gar kochen.
  • Pinkel garen: Nach 60 Minuten Schmorzeit die Pinkel-Würste auf den Grünkohl legen. Den Topf wieder verschließen und alles für weitere 20-30 Minuten garen lassen. Die Würste sollten nur erhitzt und nicht gekocht werden, damit sie nicht platzen. Wichtig: Die Würste nicht anstechen!
  • Grünkohl abschmecken: Das Kassler und die Pinkel aus dem Topf nehmen und auf einem Teller warm stellen. Nun die Haferflocken und den Senf unter den Grünkohl rühren, um ihn leicht zu binden und zu würzen. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker kräftig abschmecken.
  • Servieren: Das Kassler in Scheiben schneiden. Den fertigen Grünkohl zusammen mit den Salzkartoffeln, einer Pinkel pro Person und den Kasslerscheiben auf tiefen Tellern anrichten. Etwas Senf dazu reichen.

Notizen

Tipps für ein gelungenes Grünkohlgericht:

  • Der Frost-Mythos: Grünkohl schmeckt tatsächlich milder und süßlicher, nachdem er den ersten Frost abbekommen hat. Die Kälte wandelt einen Teil der enthaltenen Stärke in Zucker um. Bei heutigem Supermarkt-Grünkohl ist dies aber meist schon berücksichtigt.
  • Zusätzliche Würze: Wer es noch deftiger mag, kann zusammen mit dem Kassler auch ein Stück geräucherten Bauchspeck mitkochen. Dieser wird am Ende ebenfalls herausgenommen und gewürfelt serviert.
  • Bindung: Statt Haferflocken kann man auch eine der gekochten Kartoffeln zerdrücken und unter den Grünkohl mischen. Das sorgt für eine natürliche, sämige Bindung.
  • Am nächsten Tag noch besser: Wie viele Schmorgerichte schmeckt auch Grünkohl aufgewärmt am nächsten Tag oft noch aromatischer, da alle Aromen gut durchziehen konnten.
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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schwierigkeit: Mittel
  • Ideal für: Kalte Tage und traditionelle deutsche Hausmannskost
  • Besonderheit: Extra sämige Bindung durch Haferflocken statt Mehl
  • Schlüssel-Tipp: Das langsame, gemeinsame Schmoren von Kassler und Grünkohl für maximalen Geschmacksaustausch.

Warum dieses Rezept für Grünkohl mit Kassler überzeugt: Die Schmor-Methode

Der Schlüssel zu einem außergewöhnlich guten Grünkohl liegt im langsamen Schmoren bei niedriger Temperatur. Diese Methode ist entscheidend, um die robusten Zellstrukturen des Kohls aufzubrechen und die Aromen von Fleisch, Zwiebeln und Gewürzen tief in das Gemüse zu infundieren. Während des einstündigen Garprozesses gibt das Kassler sein salziges, rauchiges Aroma direkt an den Grünkohl ab. Gleichzeitig nimmt das Fleisch die Aromen der Brühe und des Kohls auf, was zu einem besonders saftigen und zarten Ergebnis führt. Das finale Garen der Pinkel im selben Topf sorgt dafür, dass die würzigen Fette der Wurst den Grünkohl zusätzlich verfeinern und ihm seinen charakteristischen, deftigen Geschmack verleihen. Ein schnelles Kochen bei hoher Hitze würde diesen langsamen Aromenaustausch verhindern und zu einem zäheren Fleisch sowie einem weniger intensiven Grünkohl führen.

Die Wahl der Zutaten: Qualität als Fundament für perfekten Grünkohl

Die Qualität der Einzelkomponenten bestimmt maßgeblich das Endergebnis. Bei einem so puristischen Gericht wie Grünkohl gibt es keine Möglichkeit, minderwertige Zutaten zu kaschieren. Daher ist eine sorgfältige Auswahl unerlässlich.

Grünkohl – Frisch oder Tiefgekühlt?

Die Entscheidung zwischen frischem und tiefgekühltem Grünkohl beeinflusst sowohl den Arbeitsaufwand als auch die finale Textur des Gerichts. Beide Varianten haben spezifische Vor- und Nachteile.

Vorteile von frischem Grünkohl

  • Intensiverer Eigengeschmack: Frischer Grünkohl besitzt oft ein stärkeres, pfeffrigeres Aroma.
  • Bissfestere Textur: Du hast volle Kontrolle über den Gargrad und kannst eine rustikalere Konsistenz erzielen.

Nachteile von frischem Grünkohl

  • Hoher Arbeitsaufwand: Das gründliche Waschen und Entfernen der dicken Blattrippen ist zeitintensiv.
  • Saisonale Verfügbarkeit: Klassischerweise nur in den Herbst- und Wintermonaten erhältlich.

Tiefgekühlter Grünkohl ist eine hervorragende und zeitsparende Alternative. Er ist bereits gewaschen, entrippt und gehackt. Industriell wird er oft kurz blanchiert, was mögliche Bitterstoffe reduziert und die Garzeit verkürzt. Für dieses Rezept ist TK-Grünkohl eine absolut valide Wahl, die zu einem konsistent guten Ergebnis führt.

Kassler und Pinkel – Das Herzstück des Gerichts

Die Auswahl des Fleisches ist entscheidend für die Würze und Saftigkeit. Kassler Nacken am Stück ist die beste Wahl. Im Gegensatz zu Koteletts ist der Nacken stärker mit Fett durchwachsen, was ihn beim langen Schmoren vor dem Austrocknen schützt. Das Fett schmilzt langsam aus und trägt maßgeblich zum Geschmack des Grünkohls bei. Wenn Du Koteletts verwendest, achte darauf, dass sie ausreichend dick geschnitten sind.

Die Pinkel, eine geräucherte Grützwurst, ist eine norddeutsche Spezialität und unverzichtbar für den authentischen Geschmack. Ihre Hauptbestandteile sind Speck, Grütze (Hafer oder Gerste) und Zwiebeln. Sie ist sehr fett- und geschmacksintensiv. Als Alternative eignet sich eine grobe, geräucherte Kochwurst oder Mettenden. Die Funktion bleibt dieselbe: Sie gibt während des Garens Fett und eine kräftige Würze an den Grünkohl ab.

Zubereitungstechnik: Die entscheidenden Schritte für deftigen Grünkohl

Der Erfolg dieses Gerichts hängt von der präzisen Ausführung weniger, aber kritischer Schritte ab. Hier erklären wir die Technik hinter den Anweisungen.

Die perfekte Bindung: Haferflocken statt Mehlschwitze

Die Verwendung von zarten Haferflocken zur Bindung ist eine traditionelle und effektive Methode. Während eine Mehlschwitze schnell zu einer pastenartigen Konsistenz führen kann, sorgen Haferflocken für eine natürliche und cremige Sämigkeit. Die in den Haferflocken enthaltene Stärke quillt in der heißen Flüssigkeit langsam auf und bindet den Grünkohl, ohne einen mehligen Beigeschmack zu hinterlassen. Zudem verleihen sie dem Gericht eine subtile, nussige Note.

Profi-Tipp

Rühre die Haferflocken erst ganz am Ende unter den Grünkohl, nachdem Du das Fleisch herausgenommen hast. So können sie ihre Bindekraft optimal entfalten, ohne dass sie am Fleisch anhaften oder am Topfboden anbrennen.

Das Abschmecken: Die Balance aus Süße, Säure und Salz

Ein perfekter Grünkohl ist kräftig und ausgewogen gewürzt. Das Kassler bringt bereits eine signifikante Salzigkeit mit. Schmecke daher erst am Ende mit Salz ab. Der mittelscharfe Senf liefert nicht nur Würze, sondern auch eine leichte Säure, die die Deftigkeit des Gerichts ausbalanciert. Die Prise Zucker ist kein optionaler Schritt. Sie dient nicht dazu, den Grünkohl süß zu machen, sondern wirkt als Geschmacksverstärker und mildert eventuell verbliebene Bitterstoffe des Kohls ab. Dieser kleine Eingriff hebt die anderen Aromen hervor und sorgt für ein rundes Geschmacksprofil.

Pinkel richtig garen – So platzt die Wurst nicht

Das Platzen der Pinkel ist ein häufiges Problem, das sich leicht vermeiden lässt. Der Grund für das Platzen ist ein zu schneller Temperaturanstieg, der das Fett und die Grütze im Inneren expandieren lässt, bevor der Darm nachgeben kann.

Wichtiger Hinweis

Lege die Pinkel-Würste nur auf den heißen, aber nicht mehr kochenden Grünkohl. Die Resthitze im Topf reicht vollkommen aus, um sie in 20-30 Minuten durchzuerhitzen. Steche die Würste unter keinen Umständen an! Anders als bei Bratwürsten würde hier nicht nur Wasser, sondern wertvolles, geschmackgebendes Fett und die Füllung austreten. Das Ergebnis wäre eine trockene Wurst und ein übermäßig fettiger Grünkohl.

Variationen und Vorratshaltung: Grünkohl optimal nutzen

Dieses klassische Rezept dient als perfekte Basis, die Du nach Belieben anpassen oder für später vorbereiten kannst.

Mögliche Variationen des klassischen Rezepts

  • Mit Speck: Für zusätzliche Raucharomen kannst Du zu Beginn gewürfelten durchwachsenen Speck zusammen mit den Zwiebeln auslassen.
  • Andere Wurstsorten: Anstelle von Pinkel kannst Du auch Bregenwurst, Kohlwurst oder Mettenden verwenden. Jede Sorte bringt ein eigenes Geschmacksprofil mit.
  • Leicht süßlich: In manchen Regionen wird Grünkohl mit karamellisiertem Zucker zubereitet. Dafür kannst Du zu Beginn einen Esslöffel Zucker im Schmalz schmelzen lassen, bevor Du die Zwiebeln hinzufügst.
  • Vegetarische Variante: Für eine fleischlose Version verwende eine kräftige Gemüsebrühe und Pflanzenöl. Geräucherter Tofu, kräftig angebratene Pilze oder vegetarische Rauchwürste können als Einlage dienen, um den deftigen Charakter zu imitieren.

Aufbewahren, Aufwärmen & Einfrieren

Grünkohl ist ein ideales Gericht zur Vorratshaltung, da sein Geschmack sich beim erneuten Aufwärmen oft noch intensiviert.

  • Aufbewahren: Im Kühlschrank hält sich der fertig gekochte Grünkohl (ohne Kartoffeln) in einem luftdichten Behälter bis zu 3 Tage. Viele Kenner sind der Meinung, dass er am zweiten Tag am besten schmeckt.
  • Aufwärmen: Erwärme den Grünkohl langsam bei niedriger bis mittlerer Hitze in einem Topf. Gib bei Bedarf einen kleinen Schuss Wasser oder Brühe hinzu, damit nichts anbrennt. Das Aufwärmen in der Mikrowelle wird nicht empfohlen, da die Textur leiden kann.
  • Einfrieren: Grünkohl lässt sich hervorragend einfrieren. Lasse das Gericht vollständig abkühlen und friere es portionsweise ohne die Kartoffeln ein. Im Gefrierschrank ist er so bis zu 3 Monate haltbar. Zum Auftauen über Nacht in den Kühlschrank stellen und dann wie oben beschrieben langsam erwärmen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum wird mein Grünkohl manchmal bitter?

Bitterkeit im Grünkohl kann mehrere Ursachen haben. Frischer Grünkohl, der noch keinen Frost abbekommen hat, enthält mehr Bitterstoffe. Durch den Frost wandelt die Pflanze Stärke in Zucker um, was ihn milder macht. Langsames und langes Schmoren hilft ebenfalls, Bitterstoffe abzubauen. Die Prise Zucker am Ende des Kochvorgangs ist entscheidend, um verbliebene bittere Noten geschmacklich auszubalancieren.

Kann ich den Grünkohl auch ohne Schweineschmalz zubereiten?

Ja, das ist problemlos möglich. Schweineschmalz sorgt für einen traditionellen, runden Geschmack, kann aber durch neutrales Pflanzenöl wie Rapsöl ersetzt werden. Wenn Du Speck verwendest, kannst Du diesen zuerst auslassen und das austretende Fett zum Anbraten der Zwiebeln nutzen, was ebenfalls ein sehr gutes Aroma ergibt.

Meine Pinkel ist geplatzt, was habe ich falsch gemacht?

Die häufigste Ursache ist eine zu hohe Temperatur. Die Wurst darf nur in der heißen Flüssigkeit ziehen, aber nicht kochen. Wenn das Wasser im Grünkohl siedet, ist der Druck im Inneren der Wurst zu hoch. Achte darauf, die Hitze stark zu reduzieren, bevor Du die Pinkel in den Topf legst. Ein weiterer Fehler ist das Anstechen der Wursthaut, was vermieden werden muss.

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