Rezept: Würzige Kräuterprinten mit knackigem Krümelkandis

Mario Wormuth
Erstellt von: Mario Wormuth
13 Minuten Lesezeit

Klassische Kräuterprinten zeichnen sich durch ein tiefes, erdiges Aroma aus, das durch die Kombination von Zuckerrübensirup, einer spezifischen Gewürzmischung und der Karamellnote des braunen Zuckers entsteht. Anders als bei weichen Lebkuchen sorgt hier der Krümelkandis für den charakteristischen Biss. Die Herstellung erfordert Geduld, da der Teig eine lange Ruhephase benötigt, um seine Struktur zu entwickeln und die Aromen der Gewürze vollständig aufzuschließen. In diesem Beitrag erfährst du, wie du mithilfe von Pottasche als Triebmittel und exaktem Temperaturmanagement ein Ergebnis erzielst, das in Textur und Geschmack traditionellen Handwerksbäckereien in nichts nachsteht.

Würzige Kräuterprinten mit knackigem Krümelkandis

Diese traditionell angehauchten Printen überzeugen durch eine tiefe, aromatische Süße aus Rübensirup und einer kräftigen Gewürzmischung. Der typische Biss entsteht durch groben Krümelkandis, der beim Backen für eine interessante Textur sorgt. Ob pur oder mit Zartbitterschokolade überzogen – ein Klassiker für die dunkle Jahreszeit.
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Vorbereitungszeit 30 Minuten
Zubereitungszeit 15 Minuten
Gesamtzeit 1 day 45 Minuten
Portionen 30 Stück

Kochutensilien

  • 1 Kleiner Kochtopf
  • 1 Handrührgerät mit Knethaken oder Küchenmaschine
  • 1 Backblech* mit Backpapier ausgelegt
  • 1 Pinsel für den Schokoladenguss

Zutaten
  

Teigbasis

  • 250 g Zuckerrübensirup Grafschafter Goldsaft o.ä.
  • 80 g Wasser
  • 100 g Brauner Zucker oder Farinzucker

Trockenzutaten & Gewürze

  • 500 g Weizenmehl Type 405 oder 550
  • 3 EL Printengewürz Alternativ: Lebkuchengewürz mit extra Anis
  • 10 g Pottasche Triebmittel
  • 100 g Krümelkandis Grob zerstoßen

Glasur (Optional)

  • 200 g Zartbitterkuvertüre

Anleitungen
 

  • Sirup vorbereiten: Den Zuckerrübensirup zusammen mit dem Wasser und dem braunen Zucker in einen kleinen Topf geben. Unter Rühren vorsichtig erhitzen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Die Mischung darf nicht kochen. Anschließend vom Herd nehmen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.
  • Triebmittel ansetzen: Die Pottasche in einer kleinen Tasse mit 2 Esslöffeln warmem Wasser auflösen. Es sollten keine Klümpchen mehr vorhanden sein.
  • Teig kneten: Das Mehl mit dem Printengewürz in einer großen Rührschüssel vermengen. Die abgekühlte Sirupmasse und die aufgelöste Pottasche hinzugeben. Mit den Knethaken des Handrührgeräts zu einem zähen, festen Teig verarbeiten.
  • Kandis einarbeiten: Den Krümelkandis zum Schluss kurz aber gründlich unterkneten. Der Kandis sollte sich nicht auflösen, sondern als Stückchen im Teig verbleiben.
  • Ruhezeit: Den Teig fest in Frischhaltefolie wickeln und für mindestens 24 Stunden (besser 2 bis 3 Tage) an einem kühlen Ort ruhen lassen. Dies ist essenziell für die Entfaltung der Aromen.
  • Formen: Nach der Ruhezeit den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche etwa 0,5 cm bis 1 cm dick ausrollen. In Rechtecke schneiden (ca. 3 x 8 cm).
  • Backen: Die Printen auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen (etwas Abstand lassen, sie gehen leicht auf). Auf mittlerer Schiene für ca. 12 bis 15 Minuten backen. Sie sollten noch leicht weich sein, wenn sie aus dem Ofen kommen, da sie beim Abkühlen aushärten.
  • Glasieren (Optional): Die Kuvertüre im Wasserbad schmelzen und die abgekühlten Printen damit bestreichen oder zur Hälfte eintauchen.

Notizen

Lagerung und Konsistenz

  • Printen sind nach dem Backen und Abkühlen oft sehr hart. Das ist traditionell so gewollt.
  • Tipp für weiche Printen: Lagern Sie das Gebäck in einer gut verschließbaren Blechdose zusammen mit einem Stück Apfel (auf einem Stück Alufolie, damit er nicht direkt die Printen berührt). Wechseln Sie den Apfel alle 2 Tage aus. Nach wenigen Tagen werden die Printen durch die Feuchtigkeit mürbe und aromatisch.
  • Die Gesamtzeit beinhaltet die Ruhezeit des Teiges von 24 Stunden.
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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schwierigkeit: Mittel (Erfordert Planung und präzises Arbeiten mit Triebmitteln)
  • Ideal für: Die Adventszeit und Liebhaber von würzigem Dauergebäck
  • Besonderheit: Charakteristischer „Crunch“ durch unaufgelösten Krümelkandis
  • Schlüssel-Tipp: Die Ruhezeit von mindestens 24 Stunden ist chemisch notwendig für die Teigreifung.

Die Textur-Wissenschaft: Warum Krümelkandis und Sirup entscheidend sind

Bei der Herstellung von Kräuterprinten geht es primär um das Gleichgewicht zwischen Feuchtigkeit und Festigkeit. Der hohe Anteil an Zuckerrübensirup wirkt stark hygroskopisch (wasseranziehend). Das bedeutet, das Gebäck bleibt über Wochen hinweg saftig, da der Zucker Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft bindet.

Der entscheidende Kontrast entsteht durch den Krümelkandis. Kandis ist hochkonzentrierter, auskristallisierter Zucker. Da der Teig nur wenig freies Wasser enthält (nur 80 g auf 500 g Mehl), löst sich der Kandis während des Backens nicht auf. Er verbleibt als knackige Komponente im weichen Teigmatrix. Würde man normalen Kristallzucker verwenden, würde dieser vollständig schmelzen und die spezifische Textur der Printe zerstören.

Die Zutaten im Fokus: Chemische Funktionen und Qualität

Für authentische Printen ist die Wahl der Zutaten keine Geschmacksfrage, sondern eine technische Notwendigkeit. Zwei Komponenten spielen hierbei die Hauptrolle: Das Triebmittel und der Süßstoff.

Pottasche: Das unverzichtbare Triebmittel für schwere Teige

Kräuterprinten werden traditionell mit Pottasche (Kaliumcarbonat) und nicht mit Backpulver gebacken. Pottasche ist ein Triebmittel, das speziell für schwere, zuckerhaltige Teige geeignet ist. Es reagiert langsamer als Backpulver und treibt den Teig eher in die Breite als in die Höhe. Dies sorgt für die typische, flache Form der Printen. Zudem verleiht Pottasche dem Gebäck einen leicht laugigen, typischen Geschmack, der bei der Verwendung von Natron oder Backpulver fehlen würde.

Wichtiger Hinweis zur Pottasche

Pottasche muss immer vollständig in Wasser aufgelöst werden, bevor sie zum Teig gegeben wird. Ungelöste Kristalle im Teig führen nach dem Backen zu extrem bitteren, ungenießbaren Stellen.

Gewürze und Sirup: Die Basis des Aromas

Der Zuckerrübensirup liefert nicht nur Süße, sondern auch Malznoten und eine dunkle Farbe. Er sorgt für die notwendige Säure im Teig, die (neben der Temperatur) die Reaktion der Pottasche unterstützt. Das Printengewürz unterscheidet sich vom Lebkuchengewürz oft durch einen höheren Anteil an Koriander, Piment und Anis, was für eine herbere, weniger „blumige“ Note sorgt.

Brauner Zucker / Farinzucker

  • Enthält Melasse-Rückstände
  • Kräftigeres, karamelliges Aroma
  • Erhöht den Feuchtigkeitsgehalt im Gebäck

Weißer Raffinadezucker

  • Neutraler Geschmack
  • Führt zu einer trockeneren Krume
  • Fehlende Farbtiefe im Endprodukt

Die Zubereitung gemeistert: Techniken für den perfekten Teig

Die Herstellung von Kräuterprinten unterscheidet sich grundlegend von Mürbeteigplätzchen. Hier sind die entscheidenden technischen Schritte, um Fehler zu vermeiden.

1. Die Temperatursteuerung des Sirups

Beim Erhitzen von Zuckerrübensirup, Wasser und braunem Zucker ist Vorsicht geboten. Die Mischung darf nicht kochen. Kochen würde zu viel Wasser verdampfen lassen, was das Verhältnis der Zutaten verändert und den Teig später zu trocken und bröselig macht. Zudem muss die Masse auf Zimmertemperatur abkühlen, bevor das Mehl und die Pottasche hinzugefügt werden. Ist die Masse zu heiß, verkleistert das Mehl sofort beim Kontakt (Brandteig-Effekt) und die Pottasche reagiert vorzeitig, wodurch die Triebkraft im Ofen verloren geht.

2. Kneten und Einarbeiten des Kandis

Der Teig ist extrem zäh. Die Verwendung von Knethaken ist obligatorisch. Sobald eine homogene Masse entstanden ist, wird der Krümelkandis kurz untergeknetet. Hier gilt: Nicht zu lange kneten! Durch zu langes Kneten und die Reibungswärme könnten die Kanten des Kandis anschmelzen, was wir vermeiden wollen.

3. Die Reifung des Teigs (Ruhezeit)

Dies ist der kritischste Schritt. Der Teig muss für mindestens 24 Stunden, besser 2 bis 3 Tage kühl gelagert werden.

Profi-Tipp: Warum der Teig ruhen muss

Während der Ruhezeit quellen die stärkehaltigen Bestandteile des Mehls im Sirup vollständig auf. Die Gewürze geben ihre ätherischen Öle an die Fett- und Zuckermoleküle ab (Mazeration). Ohne diese Ruhezeit schmecken die Printen flach und haben eine ungleichmäßige, zähe Konsistenz.

4. Backen und Aushärten

Printen werden bei 180 °C Ober-/Unterhitze gebacken. Die Backzeit von 12 bis 15 Minuten darf nicht überschritten werden. Wenn die Printen aus dem Ofen kommen, fühlen sie sich noch sehr weich an. Das ist physikalisch korrekt: Der hohe Zuckeranteil ist im heißen Zustand flüssig bis weich. Erst beim Abkühlen rekristallisiert der Zucker teilweise und die Struktur festigt sich. Wer wartet, bis die Printen im Ofen hart sind, erhält nach dem Abkühlen ein steinhartes Gebäck.

Variationen, Lagerung und Haltbarkeit

Kräuterprinten sind ein ideales Dauergebäck (Lagergebäck). Ihre Qualität verbessert sich oft noch nach einigen Wochen der Lagerung.

Optimale Lagerung

Lagere die Printen in einer gut schließenden Blechdose. Da sie hygroskopisch sind, ziehen sie in feuchten Räumen Wasser und werden klebrig-weich. In sehr trockenen Räumen können sie extrem hart werden.

Der Apfel-Trick

Sollten die Printen zu hart geworden sein, lege für 1-2 Tage ein Stück Apfel mit in die Dose. Der Zucker im Gebäck zieht die Feuchtigkeit aus dem Apfel und macht die Printen wieder mürbe. Tausche den Apfel regelmäßig aus, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Variationen und Glasur

Das Eintauchen in Zartbitterkuvertüre (mindestens 60% Kakaoanteil) ist nicht nur geschmacklich sinnvoll. Die Schokoladenschicht versiegelt die Oberfläche teilweise und schützt das Gebäck vor zu schnellem Austrocknen. Achte darauf, die Kuvertüre korrekt zu temperieren, damit sie einen knackigen Bruch und keinen Grauschleier (Fettreif) bekommt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Kräuterprinten

Warum sind meine Printen nach dem Backen steinhart?

Wenn Printen nach dem Abkühlen extrem hart sind, liegt das meist an einer zu langen Backzeit. Da der Teig im Ofen weich bleibt, neigt man dazu, ihn länger drin zu lassen. Halte dich strikt an die 12-15 Minuten. Ein weiterer Grund kann zu wenig Flüssigkeit im Teig sein, etwa wenn die Sirup-Mischung gekocht hat.

Kann ich Pottasche durch Backpulver ersetzen?

Das wird nicht empfohlen. Backpulver (Natriumhydrogencarbonat + Säuerungsmittel) hat eine andere Triebkraft und Geschmacksneutralität. Printen mit Backpulver gehen stärker in die Höhe statt in die Breite und vermissen die typische Porenstruktur und den leicht würzigen Beigeschmack der Pottasche.

Was mache ich, wenn sich der Kandis beim Backen aufgelöst hat?

Wenn der Kandis sich aufgelöst hat und Löcher im Teig hinterlässt, war der Teig bzw. die Flüssigkeit beim Einarbeiten zu warm, oder es wurde zu lange geknetet. Auch eine zu niedrige Backtemperatur kann dazu führen, dass der Kandis schmilzt und ausläuft, bevor der Teig stabilisiert ist.

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Mario Wormuth
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Wir sind leidenschaftliche Pasta-Liebhaber und teilen hier unsere besten Rezepte, Kochtechniken und Tipps rund um die italienische Küche. Mit einer Liebe zu frischen Zutaten und traditionellen Zubereitungen bringen wir euch die Vielfalt der Pastagerichte direkt auf den Teller. Unser Ziel ist es, euch zu inspirieren, die italienische Küche zu Hause auf einfache Weise nachzukochen und zu genießen. Neben unserer Leidenschaft für Pasta betreiben wir auch weitere Blogs: Auf unserem Hunde-Blog teilen wir Tipps zur Pflege, Ernährung und dem Zusammenleben mit Hunden. Unser Liebe & Esoterik Blog bietet Einblicke in Beziehungen, Astrologie und spirituelle Themen. Für alle Pferdefreunde gibt es unseren Pferde-Blog, wo wir Wissen und Erfahrungsberichte rund um Reiten, Pferdehaltung und Training veröffentlichen. Egal, ob du auf der Suche nach neuen Rezepten bist oder dich für andere Themen interessierst – bei uns findest du spannende Artikel und wertvolle Tipps. Buon Appetito!