Kurzdefinition & Wichtigste Fakten
Auf 100 ml einkochen (auch Reduzieren genannt) ist der kulinarische Prozess, bei dem eine Flüssigkeit wie Fond, Wein oder Sahne durch offenes Kochen so lange Wasser verdampft, bis nur noch die gewünschte Menge von 100 Millilitern im Topf verbleibt. Dies dient der Intensivierung des Geschmacks und der natürlichen Bindung der Sauce.
Die wichtigsten Eigenschaften:
| 🌱 Kategorie: | Grundlegende Kochtechnik (Saucenherstellung) |
| 🌍 Herkunft: | Klassische Französische Küche (Réduction) |
| 📅 Ziel: | Geschmackskonzentration & Konsistenzgebung |
| 💡 Besonderheit: | Salzgehalt steigt mit der Reduktion drastisch an |
| 🍴 Verwendung: | Saucen, Glacen, Fonds, Essenzen |
In vielen Rezepten, insbesondere bei der Zubereitung hochwertiger Saucen oder Jus, stößt man auf die Anweisung: „Die Flüssigkeit auf 100 ml einkochen“. Für Hobbyköche wirkt diese präzise Mengenangabe oft einschüchternd oder verwirrend. Dahinter verbirgt sich jedoch eine der wichtigsten Techniken der klassischen Küche: das Reduzieren. Es handelt sich dabei um weit mehr als nur das Verdampfen von Wasser. Es ist ein Prozess der Transformation, bei dem aus einer dünnflüssigen, oft noch milden Basis ein hocharomatisches Konzentrat entsteht, das Gerichten Tiefe und Charakter verleiht.
Der Vorgang des Einkochens basiert auf physikalischen und chemischen Prinzipien. Durch die Zufuhr von Hitze wechselt das in der Flüssigkeit enthaltene Wasser seinen Aggregatzustand und entweicht als Dampf. Die geschmacksgebenden Komponenten – wie Proteine, Zuckerstoffe, Aromamoleküle und Fette – sowie gelöste Mineralien verdampfen jedoch nicht. Sie bleiben im Topf zurück. Je mehr Wasser entweicht, desto dichter liegen diese Moleküle beieinander. Das Ergebnis ist eine signifikante Steigerung der Geschmacksintensität und oft auch eine Veränderung der Textur, die von wässrig zu sirupartig wechseln kann.
Die Anweisung, exakt auf eine bestimmte Menge wie 100 ml zu reduzieren, dient in Rezepten als Orientierungspunkt für das gewünschte Verhältnis von Flüssigkeit zu Geschmacksträgern. Wird dieser Punkt nicht erreicht, bleibt die Sauce möglicherweise zu dünn und fad. Wird er überschritten, kann das Ergebnis zu salzig oder bitter werden. Das Verständnis für das richtige Maß und die Methoden zur Kontrolle des Flüssigkeitsstandes sind daher essenziell für den Erfolg in der Küche. Dieser Artikel beleuchtet detailliert, wie man diesen Punkt sicher erreicht, welche Fehler vermieden werden sollten und warum die Reduktion das Geheimnis vieler großer Saucen ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Konzentration: Durch das Verdampfen von Wasser intensiviert sich der Geschmack der verbleibenden Zutaten massiv.
- Bindung: Natürliche Gelatine (in Fonds) oder Zuckerstoffe sorgen durch Reduktion für eine sämige Konsistenz ohne Mehl.
- Salz-Warnung: Niemals vor dem Einkochen final abschmecken, da der Salzgehalt durch die Reduktion exponentiell steigt.
- Kontrolle: Visuelle Markierungen am Kochlöffel oder Topf helfen, die Zielmenge von 100 ml ohne ständiges Umfüllen zu erreichen.
Die kulinarische Bedeutung der Reduktion
Der Begriff „Reduktion“ stammt aus dem Lateinischen (reducere = zurückführen) und beschreibt in der Küche das gezielte Vermindern einer Flüssigkeitsmenge durch Sieden. Wenn ein Rezept vorgibt, eine Flüssigkeit auf 100 ml einzukochen, ist dies meist das Finale einer längeren Zubereitungskette. Oft startet man mit 500 ml oder sogar einem Liter Flüssigkeit. Das Ziel ist es, den „Essenz“-Charakter der Zutaten herauszuarbeiten. In der klassischen Saucenlehre unterscheidet man hierbei verschiedene Stadien. Eine leichte Reduktion dient oft nur der Harmonisierung von Aromen, während eine starke Reduktion (bis zur sirupartigen Konsistenz, auch „Glace“ genannt) als Geschmacksbombe fungiert, von der man nur wenige Löffel benötigt.
Ein wesentlicher Aspekt der Reduktion ist die Texturveränderung. Viele Flüssigkeiten, insbesondere selbst gekochte Fleischfonds, enthalten Gelatine, die aus den Knochen und dem Bindegewebe gelöst wurde. Im verdünnten Zustand ist diese Gelatine kaum wahrnehmbar. Wird die Flüssigkeit jedoch auf eine kleine Menge wie 100 ml konzentriert, rücken die Gelatinemoleküle zusammen. Dies verleiht der Sauce eine seidige, viskose Textur, die den Mundraum angenehm auskleidet – ein Effekt, der mit künstlichen Bindemitteln wie Speisestärke oft nur unzureichend imitiert werden kann. Auch bei stark zuckerhaltigen Flüssigkeiten wie Balsamico-Essig oder Portwein führt das Einkochen zu einer Sirup-Konsistenz, da der Zuckeranteil prozentual steigt und karamellisieren kann.
Die Mengenangabe „auf 100 ml“ ist dabei oft ein kritischer Wendepunkt. Bei vielen Saucenansätzen markiert diese Menge den Moment, in dem die Emulsion stabil wird oder die Säure eines Weins soweit abgemildert ist, dass sie nicht mehr stechend wirkt. Es ist der Punkt der optimalen Balance. Würde man den Prozess früher abbrechen, hätte man eine „Suppe“; würde man ihn zu lange fortsetzen, erhielte man eine zähe Paste, die sich nur schwer wieder verflüssigen lässt. In der professionellen Gastronomie wird dieser Punkt oft rein visuell und geschmacklich bestimmt, für Rezepte ist die konkrete Milliliter-Angabe jedoch die sicherste Variable, um ein reproduzierbares Ergebnis zu garantieren.
Es ist wichtig zu verstehen, dass „Einkochen“ immer bei offenem Deckel geschehen muss. Ein geschlossener Topf würde den aufsteigenden Wasserdampf am Deckel kondensieren lassen, von wo er als Wasser wieder in die Sauce tropft. Ein Kreislauf entstünde, und die Menge würde sich nicht verringern. Für eine effektive Reduktion auf 100 ml benötigt man also den direkten Kontakt zur Umgebungsluft, damit die Feuchtigkeit den Topf verlassen kann.
Gut zu wissen
Der Grad der Reduktion bestimmt den Namen des Endprodukts. Ein auf die Hälfte reduzierter Fond wird oft als „Demi-Glace“ (Halbglace) bezeichnet, während eine Reduktion auf 10-20% des Ausgangsvolumens als „Glace de Viande“ (Fleischglace) gilt. Die Anweisung „auf 100 ml“ entspricht bei einem Startvolumen von 400-500 ml also oft der Herstellung einer intensiven Saucenbasis.
Methoden zur Füllstandskontrolle ohne Messbecher
Eine der größten praktischen Herausforderungen bei der Anweisung „auf 100 ml einkochen“ ist die Messung. Niemand möchte den kochenden, heißen Fond alle fünf Minuten in einen Messbecher umfüllen. Dies wäre nicht nur umständlich und gefährlich (Verbrühungsgefahr), sondern würde auch den Kochprozess unterbrechen. Durch das Umfüllen kühlt die Flüssigkeit ab, und der Siedeprozess muss nach dem Zurückgießen erst wieder in Gang gebracht werden. Dies verlängert die Zubereitungszeit unnötig und kann die Qualität empfindlicher Emulsionen beeinträchtigen. Daher haben sich in der Praxis Methoden etabliert, die eine Abschätzung direkt im Topf ermöglichen.
Die wohl bekannteste und einfachste Methode ist der „Kochlöffel-Trick“. Bevor der Reduktionsprozess beginnt, taucht man den Stiel eines hölzernen Kochlöffels senkrecht in die Flüssigkeit und merkt sich den Pegelstand (oder markiert ihn mit einer kleinen Kerbe oder einem lebensmittelechten Stift). Wenn man weiß, wie viel Flüssigkeit zu Beginn im Topf war (z.B. 500 ml) und man auf 100 ml reduzieren muss, bedeutet dies, dass vier Fünftel der Flüssigkeit verdampfen müssen. Man kann nun visuell abschätzen, wann der Pegelstand am Löffelstiel entsprechend gesunken ist. Noch präziser ist es, vor dem Kochen 100 ml Wasser in den Topf zu geben, den Löffel einzutauchen und diese „Zielmarke“ zu markieren, bevor man die eigentlichen Zutaten einfüllt.
Eine weitere Methode orientiert sich an der Geometrie des Topfes. Viele moderne Töpfe besitzen eine Innenskala. Ist diese vorhanden, lässt sich der Füllstand leicht ablesen. Fehlt eine Skala, kann man sich an den Nieten der Griffe oder anderen markanten Punkten im Topfinneren orientieren. Erfahrene Köche entwickeln mit der Zeit zudem ein Gefühl für die Viskosität der Flüssigkeit. Je stärker eine Sauce reduziert wird, desto zähflüssiger wird sie und desto anders verhalten sich die Blasen beim Kochen. Während wasserhaltige Flüssigkeiten schnell und sprudelnd kochen, werfen stark reduzierte Saucen größere, langsamere Blasen, die oft als „schmatzend“ beschrieben werden.
Für absolute Präzision, wenn es wirklich auf den Milliliter ankommt (etwa in der Patisserie), kann man die „Reduktions-Markierung“ am Topf auch von außen vornehmen, sofern der Topf durchsichtig ist (Glas) oder man die Höhe von außen mit einem Zollstock misst. Man füllt einmalig 100 ml Wasser in den verwendeten Topf, misst den Abstand vom Boden bis zur Wasseroberfläche (z.B. 1,5 cm) und weiß nun: Wenn die kochende Flüssigkeit diesen Stand erreicht hat, ist das Ziel erreicht. Dies erfordert jedoch einen ebenen Herd und einen Topf mit glattem Boden.
Profi-Tipp
Nutzen Sie einen Schaschlikspieß oder ein Essstäbchen als provisorischen Peilstab. Halten Sie den Stab senkrecht in den Topf, wenn Sie die 100 ml Wasser zu Beginn abmessen (zum Testen). Markieren Sie die Stelle am Holz. Wenn Sie später die Sauce kochen, können Sie jederzeit kurz mit dem Stab prüfen, ob die Flüssigkeit die Markierung erreicht hat, ohne den Kochvorgang zu stören.
Einfluss von Topfform und Hitzequelle
Wie schnell und wie gleichmäßig eine Flüssigkeit auf 100 ml einkocht, hängt maßgeblich von der verwendeten Hardware ab. Die Physik der Verdunstung besagt, dass die Verdunstungsrate proportional zur Oberfläche ist. Das bedeutet: In einem breiten Topf oder einer weiten Pfanne (Sauteuse) verdampft Flüssigkeit wesentlich schneller als in einem hohen, schmalen Topf. Wenn ein Rezept also ein schnelles Einkochen verlangt („stark reduzieren“), ist eine Pfanne mit großem Durchmesser die beste Wahl. Soll die Reduktion hingegen sanft und langsam erfolgen, um Aromen Zeit zu geben sich zu verbinden (etwa bei einem Ragu), ist ein schmalerer Topf besser geeignet.
Die Wahl der Hitzequelle und die Intensität der Hitze spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Man unterscheidet zwischen „simmern“ (sanftes Köcheln knapp unter dem Siedepunkt) und „wallendem Kochen“. Beim aggressiven, wallenden Kochen wird das Zielvolumen von 100 ml sehr schnell erreicht. Dies ist bei reinen Flüssigkeiten wie Wein oder Essig oft unproblematisch. Bei Fonds oder Saucen, die Fett oder Trübstoffe enthalten, kann zu starkes Kochen jedoch dazu führen, dass das Fett emulgiert und die Sauce trüb wird („blind wird“), statt klar und glänzend zu bleiben. Zudem besteht bei starker Hitze an den Topfrändern die Gefahr, dass Spritzer verbrennen und Bitterstoffe in die Sauce gelangen.
Material und Wärmeleitfähigkeit des Topfes beeinflussen das Ergebnis zusätzlich. Ein schwerer Gusseisentopf speichert die Hitze lange und sorgt für eine gleichmäßige Verdampfung, reagiert aber träge auf Temperaturänderungen. Ein Kupfertopf oder eine dünne Edelstahlschüssel reagieren sofort, was besonders wichtig ist, wenn der Punkt der optimalen Reduktion erreicht ist und der Kochprozess sofort gestoppt werden muss. Wenn nur noch 100 ml im Topf sind, kann die Restwärme eines dicken Topfbodens ausreichen, um die verbleibende Menge vollständig verdampfen zu lassen oder zu verbrennen, selbst wenn der Herd bereits ausgeschaltet ist.
Es empfiehlt sich daher, gegen Ende des Reduktionsprozesses die Hitze zu reduzieren und den Topf genau im Auge zu behalten. Der Übergang von „perfekt eingekocht“ zu „angebrannt“ ist bei kleinen Mengen wie 100 ml oft eine Sache von Sekunden. Sobald die Konsistenz sirupartig wird und die Blasen größer werden, sollte man die Temperatur deutlich senken oder den Topf vom Feuer ziehen, um den finalen Zustand durch die Restwärme zu erreichen.
| Topftyp | Oberfläche | Reduktionsgeschwindigkeit | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Hoher Suppentopf | Klein | Langsam | Brühen, die lange ziehen müssen (Extracting flavor) |
| Standard Stielkasserolle | Mittel | Mittel | Saucenansätze, Jus |
| Sauteuse / Pfanne | Groß | Sehr schnell | Schnelle Saucen, Weinreduktionen, À-la-minute |
Das Problem mit dem Salz und andere Risiken
Der häufigste Fehler beim Einkochen auf 100 ml ist die Unterschätzung der Salzkonzentration. Salz verdampft nicht. Wenn man einen Liter Brühe hat, der bereits angenehm salzig schmeckt, und diesen auf 100 ml reduziert (also auf ein Zehntel der Menge), dann konzentriert sich der Salzgehalt ebenfalls um den Faktor zehn. Das Ergebnis wäre vollkommen ungenießbar und versalzen. Aus diesem Grund gilt die goldene Regel: Reduktionen und Fonds, die später stark eingekocht werden sollen, dürfen zu Beginn niemals oder nur extrem sparsam gesalzen werden.
Das finale Abschmecken mit Salz erfolgt immer erst ganz zum Schluss, wenn die gewünschte Konsistenz und Menge (die 100 ml) erreicht ist. Dies gilt auch für andere intensive Gewürze wie Chili oder Pfeffer, deren Schärfe durch die Reduktion aggressiv und dominant werden kann. Kräuter hingegen können durch zu langes Kochen ihr Aroma verlieren oder bitter werden. Bei einer langen Reduktion ist es oft sinnvoll, frische Kräuter erst gegen Ende hinzuzufügen oder sie in einem Kräutersäckchen mitkochen zu lassen, das man rechtzeitig entfernt.
Ein weiteres Risiko ist das Verbrennen von Zuckerstoffen und Proteinen. Besonders wenn Sahne, Milch oder zuckerhaltige Flüssigkeiten (wie Fruchtsäfte oder süße Weine) reduziert werden, neigen diese dazu, am Topfboden anzusetzen. Bei einer geringen Restmenge von 100 ml ist die Flüssigkeitssäule im Topf sehr niedrig, was die Gefahr erhöht, dass die Hitze direkt auf die Feststoffe am Boden einwirkt. Regelmäßiges Rühren, besonders in der Endphase, ist daher unerlässlich. Ein Schneebesen oder ein hitzebeständiger Gummispatel hilft dabei, den Boden sauber zu halten und eine gleichmäßige Hitzeverteilung zu gewährleisten.
Schließlich kann es bei fetthaltigen Flüssigkeiten zur Trennung (Abscheißen) der Sauce kommen. Wenn Sahnesaucen zu stark und zu heiß reduziert werden, trennt sich das Fett von den Wasseranteilen. Die Sauce sieht dann ölig und grießelig aus. In diesem Fall hilft oft die Zugabe eines kleinen Schlucks kalten Wassers oder kalter Sahne, um die Emulsion wiederherzustellen. Dennoch ist Vorbeugung besser als Nachsorge: Sanftes Einkochen bei moderater Hitze schützt die Struktur empfindlicher Saucen besser als brachiale Hitze.
Achtung
Verwenden Sie für starke Reduktionen keine Fertigbrühen oder Brühwürfel, es sei denn, diese sind explizit als salzarm gekennzeichnet. Handelsübliche Instantsuppen enthalten so viel Salz, dass eine Reduktion auf 100 ml zu einem Konzentrat führen würde, das eher als Streusalz denn als Sauce taugt.
Unterschiedliche Flüssigkeiten im Detail
Nicht jede Flüssigkeit verhält sich beim Einkochen auf 100 ml gleich. Die chemische Zusammensetzung bestimmt, wie sich Geschmack, Farbe und Konsistenz verändern. Rotwein beispielsweise enthält Tannine (Gerbstoffe). Wird ein tanninreicher Rotwein stark reduziert, können diese Gerbstoffe bitter und adstringierend (den Mund zusammenziehend) wirken. Daher wird oft empfohlen, für Reduktionen Weine zu wählen, die fruchtbetont und nicht zu stark im Holzfass (Barrique) ausgebaut wurden. Manchmal wird auch eine Prise Zucker zugegeben, um die entstehende Säure und Bitterkeit auszugleichen.
Sahne verhält sich physikalisch anders als Wein oder Brühe. Beim Einkochen von Sahne (Sahnereduktion) verdampft das Wasser, und der Fettgehalt steigt relativ an. Gleichzeitig denaturieren die Milchproteine und bilden ein Netzwerk, das die Sauce andickt. Eine Sahnesauce, die auf 100 ml eingekocht wird, erhält eine cremige, fast puddingartige Konsistenz. Hier ist besondere Vorsicht geboten, da Sahne beim Kochen leicht überläuft und schnell anbrennt. Die Farbe wechselt oft von reinem Weiß zu einem leichten Elfenbein- oder Gelbton.
Essig, insbesondere Balsamico, wird häufig reduziert, um eine sogenannte „Crema“ oder Glace herzustellen. Hierbei spielt der Zuckergehalt die Hauptrolle. Durch das Verdampfen des Wassers und der Essigsäure wird der Geschmack milder und süßer, während die Konsistenz sirupartig wird. Eine Reduktion von 300 ml Balsamico auf 100 ml ergibt eine dickflüssige Würze, die perfekt auf Erdbeeren, Käse oder Fleisch passt. Da die Dämpfe von kochendem Essig sehr beißend in der Nase und den Augen brennen können, sollte hierbei immer für eine sehr gute Belüftung (Dunstabzugshaube auf maximaler Stufe) gesorgt werden.
Fonds aus Geflügel, Rind oder Wild sind die Klassiker der Reduktion. Hier ist der Gelatinegehalt der entscheidende Faktor für das Mundgefühl. Ein guter, selbstgemachter Fond geliert im Kühlschrank. Wird dieser auf 100 ml eingekocht, entsteht eine „Demi-Glace“, die im heißen Zustand flüssig ist, aber die Lippen leicht verklebt (ein Qualitätsmerkmal) und einen unglaublichen Glanz aufweist. Gekaufte Fonds im Glas enthalten oft weniger Gelatine, weshalb sie auch nach starker Reduktion manchmal noch recht flüssig bleiben. Hier kann man notfalls mit etwas kalter Butter („Aufmontieren“) oder einer minimalen Menge Speisestärke nachhelfen.
Nährwerte & Kalorien im Überblick
| Basis-Flüssigkeit | Kalorien/100g (Start) | Kalorien/100g (Reduziert) | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Gemüsefond | ~15 kcal | ~60-80 kcal | Konzentration von Zuckerstoffen aus Gemüse |
| Rinderfond/Jus | ~20-30 kcal | ~100-150 kcal | Protein- und Gelatinekonzentration |
| Sahne | ~290 kcal | ~580 kcal | Fettgehalt verdoppelt sich bei 50% Reduktion |
| Rotwein (trocken) | ~80 kcal | ~120 kcal | Alkohol verdampft teilw., Zucker bleibt |
Wichtige Hinweise zur Dichte:
- 🥖 Kohlenhydrate: Steigen pro 100g Endprodukt massiv an.
- 🥩 Eiweiß: Konzentriert sich besonders bei Fleischfonds stark.
- 🧈 Fett: Bei Sahne/Fonds sehr hoch, bei Wein/Essig vernachlässigbar.
- 🌾 Alkohol: Restalkohol bleibt auch nach Reduktion vorhanden!
Häufig gestellte Fragen
Kann ich den Deckel auflegen, um Energie zu sparen?
Nein, beim Einkochen darf der Deckel auf keinen Fall aufgelegt werden. Das Ziel ist es, Wasser verdampfen zu lassen, damit es den Topf verlässt. Ein Deckel würde den Wasserdampf kondensieren lassen, sodass er als Tropfen zurück in die Flüssigkeit fällt. Mit Deckel findet keine Reduktion statt, sondern lediglich ein Garprozess im eigenen Saft. Der Topf muss offen bleiben, um die gewünschte Menge von 100 ml zu erreichen.
Was tue ich, wenn ich versehentlich zu viel eingekocht habe?
Wenn weniger als die gewünschten 100 ml übrig sind oder die Sauce zu dick geworden ist, kann man dies meist leicht korrigieren. Geben Sie einfach schluckweise Wasser, Brühe oder Wein hinzu und rühren Sie die Sauce glatt, bis die gewünschte Konsistenz wieder erreicht ist. Geschmacklich ist dies meist kein Problem, solange die Sauce nicht angebrannt ist. Bei Sahnesaucen sollte die zugefügte Flüssigkeit idealerweise warm sein, um ein Gerinnen zu verhindern.
Woran erkenne ich, dass 100 ml erreicht sind, ohne zu messen?
Visuelle Anhaltspunkte sind die Größe der Blasen und die Konsistenz der Flüssigkeit. Je mehr Wasser verdampft, desto zähflüssiger wird der Inhalt und desto größer und „träger“ werden die Kochblasen. Ein guter Test ist auch, einen Löffelrücken in die Sauce zu tauchen: Wenn die Flüssigkeit den Löffelrücken überzieht und beim Daraufblasen ein Rosen-Muster bildet (dies nennt man „zur Rose abziehen“), ist meist ein guter Reduktionsgrad erreicht. Zudem sieht man oft am Topfrand einen Ring, der anzeigt, wo der Füllstand ursprünglich war.
Warum wird meine reduzierte Sauce extrem salzig?
Das liegt daran, dass Wasser verdampft, Salz aber im Topf zurückbleibt. Wenn Sie beispielsweise 500 ml gesalzenen Fond auf 100 ml einkochen, verfünffacht sich die Salzkonzentration. Das Ergebnis ist oft ungenießbar. Um dies zu vermeiden, sollten Saucenansätze, die reduziert werden sollen, am Anfang gar nicht oder nur minimal gesalzen werden. Das finale Abschmecken mit Salz erfolgt immer erst ganz am Ende, wenn die Reduktion abgeschlossen ist.
Fazit
Die Anweisung „auf 100 ml einkochen“ ist weit mehr als eine pedantische Mengenangabe in einem Rezept. Sie beschreibt den Schlüsselmoment, in dem aus einfachen Zutaten ein intensives Geschmackserlebnis wird. Durch das kontrollierte Verdampfen von Wasser konzentrieren sich Aromen, natürliche Bindemittel wie Gelatine oder Zucker treten in den Vordergrund und verleihen der Sauce jenen Körper und Glanz, den man aus guten Restaurants kennt. Es ist ein Prozess, der Geduld erfordert und ein Verständnis für das Verhalten der verwendeten Flüssigkeiten voraussetzt.
Für den Erfolg in der heimischen Küche ist es entscheidend, die physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu beachten: Breite Töpfe beschleunigen den Vorgang, Deckel verhindern ihn, und Salz konzentriert sich gnadenlos auf. Mit einfachen Hilfsmitteln wie dem Kochlöffel-Test oder visuellen Markierungen lässt sich die Zielmenge auch ohne ständiges Messen sicher erreichen. Wer diese Technik einmal beherrrscht, wird feststellen, dass selbstgemachte Reduktionen und Glacen in puncto Geschmackstiefe und Mundgefühl jedem Fertigprodukt überlegen sind. Das Einkochen ist somit eine fundamentale Investition in die Qualität des Endergebnisses auf dem Teller.




