Kurz & knapp
Selbstgemachte Tagliatelle aus Dinkelvollkornmehl und Hartweizengrieß vereinen ein tiefes, nussiges Aroma mit dem klassischen Al-dente-Biss italienischer Pasta. Durch das richtige Kneten und eine ausreichende Ruhezeit entsteht ein hochelastischer Teig, der sich problemlos hauchdünn ausrollen und sauber schneiden lässt.
Frische Pasta ist das Herzstück der anspruchsvollen Küche. Wer Vollkornnudeln selber macht, steht jedoch oft vor der Herausforderung, dass der Teig zu bröselig wird oder beim Kochen seine Form verliert. Dinkelvollkornmehl bringt einen feinen, nussigen Geschmack auf den Teller, verhält sich beim Kneten aber anders als klassisches Weizenmehl der Type 00. Um die typische Elastizität und den gewünschten Biss zu garantieren, verbindet dieses Rezept das aromatische Vollkornmehl mit feinstem Hartweizengrieß (Semola di grano duro). Diese Kombination sorgt dafür, dass die Teigstruktur gestützt wird und die Nudeln auch nach dem Kochen formstabil bleiben. In diesem Beitrag erfährst Du die chemischen und physikalischen Hintergründe der Teigbereitung, warum die Ruhezeit für das Glutennetzwerk unerlässlich ist und wie der Teig garantiert ohne Frust gelingt. So holst Du echtes Handwerk in Deine Küche.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Schwierigkeit: Fortgeschritten (erfordert präzises Kneten und Fingerspitzengefühl beim Ausrollen)
- Ideal für: Kräftige Saucen wie Ragù alla bolognese, sämige Pilzsaucen oder Salbeibutter
- Besonderheit: Perfekte Balance aus nährstoffreichem Vollkornmehl und stabiler Grießstruktur
- Schlüssel-Tipp: Den Teig mindestens 10 Minuten kräftig durchkneten, damit sich das elastische Glutennetzwerk optimal aufbauen kann.

Bissfeste Vollkorn-Tagliatelle aus Dinkelvollkornmehl selber machen
Kochutensilien
- 1 Nudelmaschine* Alternativ ist ein langes, schweres Nudelholz möglich
- 1 Teigschaber Erleichtert das Zusammenführen der Zutaten auf der Arbeitsplatte
- 1 Großer Kochtopf* Damit die Pasta ausreichend Platz zum Garen hat
- 1 Küchenwaage Für das präzise Abmessen der Zutaten
- 1 Scharfes Kochmesser Zum präzisen Schneiden der Teigrollen
Zutaten
Teigzutaten
- 200 g Dinkelvollkornmehl Fein gemahlen
- 150 g Hartweizengrieß (Semola di grano duro) Sorgt für den idealen Biss
- 3 Stück Eier (Größe L) Zimmertemperiert
- 1 Stück Eigelb (Größe L) Für zusätzliche Elastizität und Farbe
- 1 EL Olivenöl Kaltgepresst
- 1 TL Feines Speisesalz Für den Teig
- 2 EL Lauwarmes Wasser Nur bei Bedarf hinzufügen
Zubereitung & Kochen
- 50 g Hartweizengrieß Zum Bestreuen der Arbeitsfläche und Bestäuben des Teiges
- 2 EL Speisesalz Für das Kochwasser
Anleitungen
- Mehlmischung vorbereiten: Dinkelvollkornmehl und Hartweizengrieß gründlich vermischen. Die Mischung direkt auf eine saubere Arbeitsfläche häufen und in die Mitte eine tiefe, breite Mulde drücken.
- Flüssige Zutaten einarbeiten: Die Eier, das zusätzliche Eigelb, Olivenöl und ein Teelöffel Salz direkt in die Mulde geben. Mit einer Gabel die Eier vorsichtig verquirlen und dabei nach und nach Mehl von den inneren Rändern der Mulde einarbeiten, bis eine dickflüssige Masse entsteht.
- Nudelteig kneten: Den Teigschaber nutzen, um das restliche Mehl unterzuarbeiten. Sobald der Teig formbar wird, die Hände verwenden. Den Teig mindestens 10 Minuten kräftig durchkneten. Sollte der Teig zu bröselig sein, löffelweise das lauwarme Wasser hinzufügen. Der Teig ist fertig, wenn er elastisch, glatt und nicht mehr klebrig ist.
- Teigruhe einhalten: Den Teig zu einer Kugel formen, fest in Frischhaltefolie einwickeln und für mindestens 30 Minuten bei Zimmertemperatur ruhen lassen. Dieser Schritt ist wichtig, damit sich das Glutennetzwerk entspannt.
- Teig ausrollen: Den Teig in vier gleich große Stücke teilen. Drei Teile eingewickelt lassen, um das Austrocknen zu verhindern. Das erste Teigstück leicht flach drücken und mit etwas zusätzlichem Hartweizengrieß bestreuen. Durch die Nudelmaschine auf der dicksten Stufe drehen, falten und erneut durchlassen. Diesen Vorgang schrittweise bis zur zweitdünnsten Stufe wiederholen.
- Tagliatelle schneiden: Die fertige Teigbahn dünn mit Hartweizengrieß bestreuen, damit die Schichten nicht verkleben. Die Bahn locker von der kurzen Seite her aufrollen. Mit einem scharfen Kochmesser in ca. 8 mm breite Streifen schneiden. Die Streifen sofort vorsichtig auseinanderziehen, zu kleinen Nestern formen und auf einer mit Grieß bestreuten Fläche lagern.
- Pasta kochen: Einen großen Kochtopf mit reichlich Wasser zum Kochen bringen. Sobald das Wasser sprudelt, das grobe Speisesalz hinzufügen. Die frischen Tagliatelle hineingeben, vorsichtig umrühren und für 3 bis 5 Minuten bissfest garen.
- Anrichten: Ein halbes Glas des stärkehaltigen Pastawassers abschöpfen. Die Tagliatelle durch ein Nudelsieb abgießen, kurz abtropfen lassen und sofort warm mit der gewünschten Sauce und etwas Pastawasser vermengen.
Notizen
- Mehl-Variante: Das Dinkelvollkornmehl kann nach Belieben 1:1 durch Weizenvollkornmehl ersetzt werden. Wichtig bleibt der Hartweizengrieß, um der Pasta die nötige Stabilität im kochenden Wasser zu geben.
- Aufbewahrung: Die ungespritzten, rohen Nudelnester lassen sich hervorragend einfrieren. Dafür die Nester auf einem bemehlten Brett vorfrieren und anschließend in Gefrierbeutel umfüllen. Gefroren direkt ins kochende Salzwasser geben (die Kochzeit verlängert sich um ca. 1-2 Minuten).
- Saucen-Partner: Aufgrund des kräftig-nussigen Aromas harmoniert diese Vollkornpasta hervorragend mit einer sämigen Walnusssauce, gebratenen Waldpilzen oder einem klassischen, lang eingekochten Ragù.
Warum sorgt die Kombination aus Dinkelvollkornmehl und Hartweizengrieß für den idealen Biss?
Die gezielte Mischung aus Dinkelvollkornmehl und Hartweizengrieß kombiniert die aromatische Tiefe des vollen Korns mit der hohen Kochstabilität und dem typischen Al-dente-Biss des klassischen Pastagrießes. Dinkelvollkornmehl enthält alle Bestandteile des Korns, weshalb es reich an feinen Schalenanteilen ist. Diese mechanischen Partikel stören jedoch die Ausbildung eines durchgehenden, elastischen Glutennetzwerks, was einen reinen Vollkornteig beim Ausrollen oft brüchig und im kochenden Wasser matschig werden lässt.
Hartweizengrieß – insbesondere fein gemahlene „Semola di grano duro ririmacinata“ – gleicht diese strukturelle Schwäche hervorragend aus. Hartweizen besitzt einen sehr hohen Anteil an Proteinen (Glutenin und Gliadin), die bei Kontakt mit Flüssigkeit ein extrem stabiles, elastisches Gerüst bilden. Dieses Gitter umschließt die Stärkekörner der Pasta, sodass beim Kochen kaum Stärke ins Wasser austritt. Das Ergebnis ist eine selbstgemachte Nudel, die eine wunderbar raue Oberfläche zur Saucenaufnahme besitzt und gleichzeitig den gewünschten, elastischen Kern beim Draufbeißen bewahrt.
Welche Funktion haben die einzelnen Zutaten im Nudelteig?
Jede einzelne Zutat im Pastateig erfüllt eine spezifische physikalische oder chemische Aufgabe, um Elastizität, Geschmack und Bindung optimal miteinander zu verknüpfen. Das präzise Verhältnis von trockenen Proteinen zu flüssigen Fetten entscheidet darüber, ob sich das Glutennetzwerk geschmeidig dehnen lässt oder beim Ausrollen reißt.
Zutaten und ihre Funktion im Teig
| Zutat | Wirkung & Funktion im Pastateig |
|---|---|
| Dinkelvollkornmehl | Liefert komplexe Kohlenhydrate, wertvolle Ballaststoffe und ein nussiges Aroma. |
| Hartweizengrieß | Baut das stabile Proteingerüst auf und sorgt für Beständigkeit beim Kochvorgang. |
| Ganze Eier (Größe L) | Liefern notwendiges Wasser für die Hydratation und Lecithin als natürlichen Bindungsvermittler. |
| Zusätzliches Eigelb | Erhöht den Fettanteil für maximale Geschmeidigkeit und sorgt für eine ansprechende Farbe. |
| Kaltgepresstes Olivenöl | Schmiert die Glutenstränge mikroskopisch, was das hauchdünne Ausrollen erleichtert. |
| Salz im Teig | Stärkt die Proteinstruktur chemisch und sorgt für eine Grundwürze direkt im Teigkern. |
Warum sind das lange Kneten und die Teigruhe entscheidend für hausgemachte Pasta?
Das intensive Kneten aktiviert das elastische Klebereiweiß im Mehl, während die anschließende Ruhezeit die Spannungen im Teig abbaut und für eine gleichmäßige Hydratation sorgt. Beim Kneten verbinden sich die Proteine Gliadin (zuständig für die Dehnbarkeit) und Glutenin (zuständig für die Reißfestigkeit) unter Zufuhr von mechanischer Energie zu einer zusammenhängenden Gitterstruktur. Da Dinkelgluten empfindlicher auf Überdehnung reagiert als Weizengluten, musst Du den Teig zwar kräftig, aber gleichmäßig mit den Handballen bearbeiten, bis eine vollkommen glatte Oberfläche entsteht.
Würdest Du versuchen, den frisch gekneteten Teig sofort auszurollen, würde er sich wie ein Gummiband immer wieder zusammenziehen oder einreißen. Während der Ruhezeit von mindestens 30 Minuten in Frischhaltefolie entspannt sich dieses gestresste Proteingitter wieder. Darüber hinaus bekommen die harten Grießpartikel und die faserigen Schalenanteile des Dinkelvollkornmehls die nötige Zeit, um die Feuchtigkeit der Eier vollständig und gleichmäßig aufzusaugen. Erst dadurch wird der Teig samtig, formbar und lässt sich mühelos verarbeiten.
Profi-Tipp für perfekt strukturierte Teigplatten
Nutze beim Ausrollen das Prinzip des Faltens (Laminierens). Wenn Du die Teigplatte auf der dicksten Stufe der Nudelmaschine mehrmals der Länge nach zusammenfaltest und erneut durchlässt, ordnen sich die Glutenfäden parallel an. Das sorgt für eine extrem reißfeste Struktur, saubere Kanten und verhindert das Festkleben in der Maschine.
Wichtiger Hinweis zum Garprozess
Frische Vollkorn-Pasta benötigt reichlich kochendes Wasser und viel Salz. Nutze einen großzügigen Topf, damit die Nudeln frei schwimmen können und die Temperatur beim Hineingeben nicht schlagartig abfällt. Salze das Wasser erst, wenn es sprudelnd kocht – das Salz im Wasser dringt beim kurzen Kochen in die Pasta ein und ist essenziell für den runden Geschmack.
Wie lassen sich Vollkorn-Tagliatelle am besten lagern, variieren und aufwärmen?
Frische Dinkelvollkorn-Tagliatelle lassen sich ideal durch vollständiges Lufttrocknen oder Einfrieren konservieren, während sie beim Aufwärmen Feuchtigkeit benötigen, um ihre geschmeidige Konsistenz nicht zu verlieren. Wenn Du die Nudeln für einen späteren Zeitpunkt vorbereiten möchtest, solltest Du sie direkt nach dem Schneiden mit reichlich Hartweizengrieß bestäuben und zu lockeren Nestern formen. Auf einem bemehlten Küchentuch oder einem Pastatrockner können sie etwa 48 Stunden an der Luft trocknen, bis sie komplett hart sind – danach lagerst Du sie luftdicht verpackt kühl und trocken.
Für eine langfristige Lagerung ist das Einfrieren die schonendste Methode. Friere die frisch geformten Pasta-Nester nebeneinander auf einem Tablett für circa eine Stunde an und fülle sie erst danach in Gefrierbeutel um; so verhinderst Du, dass sie zusammenkleben. Die gefrorenen Tagliatelle gibst Du später ohne vorheriges Auftauen direkt ins kochende Salzwasser, wobei sich die Kochzeit lediglich um ein bis zwei Minuten verlängert. Wenn Du bereits gekochte Reste am nächsten Tag aufwärmen möchtest, meide die Mikrowelle, da sie den Vollkornnudeln zu viel Feuchtigkeit entzieht. Schwenke die Nudeln stattdessen kurz in einer heißen Pfanne mit einem Teelöffel Butter oder Olivenöl und einem kleinen Schluck Wasser – so reaktivierst Du die geschmeidige Textur.
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Häufig gestellte Fragen
Kann man den Pastateig auch ohne Nudelmaschine ausrollen?
Ja, der Pastateig lässt sich auch mit einem schweren Nudelholz und etwas Muskelkraft von Hand ausrollen. Rolle den Teig dafür von der Mitte nach außen gleichmäßig dünn aus und bestäube die Arbeitsfläche regelmäßig mit Hartweizengrieß, damit nichts festklebt. Sobald der Teig so dünn ist, dass man fast hindurchsehen kann, lässt er sich mit einem Messer in dünne Streifen schneiden.
Warum wird mein Vollkorn-Nudelteig beim Kneten zu trocken und bröselig?
Ein zu trockener Teig liegt meist an der hohen Saugfähigkeit des Dinkelvollkornmehls, das durch die enthaltenen Schalenanteile deutlich mehr Feuchtigkeit bindet als helles Mehl. Wenn der Teig nach fünf Minuten Kneten noch immer krümelig ist, solltest Du löffelweise lauwarmes Wasser hinzufügen. Verwende das Wasser jedoch sehr sparsam, da der Teig durch das lange Kneten von selbst noch geschmeidiger wird.
Wie lange müssen frische Dinkelvollkorn-Tagliatelle kochen?
Frische Dinkelvollkorn-Tagliatelle haben aufgrund ihres Feuchtigkeitsgehalts eine sehr kurze Garzeit von nur 3 bis 5 Minuten. Sobald die Nudeln im sprudelnden Salzwasser an die Oberfläche steigen, sind sie fast fertig. Mache am besten kurz vor dem Abgießen eine Bissprobe, um den idealen Al-dente-Punkt nicht zu verpassen.
Kann man das zusätzliche Eigelb im Rezept einfach weglassen?
Das zusätzliche Eigelb liefert wertvolles Fett und Lecithin, was dem Teig seine hohe Elastizität und eine appetitliche goldgelbe Farbe verleiht. Wenn Du es weglässt, wird der Vollkornteig spürbar fester, neigt schneller zum Reißen und lässt sich maschinell schwieriger dünn ausrollen. Falls Du es weglässt, musst Du die fehlende Flüssigkeit durch etwas Eiweiß oder einen zusätzlichen Esslöffel Wasser ausgleichen.
Fazit
Selbstgemachte Dinkelvollkorn-Tagliatelle beweisen eindrucksvoll, dass bewusste Ernährung und echter kulinarischer Genuss hervorragend harmonieren. Durch das gezielte Zusammenspiel von nährstoffreichem Dinkelvollkornmehl und backstarkem Hartweizengrieß entsteht eine Pasta, die in puncto Konsistenz, Dehnbarkeit und Bissfestigkeit klassischen Hartweizennudeln in nichts nachsteht.
Mit ein wenig Geduld beim Kneten und der konsequenten Einhaltung der wichtigen Teigruhe gelingt diese frische Pasta auch in der heimischen Küche ohne Probleme. Serviert mit einer aromatischen Sauce und verfeinert mit etwas stärkehaltigem Kochwasser kreierst Du im Handumdrehen ein traditionelles Gericht mit modernem, vollwertigem Profil.




