Kurz & knapp
Dieses Roggenmischbrot vereint die Saftigkeit und lange Haltbarkeit von Roggensauerteig mit der Stabilität von Weizenmehl. Durch das Backen im geschlossenen gusseisernen Topf entsteht ohne professionelle Bedampfungsanlage eine extrem knusprige Kruste und eine gleichmäßige Krume.
Das Backen von Brot mit echtem Sauerteig gilt in der Handwerksbäckerei als Königsdisziplin. Während reine Weizenbrote durch ein starkes Glutengerüst stabilisiert werden, verhält sich Roggenmehl in der Teigführung völlig anders. Roggenteige sind klebriger, schwer zu formen und benötigen zwingend Säure, um backfähig zu werden. Dieses Rezept für ein klassisches Roggenmischbrot im Verhältnis von ca. 60 % Roggen- zu 40 % Weizenmehl ist so konzipiert, dass auch Einsteiger reproduzierbare Ergebnisse erzielen. Durch die lange Stehzeit des Sauerteigs am Vortag baut sich ein komplexes Aroma auf, das durch die finale Backmethode im heißen Gusseisentopf optimal konserviert wird. Das Ergebnis ist ein alltagstaugliches, schnittfestes Brot mit fein-säuerlicher Note und einer ausgeprägten, splitternden Kruste.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Schwierigkeit: Fortgeschritten (erfordert Zeit und Teiggefühl)
- Ideal fuer: Liebhaber kräftiger, herzhafter Bauernbrote mit langer Frischhaltung
- Besonderheit: Natursauerteigführung ohne Industriehefe, Backen im gusseisernen Topf
- Schluessel-Tipp: Den Teigling mit dem Schluss nach unten ins Gärkörbchen legen, damit er im Topf wild und ohne Einschneiden aufreißt.
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Klassisches Roggenmischbrot mit Sauerteig und knuspriger Kruste
Kochutensilien
- 1 Gärkörbchen (rund, für 1 kg Teig) Mit ausreichend Roggenmehl ausstauben, damit der Teig nicht klebt.
- 1 Gusseiserner Topf (Dutch Oven) mit Deckel Sorgt für den optimalen Dampfeffekt beim Backen.
- 1 Küchenmaschine mit Knethaken Erleichtert das gründliche Mischen des klebrigen Roggenteigs.
- 1 Teigschaber Zum sauberen Portionieren und Formen des Teiges.
Zutaten
Sauerteig (Anstellgut-Vorteig)
- 150 g Roggenmehl Type 1150
- 150 g Wasser (lauwarm, ca. 35°C)
- 15 g Roggen-Sauerteig-Anstellgut Aus dem Kühlschrank
Hauptteig
- 315 g Sauerteig (aus dem ersten Schritt) Reif und luftig
- 200 g Weizenmehl Type 1050 Sorgt für ein gutes Standvermögen und Elastizität
- 150 g Roggenmehl Type 1150
- 210 g Wasser (handwarm, ca. 30°C)
- 12 g Salz Feines Meersalz
- 5 g Brotgewürz (fein gemahlen) Optionale Mischung aus Kümmel, Fenchel, Koriander und Anis
- 8 g Flüssiges Gerstenmalz Inaktiv, für eine kräftigere Krumenfarbe und Aroma
Anleitungen
- Sauerteig ansetzen (Vortag): Vermischen Sie das Roggenmehl (150 g) mit dem lauwarmen Wasser (150 g) und dem Anstellgut in einem sauberen Weckglas. Decken Sie es locker ab und lassen Sie den Sauerteig bei Raumtemperatur (ideal sind 20-22°C) für ca. 12 bis 16 Stunden reifen, bis er sein Volumen verdoppelt hat und säuerlich-fruchtig duftet.
- Hauptteig mischen: Geben Sie den fertigen, reifen Sauerteig (315 g), das Weizenmehl (200 g), das restliche Roggenmehl (150 g), das handwarme Wasser (210 g), das Salz, das optionale Brotgewürz und das Gerstenmalz in die Rührschüssel der Küchenmaschine.
- Teig kneten: Kneten Sie die Zutaten auf niedrigster Stufe für ca. 6 Minuten, bis sich alle Zutaten gleichmäßig verbunden haben. Schalten Sie dann für weitere 2 bis 3 Minuten auf die zweite Stufe hoch. Da Roggenteig sehr klebrig ist, bildet sich hier kein klassisches Glutennetzwerk; der Teig sollte feucht und schwer, aber homogen sein.
- Stockgare (Erste Ruhephase): Deckeln Sie die Schüssel ab und lassen Sie den Teig für 60 Minuten bei Raumtemperatur ruhen. Nach 30 Minuten den klebrigen Teig einmal mit einem nassen Teigschaber von den Seiten zur Mitte hin falten.
- Formen und Stückgare: Bestäuben Sie Ihre Arbeitsfläche gut mit Roggenmehl. Kippen Sie den Teig vorsichtig darauf. Wirken Sie den Teig mit bemehlten Händen rund, indem Sie die Ränder sanft nach unten und unter den Teigling schieben. Legen Sie den geformten Laib mit dem Schluss (der Nahtstelle) nach unten in ein gut bemehltes Gärkörbchen. Lassen Sie den Teigling abgedeckt für ca. 75 bis 90 Minuten bei warmer Raumtemperatur aufgehen, bis er deutlich an Volumen zugenommen hat und kleine Risse an der Oberfläche zeigt.
- Ofen vorheizen: Heizen Sie rechtzeitig 45 Minuten vor Ende der Gehzeit den Backofen zusammen mit dem gusseisernen Topf samt Deckel auf 250°C Ober-/Unterhitze vor.
- Brot backen (mit Dampf): Nehmen Sie den heißen Topf vorsichtig aus dem Ofen (Verzerrungsgefahr, Topflappen nutzen!) und nehmen Sie den Deckel ab. Stürzen Sie den Brotlaib vorsichtig aus dem Gärkörbchen direkt in den heißen Topf, sodass der Schluss nun oben liegt (dies gibt das typische, rustikale Aufreißmuster). Verschließen Sie den Topf sofort wieder mit dem heißen Deckel und backen Sie das Brot für 25 Minuten bei 250°C.
- Ausbacken der Kruste: Reduzieren Sie die Ofentemperatur nach den ersten 25 Minuten auf 210°C. Nehmen Sie den Deckel vorsichtig vom Topf ab, um den Wasserdampf entweichen zu lassen, und backen Sie das Brot für weitere 20 bis 25 Minuten offen fertig, bis die Kruste eine kräftige, dunkelbraune Farbe angenommen hat.
- Auskühlen lassen: Nehmen Sie das fertige Roggenmischbrot aus dem Topf. Machen Sie die Klopfprobe: Klingt die Unterseite hohl, ist das Brot durchgebacken. Lassen Sie das Brot vor dem Anschneiden vollständig (am besten für mindestens 4 bis 6 Stunden) auf einem Kuchengitter auskühlen, da sich die Krume im warmen Zustand noch verkleben würde.
Notizen
Warum backt man Roggenmischbrot im gusseisernen Topf?
Das Backen im gusseisernen Topf simuliert die feuchte Fallhitze eines professionellen Steinbackofens, indem das verdampfende Wasser aus dem Teigling im geschlossenen Raum gefangen bleibt. Dieser sogenannte Schwaden (Wasserdampf) legt sich auf die Oberfläche des Brotes, hält die Teighaut elastisch und ermöglicht dem Brot, sich in den ersten Minuten maximal auszudehnen, bevor die Kruste verkrustet.
Wenn ein Brot ohne ausreichenden Dampf in einem normalen Haushaltsbackofen gebacken wird, trocknet die Oberfläche vorzeitig aus. Die Kruste bildet sich zu schnell, wodurch das Brot beim Ofentrieb reißt oder kompakt bleibt. Gusseisen besitzt zudem eine extrem hohe Wärmeleitfähigkeit und Wärmespeicherkapazität. Es gibt die Hitze schlagartig und gleichmäßig an den feuchten Teigling ab. Nach dem Abnehmen des Deckels im zweiten Backschritt zieht die Feuchtigkeit ab, und die typische, tiefe Bräunung sowie die Röstaromen bilden sich durch die Maillard-Reaktion ungehindert aus.
Welche Funktion haben die einzelnen Zutaten im Roggenmischbrot?
Jede Zutat in diesem Rezept erfüllt eine spezifische backphysikalische und geschmackliche Aufgabe, die das Gelingen des Brotes direkt beeinflusst.
Die Kombination der verschiedenen Mehltypen und Zusätze ist präzise abgestimmt, um Elastizität mit traditionellem Aroma zu verbinden. Während das Roggenmehl für Feuchtigkeit und Säure sorgt, liefert das Weizenmehl die nötige Stabilität.
Zutatenfunktionen im Überblick
| Zutat | Funktion im Teig | Konsequenz bei Weglassen |
|---|---|---|
| Roggenmehl Type 1150 | Liefert Pentosane (Schleimstoffe) für starke Wasserbindung und Saftigkeit. | Brot trocknet extrem schnell aus, verliert den typischen Geschmack. |
| Weizenmehl Type 1050 | Bildet ein dehnbares Klebergerüst (Gluten) für die Standkraft des Teigs. | Der Teig fließt breit, das Brot wird flach und extrem kompakt. |
| Inaktives Gerstenmalz | Dient als Nahrung für die Milchsäurebakterien; fördert Krustenbräunung. | Die Kruste bleibt blass, die Krumenfarbe wirkt gräulich-hell. |
| Feines Meersalz | Stabilisiert das Proteingerüst und steuert die Fermentation des Sauerteigs. | Teig gärt unkontrolliert schnell und schmeckt fad und ausdruckslos. |
Wie gelingt die Teigführung bei klebrigem Roggenteig?
Die größte Hürde bei der Verarbeitung von Roggenmischteigen ist die Klebrigkeit, die durch die im Roggen enthaltenen Schleimstoffe (Pentosane) verursacht wird. Diese Pentosane verhindern, dass das Weizenklebergerüst eine elastische Struktur aufbaut. Der Teig darf daher nicht wie ein reiner Weizenteig intensiv gedehnt und gefaltet werden.
Knete den Teig nur so lange, bis eine homogene Masse entsteht. Jedes Überkneten zerstört die empfindlichen Pentosan-Verbindungen, wodurch der Teig noch klebriger und flüssiger wird. Nutze bei der Aufarbeitung konsequent feuchte Hände oder einen nassen Teigschaber, um den klebrigen Teig in der Schüssel zu bewegen. Beim abschließenden Formen auf der Arbeitsplatte hilft ausschließlich trockenes Roggenmehl auf den Händen. Roggenmehl absorbiert Oberflächenfeuchtigkeit schneller und bildet eine schützende Trennschicht.
Profi-Tipp
Verwende zum Bestäuben des Gärkörbchens eine Mischung aus 50 % Roggenmehl und 50 % Reisgrieß oder Reismehl. Reismehl enthält keinen Kleber (Gluten) und verbindet sich nicht mit dem feuchten Brotteig. Dadurch gleitet der Teigling nach der Stückgare absolut fehlerfrei und ohne Kleben aus dem Körbchen in den heißen Topf.
Wie lagert man das fertige Roggenmischbrot richtig?
Ein Roggenmischbrot mit Sauerteig sollte niemals im Kühlschrank gelagert werden, da die Stärke bei Temperaturen zwischen 2 °C und 8 °C am schnellsten altert und das Brot trocken und altbacken macht. Lagere das ausgekühlte Brot idealerweise bei Zimmertemperatur in einem unglasierten Tontopf (Römertopf) oder einem Brotkasten aus Holz.
Diese natürlichen Materialien regulieren die Feuchtigkeit: Sie nehmen überschüssige Feuchtigkeit aus dem Brot auf und geben sie bei Trockenheit wieder zurück. So bleibt die Krume über 5 bis 7 Tage saftig, während die Kruste zwar weicher wird, aber nicht zäh zähflüssig verdirbt. Sollte das Brot nach einigen Tagen seine Knusprigkeit verloren haben, lässt es sich im Ofen bei 200 °C Ober-/Unterhitze für ca. 8 bis 10 Minuten, leicht mit Wasser besprüht, perfekt wieder aufbacken.
Wichtiger Hinweis
Schneide das Roggenmischbrot niemals im warmen Zustand an. Die Krume von Roggenbroten benötigt nach dem Backen mehrere Stunden, um sich zu stabilisieren. Ein zu früher Anschnitt führt dazu, dass die heiße Feuchtigkeit schlagartig entweicht, die Krume verklebt und das Messer verschmiert.
Häufig gestellte Fragen
Warum geht mein Roggenmischbrot beim Backen nicht richtig auf?
Das mangelnde Aufgehen liegt meist an einem zu schwachen oder zu sauren Sauerteig-Anstellgut. Wenn das Anstellgut vor dem Ansetzen nicht aktiv genug war, fehlt den wilden Hefen die Triebkraft für den Ofentrieb. Achte darauf, dass sich das Anstellgut vor der Verwendung bei einer regelmäßigen Fütterung verlässlich verdoppelt.
Kann ich das Weizenmehl 1050 durch Dinkelmehl ersetzen?
Ja, Weizenmehl Type 1050 kann im gleichen Verhältnis durch Dinkelmehl Type 1050 ausgetauscht werden. Beachte jedoch, dass Dinkelkleber empfindlicher auf Überknetung reagiert. Reduziere in diesem Fall die Knetzeit auf der zweiten Stufe um ca. 1 Minute, um ein Überkneten des Teiges zu verhindern.
Was passiert, wenn ich das Brotgewürz weglasse?
Das Weglassen des Brotgewürzes hat keinerlei Einfluss auf die Backeigenschaften oder die Konsistenz des fertigen Brotes. Die Gewürzmischung dient ausschließlich der geschmacklichen Abrundung nach traditioneller süddeutscher und österreichischer Backart und kann je nach persönlicher Vorliebe rückstandslos gestrichen werden.
Fazit
Das Backen eines klassischen Roggenmischbrotes erfordert Geduld und ein Verständnis für die biochemischen Prozesse des Sauerteigs. Durch die Kombination von Roggen- und Weizenmehl entsteht ein Brot, das die typisch saftige Krume eines Roggenbrotes besitzt, dank des Weizenanteils aber eine stabile Struktur aufweist. Die Backmethode im geschlossenen Gussbräter garantiert dabei eine Krustenbildung auf Profi-Niveau.
Mit der richtigen Handhabung des klebrigen Teiges und der Einhaltung der Reifezeiten gelingt ein aromatisches, lange haltbares Brot. Wer einmal den Duft eines frisch gebackenen, naturbelassenen Sauerteigbrotes aus dem eigenen Ofen wahrgenommen hat, wird künftig gerne auf industrielle Backmischungen verzichten.




