Rezept: Sfincione Siciliano – Traditionelle sizilianische Blechpizza mit würziger Tomaten-Zwiebel-Sauce und Caciocavallo

Mario Wormuth
Erstellt von: Mario Wormuth
15 Minuten Lesezeit

Kurz & knapp

Der Sfincione Siciliano ist eine traditionelle, dicke Blechpizza aus Palermo, die sich durch einen luftigen Teig aus Hartweizengrieß auszeichnet. Gekrönt wird der Klassiker von einer herzhaften Tomaten-Zwiebel-Sauce, würzigem Caciocavallo-Käse, Sardellen und einer knusprigen Schicht aus aromatisierten Semmelbröseln.

Wer an italienische Pizza denkt, hat meist die dünne, neapolitanische Variante im Kopf. Der sizilianische Sfincione unterscheidet sich grundlegend von diesem weltbekannten Klassiker. Sein Name leitet sich vom lateinischen Wort „spongia“ (Schwamm) ab, was die Textur des Teiges treffend beschreibt. Die Krume ist extrem weich, dick und reich an Luftporen, während die Unterseite und der Rand auf dem geölten Backblech eine feine Knusprigkeit entwickeln. Ursprünglich wurde dieses Gericht von den Nonnen des Klosters San Vito in Palermo zu festlichen Anlässen wie Weihnachten oder Silvester zubereitet. Heute ist der Sfincione das berühmteste Streetfood Siziliens. Das Geheimnis dieser Spezialität liegt in der Kombination aus der Süße langsam gedünsteter Zwiebeln, der salzigen Tiefe von Sardellen und dem charakteristischen Schmelz des Caciocavallo-Käses, abgerundet durch goldgelb geröstete Semmelbrösel.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schwierigkeit: Mittel – erfordert Geduld bei der Teigführung und Präzision beim Dünsten der Zwiebeln.
  • Ideal für: Familienessen, Buffets, Partys oder als herzhafter Snack, der sich hervorragend vorbereiten lässt.
  • Besonderheit: Ein dicker, schwammartiger Teig mit Grießanteil und eine knusprige Bröselkruste ohne freiliegenden, geschmolzenen Käse.
  • Schlüssel-Tipp: Die Zwiebeln extrem langsam garen lassen, um ihre natürliche Süße freizusetzen, die den Kontrast zu den salzigen Sardellen bildet.

Sfincione Siciliano – Traditionelle sizilianische Blechpizza mit würziger Tomaten-Zwiebel-Sauce und Caciocavallo

Ein Klassiker aus Palermo: Diese dicke, saftige Blechpizza überzeugt durch einen luftigen Hefeteig, eine aromatisch eingekochte Sauce mit Zwiebeln und Sardellen sowie eine knusprige Haube aus würzigem Caciocavallo-Käse und Semmelbröseln.
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Vorbereitungszeit 2 Stunden 30 Minuten
Zubereitungszeit 25 Minuten
Gesamtzeit 2 Stunden 55 Minuten
Portionen 6 Stücke

Kochutensilien

  • 1 Backblech (ca. 30x40 cm) Am besten ein schweres Blech aus Blaublech oder Aluminium
  • 1 Küchenmaschine mit Knethaken Alternativ ist auch langes Kneten von Hand möglich
  • 1 Große Pfanne* Für das langsame Schmoren der Zwiebelsauce
  • 1 Teigschaber Zum sauberen Portionieren und Verteilen des Teigs

Zutaten
  

Für den Hefeteig

  • 400 g Hartweizengrieß (Semola di grano duro rimacinata) Sorgt für die typische Textur und Stabilität
  • 100 g Weizenmehl (Type 550) Unterstützt das Glutennetzwerk
  • 350 ml lauwarmes Wasser Ca. 25-30 °C
  • 7 g Trockenhefe Entspricht einem Päckchen (oder 20g Frischhefe)
  • 10 g Feines Meersalz
  • 20 ml Natives Olivenöl extra Und etwas mehr zum Einfetten des Blechs

Für den Belag

  • 3 große weiße Zwiebeln In feine Streifen geschnitten
  • 400 g Geschälte Tomaten (San Marzano) Aus der Dose, mit den Händen zerdrückt
  • 6 Stück Sardellenfilets in Öl Fein gehackt
  • 150 g Caciocavallo-Käse Alternativ milder Pecorino oder Provolone, gerieben oder in dünnen Scheiben
  • 50 g Semmelbrösel Sehr fein
  • 2 EL Getrockneter Oregano Intensiv aromatisch

Anleitungen
 

  • Teig zubereiten: Hartweizengrieß, Weizenmehl und Trockenhefe in der Schüssel der Küchenmaschine trocken vermischen. Das lauwarme Wasser langsam unter ständigem Rühren hinzufügen. Den Teig auf niedriger Stufe ca. 5 Minuten kneten lassen, bis er sich verbindet.
  • Salz und Öl einarbeiten: Das feine Meersalz und das Olivenöl hinzufügen. Die Geschwindigkeit der Küchenmaschine leicht erhöhen und den Teig weitere 8-10 Minuten kneten, bis er glatt, elastisch und leicht feucht ist.
  • Erste Gehzeit: Den Teig zu einer Kugel formen, in eine leicht geölte Schüssel legen, mit einem feuchten Tuch abdecken und an einem warmen Ort ohne Zugluft für ca. 90 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.
  • Sauce zubereiten: Während der Teig geht, reichlich Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen. Die Zwiebelstreifen hinzufügen und bei mittlerer bis niedriger Hitze ca. 15 Minuten weich dünsten, ohne dass sie braun werden. Die gehackten Sardellenfilets dazugeben und unter Rühren schmelzen lassen.
  • Sauce fertigstellen: Die zerdrückten Tomaten in die Pfanne geben, mit Salz und Pfeffer würzen und die Sauce bei geringer Hitze ca. 20 Minuten dickflüssig einkochen lassen. Zum Schluss die Hälfte des Oreganos unterrühren und die Sauce vollständig abkühlen lassen.
  • Teig auf das Blech bringen: Das Backblech großzügig mit Olivenöl einfetten. Den aufgegangenen Teig sanft aus der Schüssel auf das Blech gleiten lassen. Mit leicht geölten Fingerspitzen vorsichtig von der Mitte nach außen flach drücken und dehnen, bis das Blech gleichmäßig ausgefüllt ist. Den Teig auf dem Blech nochmals 30 Minuten abgedeckt entspannen lassen.
  • Belegen der Pizza: Den Ofen auf 220 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Den Caciocavallo-Käse gleichmäßig auf dem Teig verteilen (wenn er in Scheiben ist, diese leicht in den Teig drücken). Die abgekühlte Tomaten-Zwiebel-Sauce gleichmäßig darüberstreichen, sodass der Käse bedeckt ist.
  • Knusperschicht hinzufügen: Die Semmelbrösel gleichmäßig über der Sauce verteilen. Den restlichen getrockneten Oregano darüberstreuen und alles mit etwas Olivenöl beträufeln. Die Brösel saugen das Öl auf und werden beim Backen besonders knusprig.
  • Backen: Die Sfincione im vorgeheizten Ofen auf mittlerer Schiene für ca. 22-25 Minuten backen, bis der Rand goldbraun und die Semmelbrösel-Schicht knusprig geröstet ist. Vor dem Anschneiden 5 Minuten auf dem Blech abkühlen lassen.

Notizen

  • Mehl-Alternative: Sollten Sie keinen Hartweizengrieß (Semola rimacinata) finden, können Sie stattdessen Weizenmehl Type 00 verwenden. Die Textur wird dadurch etwas weicher und weniger rustikal, schmeckt aber ebenfalls hervorragend.
  • Käse-Auswahl: Der traditionelle Caciocavallo-Käse ist ein sizilianischer Knetkäse mit würzigem Aroma. Ein junger Pecorino oder ein intensiver Provolone eignen sich hervorragend als funktionale Alternative.
  • Genuss-Tipp: Sfincione schmeckt lauwarm oder sogar kalt am zweiten Tag fast noch besser, da die Aromen der Sauce dann tief in den dicken Teigboden eingezogen sind.
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Warum ist der Teig für Sfincione so dick und luftig?

Der Teig des Sfincione verdankt seine typische, schwammartige Konsistenz dem hohen Anteil an Hartweizengrieß (Semola di grano duro rimacinata) und einer hohen Flüssigkeitsaufnahme von 70 Prozent im Verhältnis zum Mehl. Der doppelt gemahlene Hartweizengrieß sorgt für eine stabile Proteinstruktur, die große Mengen Kohlendioxid während der Gärung einschließen kann, ohne dass der Teig in sich zusammenfällt. Die Zugabe von Weizenmehl der Type 550 unterstützt diese Struktur durch die Bildung eines elastischen Glutennetzwerks. Beim Backprozess dehnt sich das im Teig gebundene Wasser aus und erzeugt zusammen mit der Hefe die charakteristischen, großen Luftporen, während das Olivenöl auf dem Backblech die Unterseite des Teiges quasi frittiert und somit eine schützende, knusprige Barriere bildet.

Welche Funktion haben die speziellen Zutaten beim Sfincione?

Jede Zutat auf dem Sfincione erfüllt eine chemische und geschmackliche Aufgabe, die für das Gelingen des Gerichts essenziell ist. Der traditionelle Caciocavallo-Käse, ein gekneteter Filata-Käse aus Kuhmilch, bringt eine würzig-salzige Note und schmilzt, ohne zu viel Wasser abzugeben. Die Sardellenfilets dienen als natürlicher Geschmacksverstärker (Umami), da sie beim Erhitzen im Olivenöl vollständig zerfallen und sich homogen in der Sauce verteilen, ohne einen dominanten Fischgeschmack zu hinterlassen. Die Semmelbrösel auf der Oberfläche fungieren als Schutzschicht für die Tomatensauce: Sie saugen überschüssige Feuchtigkeit auf, verhindern das Austrocknen der Sauce im heißen Ofen und karamellisieren zusammen mit dem Olivenöl zu einer knusprigen Kruste.

Mehl- und Käsealternativen im Vergleich

Zutat im Original Mögliche Alternative Auswirkung auf Textur und Geschmack
Semola di grano duro rimacinata Weizenmehl Type 550 (vollständig) Der Teig wird weicher und verliert seinen typisch rustikalen Biss sowie die gelbliche Farbe.
Caciocavallo Milder Pecorino oder Provolone Ähnliches Schmelzverhalten; Pecorino ist etwas salziger, Provolone milder und cremiger.
Caciocavallo Frische Mozzarella Nicht empfohlen. Setzt beim Backen zu viel Wasser frei und weicht den weichen Teig auf.

Wie gelingt die Zubereitung des Sfincione fehlerfrei?

Für einen gelungenen Sfincione müssen die Zwiebeln extrem langsam gegart werden und die Sauce muss vor dem Belegen vollständig abkühlen. Werden die Zwiebeln zu heiß angebraten, verbrennen sie und entwickeln Bitterstoffe, statt süß und weich zu werden. Zudem darf die Sauce keinesfalls warm auf den aufgegangenen Teig gestrichen werden; die Wärme würde die Hefe im Teig vorzeitig zerstören und die Struktur kollabieren lassen. Ein weiterer kritischer Punkt ist das Ausrollen: Benutze niemals ein Nudelholz, da dieses die mühsam eingearbeiteten Luftblasen aus dem Hefeteig pressen würde. Der Teig wird ausschließlich mit geölten Fingerspitzen sanft von der Mitte aus in die Ecken des Blechs gedehnt.

Wichtiger Hinweis zur Reihenfolge beim Belegen

Beim Sfincione wird die traditionelle Pizza-Reihenfolge umgedreht: Der Käse (Caciocavallo) kommt direkt auf den Teig, gefolgt von der Tomaten-Zwiebel-Sauce und den Semmelbröseln. Liegt der Käse oben, schmilzt er zu einer dichten Schicht, die das Entweichen von Wasserdampf aus dem Teig verhindert. Das führt dazu, dass der Teig unter der Sauce feucht und matschig bleibt.

Profi-Tipp für die perfekte Kruste

Röste die Semmelbrösel vor dem Belegen ohne Fett ganz kurz in einer beschichteten Pfanne an, bis sie minimal Farbe annehmen. Dadurch entfaltet sich das Röstaroma noch intensiver und die Brösel bleiben beim Backen extrem knusprig, ohne zu verbrennen.

Wie wird Sfincione aufbewahrt und wieder aufgewärmt?

Sfincione schmeckt traditionell lauwarm oder sogar bei Zimmertemperatur am besten, lässt sich aber auch problemlos über mehrere Tage aufbewahren. Verpacke Reste luftdicht in Frischhaltefolie oder einer Frischhaltedose und lagere sie im Kühlschrank für maximal 3 Tage. Um die ursprüngliche Knusprigkeit der Unterseite und der Bröselkruste wiederherzustellen, solltest Du den Sfincione im Ofen bei 180 °C Ober-/Unterhitze für ca. 8 bis 10 Minuten aufbacken. Vermeide die Nutzung einer Mikrowelle, da diese die Feuchtigkeit im Teig kondensieren lässt, was die ehemals knusprige Kruste zäh und gummiartig macht.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich den Sfincione auch ohne Sardellen zubereiten?

Ja, du kannst die Sardellen weglassen, wenn du eine vegetarische Variante bevorzugst. Um das fehlende Umami, also die tiefe Würze der schmelzenden Sardellen, zu ersetzen, empfiehlt es sich, die Sauce mit einem Teelöffel dunkler Miso-Paste oder einigen fein gehackten, getrockneten Tomaten in Öl zu verfeinern. Alternativ kannst du auch einige Kapern unter die Sauce mischen, um eine salzig-saure Note zu erhalten.

Warum geht mein Teig trotz Hefe nicht richtig auf?

Das mangelnde Aufgehen des Teiges liegt meist an einer zu hohen Wassertemperatur bei der Hefeaktivierung oder an Zugluft während der Gärung. Das hinzugefügte Wasser darf eine Temperatur von ca. 30 °C nicht überschreiten, da Hefezellen ab etwa 40 °C absterben und ihre Triebkraft verlieren. Achte zudem darauf, die Teigschüssel an einem absolut windstillen Ort, beispielsweise im ausgeschalteten Ofen mit eingeschalteter Innenbeleuchtung, ruhen zu lassen.

Kann man den Sfincione-Teig schon am Vortag zubereiten?

Ja, eine lange, kalte Teigführung im Kühlschrank verbessert das Aroma und die Bekömmlichkeit des Teiges erheblich. Reduziere dafür die Trockenhefe auf etwa 2 bis 3 Gramm, knete den Teig wie beschrieben und stelle ihn nach einer Stunde Gärzeit bei Raumtemperatur für 12 bis 24 Stunden in den Kühlschrank. Nimm den Teig ca. 2 Stunden vor dem Backen heraus, damit er Zimmertemperatur annehmen kann, bevor du ihn auf dem Blech ausbreitest.

Fazit

Der Sfincione Siciliano ist ein faszinierendes Beispiel für die Vielfalt der italienischen Backkultur. Durch die Verwendung von Hartweizengrieß entsteht ein unvergleichlich fluffiger Teig, der die aromatische, süß-salzige Tomaten-Zwiebel-Mischung perfekt aufnimmt. Im Gegensatz zur klassischen Pizza überzeugt dieses Gericht durch seine dicke Textur und die raffinierte Schichtung, bei der die knusprigen Semmelbrösel das aromatische Finale bilden.

Ob als warmes Abendessen direkt vom Blech oder kalt am nächsten Tag als Snack für unterwegs – dieser sizilianische Klassiker bringt echten, rustikalen Geschmack in die eigene Küche und lässt sich mit etwas Geduld bei der Teigführung mühelos zubereiten.

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