Kurz & knapp
Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Nudelsorten liegt in ihrer Oberflächenstruktur: Penne rigate besitzen eine geriffelte Oberfläche, während Penne lisce vollkommen glatt sind. Diese unterschiedliche Beschaffenheit beeinflusst maßgeblich, wie die Pasta Soßen aufnimmt und welches Mundgefühl beim Verzehr entsteht.
In der Welt der italienischen Pasta entscheiden oft scheinbare Winzigkeiten über das Gelingen eines Gerichts. Die röhrenförmigen Penne, die schräg abgeschnitten sind und optisch an eine Schreibfeder (italienisch: penna) erinnern, gehören zu den weltweit beliebtesten Nudelsorten. Doch wer im Supermarkt oder im italienischen Feinkostladen vor dem Regal steht, stößt unweigerlich auf zwei Varianten: Penne lisce und Penne rigate.
Während im deutschsprachigen Raum fast ausschließlich die geriffelte Version in den Einkaufswagen wandert, hat die glatte Variante in bestimmten Regionen Italiens eine treue Fangemeinde und eine lange Tradition. Um die richtige Wahl für das nächste Pastagericht zu treffen, lohnt es sich, die physikalischen und kulinarischen Eigenschaften beider Sorten genauer zu betrachten. Die Struktur der Oberfläche bestimmt nämlich, wie sich die Stärke beim Kochen verhält und welche physikalische Bindung die Nudel mit der Soße eingeht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Oberfläche: Penne rigate haben feine Rillen; Penne lisce sind absolut glatt.
- Soßenhaftung: Riffeln halten dickflüssige, stückige Soßen fest; glatte Nudeln verbinden sich durch die Freisetzung von Oberflächenstärke hervorragend mit sämigen, leichten Soßen.
- Mundgefühl: Geriffelte Pasta bietet mehr Textur und Bisswiderstand; glatte Nudeln wirken eleganter, weicher und gleiten geschmeidiger.
- Kochverhalten: Glatte Penne garen gleichmäßiger durch, während bei geriffelten Penne die Spitzen der Rillen schneller weich werden als der dickere Kern.
Was zeichnet Penne rigate aus?
Penne rigate zeichnen sich durch ihre geriffelte Außenstruktur aus, die wie feine Längsstreifen auf der Nudelwand verläuft. Diese Rillen vergrößern die Oberfläche der Pasta künstlich und dienen als mechanische Barriere für Soßen aller Art. Durch die Erhebungen und Vertiefungen können sich stückige Elemente, Kräuter und dickflüssige Soßen wie Ragùs oder Pesto optimal an der Nudel festhalten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der geriffelten Struktur ist das Verhalten beim Kauen. Die feinen Rillen verleihen der Pasta im Mund eine spürbare Textur. Selbst wenn die Nudel minimal überkocht ist, vermitteln die Rillen dem Gaumen noch ein Gefühl von Struktur und Festigkeit. Das macht Penne rigate besonders fehlertolerant bei der Zubereitung im Alltag.
Historisch gesehen ist die geriffelte Variante eine modernere Entwicklung der industriellen Pasta-Herstellung. Durch das Pressen des Teigs durch Bronze- oder Teflonmatrizen mit entsprechenden Rungungen konnte ein Produkt geschaffen werden, das auch mit weniger anspruchsvollen, industriellen Soßen eine akzeptable Verbindung eingeht. Heute ist sie die unangefochtene Standard-Penne in den meisten mitteleuropäischen Haushalten.
Was zeichnet Penne lisce aus?
Penne lisce besitzen eine vollkommen glatte Oberfläche und entsprechen der ursprünglichen, traditionellen Form dieser Pasta-Sorte. Da keine Rillen die Oberfläche unterbrechen, weist die Nudel eine absolut gleichmäßige Wandstärke auf. Dies führt dazu, dass Penne lisce beim Kochprozess absolut gleichmäßig garen und einen sehr präzisen, konsistenten „Al dente“-Kern entwickeln.
In Italien, insbesondere in Kampanien und rund um Neapel, werden Penne lisce von Kennern oft bevorzugt. Das liegt an dem besonderen Mundgefühl: Die Pasta gleitet samtig über die Zunge und lenkt den Fokus auf den Eigengeschmack des Hartweizengrießes sowie die Feinheit der Soße. Werden hochwertige Penne lisce traditionell durch Bronzedüsen (trafilata al bronzo) gepresst, entsteht trotz der fehlenden Rillen eine mikroskopisch raue, matte Oberfläche, die exzellent mit flüssigen Soßen harmoniert.
Die glatte Oberfläche erfordert jedoch handwerkliches Geschick bei der Soßenzubereitung. Da keine mechanischen Rillen vorhanden sind, muss die Bindung zwischen Pasta und Soße rein physikalisch über die emulgierte Stärke des Nudelwassers erfolgen. Eine schlecht zubereitete, wässrige Soße rutscht von Penne lisce gnadenlos ab, weshalb sie in der schnellen Alltagsküche oft fälschlicherweise als minderwertig wahrgenommen werden.
Gut zu wissen
Der Begriff „lisce“ stammt vom italienischen Wort für „glatt“, während „rigate“ übersetzt „gestreift“ oder „geriffelt“ bedeutet. Beide Begriffszusätze beschreiben also schlicht die physische Textur der Teigware.
Welche Pasta eignet sich für welche Soße?
Die Entscheidung zwischen Penne lisce und Penne rigate hängt primär von der Konsistenz und Struktur der geplanten Soße ab. Als Faustregel gilt: Je stückiger und schwerer die Soße ist, desto eher greift man zu geriffelten Nudeln; je feiner, sämiger und flüssiger die Soße aufgebaut ist, desto besser eignen sich glatte Nudeln.
Penne rigate sind die idealen Partner für Fleischsoßen (wie Ragù alla Bolognese), stückige Gemüsesoßen mit Auberginen, Zucchini oder Paprika sowie für dicke Käsesoßen. Auch für Aufläufe (Pasta al forno) sind sie hervorragend geeignet, da die Rillen der Nudel dabei helfen, die flüssige Béchamel oder den geschmolzenen Mozzarella zu binden und ein Zusammenrutschen der Schichten im Ofen zu verhindern.
Penne lisce hingegen glänzen in Begleitung von leichten Soßen auf Olivenöl- oder Tomatenbasis. Klassiker wie eine einfache Salsa di Pomodoro mit frischem Basilikum, eine würzige Arrabbiata oder Soßen mit Meeresfrüchten harmonieren perfekt mit der glatten Textur. Die Soße umhüllt die glatte Nudel wie ein feiner Film, anstatt sich in Rillen anzusammeln, was zu einem eleganteren und ausgewogeneren Geschmackserlebnis führt.
Im Vergleich
| Eigenschaft | Penne lisce (glatt) | Penne rigate (geriffelt) |
|---|---|---|
| Haptik/Optik | Vollkommen glatte, seidige Oberfläche | Parallel verlaufende Längsrillen |
| Mundgefühl | Weich, gleitend, gleichmäßiger Biss | Strukturiert, griffig, festerer Eindruck |
| Soßenbindung | Physikalische Bindung durch Stärkeemulsion | Mechanische Haftung in den Rillen |
| Ideale Soßen | Leichte Tomatensoßen, Aglio e Olio, Fisch | Ragùs, stückiges Gemüse, dicke Käsesoßen |
| Kochzeit-Toleranz | Geringer (muss exakt auf den Punkt gekocht werden) | Höher (verzeiht leichtes Übergaren) |
Warum ist die Herstellungsart entscheidend?
Die Qualität von Penne – egal ob glatt oder geriffelt – entscheidet sich maßgeblich beim Herstellungsprozess (Extrusion). Traditionelle Pastamacher pressen den Teig aus Hartweizengrieß und Wasser durch Formen aus Bronze. Dieses Verfahren wird als „trafilata al bronzo“ bezeichnet. Es hinterlässt auf der Nudloberfläche eine raue, weißliche und matte Struktur, die reich an mikroskopischen Poren ist.
Im Gegensatz dazu nutzen günstige, hochfrequentierte Großindustrien oft Teflonmatrizen. Teflon reduziert den Reibungswiderstand, wodurch die Produktion schneller abläuft und die Nudeln eine gelbliche, glänzende und extrem glatte Oberfläche erhalten. Dieser Unterschied ist gravierend: Eine durch Bronze gepresste Penne lisce hält Soßen durch ihre mikroskopische Rauheit um ein Vielfaches besser als eine billig produzierte, teflongepresste Penne rigate, bei der die Soße trotz der Rillen einfach abgleitet.
Daher sollte beim Kauf von Penne lisce unbedingt auf den Hinweis „Bronzeverfahren“ oder „trafilata al bronzo“ geachtet werden. Erst diese traditionelle Herstellungsart entfaltet das volle kulinarische Potenzial der glatten Nudel und widerlegt das Vorurteil, dass an glatter Pasta keine Soße haften bleibt.
Profi-Tipp
Um bei Penne lisce die perfekte Bindung zu erzielen, sollte die Pasta eine Minute vor Erreichen der eigentlichen Al-dente-Garzeit direkt aus dem Topf in die Pfanne zur Soße gegeben werden. Unter Zugabe von ein bis zwei Kellen des stärkehaltigen Nudelwassers wird die Pasta bei starker Hitze geschwenkt (mantecare). Die austretende Stärke verbindet sich mit dem Fett der Soße zu einer cremigen Emulsion, die perfekt an der glatten Oberfläche haftet.
Häufige Fehler bei der Zubereitung vermeiden
Ein häufiger Fehler bei der Zubereitung von Penne lisce ist das Abschrecken der fertigen Nudeln mit kaltem Wasser. Dadurch wird die wertvolle Oberflächenstärke, die für die Bindung der Soße essenziell ist, komplett weggespült. Die Soße gleitet in der Folge unweigerlich ab und die Nudeln liegen trocken auf dem Teller.
Zudem tendieren viele Kochbegeisterte dazu, die Nudeln in einem separaten Sieb vollständig abtropfen zu lassen und erst auf dem Teller mit der Soße zu portionieren. Bei Penne – insbesondere bei der glatten Variante – sollten Nudeln und Soße jedoch immer direkt im Topf oder in der Pfanne miteinander vermählt werden. Nur so kann die thermodynamische Verbindung entstehen, die ein perfektes Pastagericht ausmacht.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Wassermenge: Pasta benötigt ausreichend Platz zum Kochen. Wird zu wenig Wasser verwendet, konzentriert sich die Stärke im Topf zu stark und die Nudeln werden klebrig. Als Richtwert gilt: 100 Gramm Pasta benötigen mindestens einen Liter Wasser und etwa 10 Gramm Salz. Das Salz gehört erst ins Wasser, wenn dieses bereits sprudelnd kocht.
Häufig gestellt Fragen
Warum sind Penne lisce in Deutschland so selten zu finden?
Der deutsche Einzelhandel orientiert sich stark an den etablierten Konsumgewohnheiten, bei denen Verbraucher eine hohe Fehlertoleranz beim Kochen schätzen. Da geriffelte Penne auch bei leichter Übergarung optisch stabiler wirken und Soßen rein mechanisch festhalten, hat sich diese Sorte im Massenmarkt durchgesetzt. Glatte Penne gelten im Handel oft als schwerer verkäuflich, da das Wissen um die richtige Bindung mittels Nudelwasser in der schnellen Alltagsküche weniger verbreitet ist.
Welche Penne-Sorte eignet sich besser für Nudelsalat?
Für kalte Nudelsalate sind Penne rigate in der Regel die bessere Wahl, da sie Mayonnaise, Joghurt-Dressings oder Vinaigrettes sowie kleine Gewürzkräuter in ihren Rillen optimal festhalten. Da Nudelsalate meist einige Zeit durchziehen, behalten geriffelte Nudeln zudem eine stabilere Textur und wirken optisch plastischer. Glatte Penne neigen in kalten Salaten eher dazu, das Dressing zum Schalenboden abfließen zu lassen.
Schmecken Penne rigate anders als Penne lisce?
Vom reinen Teig her schmecken beide Sorten absolut identisch, da sie aus den gleichen Grundzutaten – Hartweizengrieß und Wasser – bestehen. Das veränderte Geschmacksempfinden resultiert ausschließlich aus der Physik des Kauvorgangs und der Verteilung der Soße. Die unterschiedliche Oberflächenstruktur beeinflusst, wie viel Luft beim Kauen beigemischt wird und in welchem Verhältnis Teigstärke und Soßenaromen auf die Geschmacksknospen treffen.
Wie verhindert man das Zusammenkleben von Penne lisce nach dem Kochen?
Das Zusammenkleben wird am effektivsten verhindert, indem die Nudeln direkt nach dem Abgießen mit der warmen Soße vermengt werden. Die Zugabe von Speiseöl in das kochende Nudelwasser ist hingegen kontraproduktiv. Das Öl legt sich als Film um die Pasta und verhindert später, dass die Soße an der Nudel haften kann. Wer die Pasta pur warmhalten muss, sollte sie mit einem kleinen Schuss Kochwasser aufbewahren und gelegentlich durchschwenken.
Fazit
Der vermeintlich kleine Unterschied zwischen Penne lisce und Penne rigate hat in der Praxis spürbare Auswirkungen auf das kulinarische Endergebnis. Während die geriffelte Penne rigate der unkomplizierte Allrounder für den Alltag ist und schwere, stückige Soßen sowie Aufläufe hervorragend meistert, liefert die traditionelle Penne lisce bei korrekter Zubereitung ein feineres, eleganteres Mundgefühl. Wer mit der Technik des Emulgierens mit Nudelwasser vertraut ist und hochwertige, in Bronze gepresste Teigwaren wählt, wird mit einer perfekten Harmonie aus Pasta und Soße belohnt.
Passende Rezepte zum Ausprobieren

Cremige Penne Tacchino mit saftiger Putenbrust und Champignons
Kochutensilien
- 1 Großes Schneidebrett Holz oder Kunststoff
- 1 Scharfes Kochmesser
- 1 Große Pfanne* Am besten mit hohem Rand für die Sauce
- 1 Kochtopf Für die Nudeln
- 1 Nudelsieb* Zum Abgießen
Zutaten
Zutaten
- 400 g Penne Hartweizengrieß oder Vollkorn
- 400 g Putenbrustfilet Frisch
- 250 g Braune Champignons Geputzt
- 1 Stück Zwiebel Mittelgroß
- 2 Zehen Knoblauch Geschält
- 2 EL Olivenöl Zum Anbraten
- 150 ml Geflügelfond Alternativ Gemüsebrühe
- 200 ml Schlagsahne Zum Kochen
- 50 g Parmesan Frisch gerieben
- 1 Bund Frische Petersilie Gewaschen
Anleitungen
- Das Putenbrustfilet unter fließendem kalten Wasser kurz abwaschen, mit Küchenpapier trocken tupfen und in mundgerechte Streifen schneiden. Die Zwiebel und den Knoblauch fein würfeln. Die Champignons putzen und in etwa 3 mm dicke Scheiben schneiden.
- In einem großen Topf ausreichend Salzwasser zum Kochen bringen. Die Penne hineingeben und nach Packungsanweisung al dente (bissfest) kochen. Vor dem Abgießen durch das Nudelsieb etwa eine halbe Tasse des stärkehaltigen Nudelwassers auffangen und beiseite stellen.
- Während die Nudeln kochen, das Olivenöl in der großen Pfanne bei mittlerer bis hoher Hitze erwärmen. Die Putenstreifen hineingeben und rundherum kräftig anbraten, bis sie eine leichte Röstfarbe annehmen. Mit etwas Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer würzen, aus der Pfanne nehmen und auf einem Teller ruhen lassen.
- Die Hitze etwas reduzieren. In derselben Pfanne die Zwiebel- und Knoblauchwürfel glasig andünsten. Die Champignonscheiben hinzufügen und für etwa 4-5 Minuten anbraten, bis das austretende Wasser verdampft ist und die Pilze eine leichte Bräunung erhalten.
- Den Pfanneninhalt mit dem Geflügelfond ablöschen, dabei den Bratensatz vom Pfannenboden lösen. Die Sahne einrühren und die Sauce bei mittlerer Hitze für ca. 5 Minuten sanft einköcheln lassen, bis sie leicht andickt.
- Den frisch geriebenen Parmesan in die Sauce einrühren, bis er vollständig geschmolzen ist. Die Putenstreifen mitsamt dem ausgetretenen Fleischsaft wieder in die Pfanne geben und alles gut vermengen. Die Sauce noch einmal mit Salz und Pfeffer abschmecken.
- Die abgetropften Penne in die Pfanne geben und gründlich unter die Sauce heben. Sollte die Sauce zu dickflüssig sein, schluckweise das aufgefangene Nudelwasser hinzugeben, bis die gewünschte cremige Konsistenz erreicht ist.
- Die Petersilie fein hacken, großzügig über die Penne Tacchino streuen und das Gericht direkt heiß servieren.




